KAPITEL VIERUNDACHTZIG
Avillas Sicht
Ich hab drüber nachgedacht, ihm von Rohans Besuch zu erzählen.
Er hat an meine Tür geklopft und verlangt, dass wir reden, ich war schockiert über seine Dreistigkeit, meinem Haus so nahe zu kommen, wo ich ihm doch ausdrücklich gesagt hatte, er soll das nicht tun, aber wenn er was so Wichtiges zu sagen hatte, dann sollte ich ihm vielleicht erstmal zuhören.
Das ganze Gespräch ist so schnell aus dem Ruder gelaufen, ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen.
Es hat am Nachmittag an meiner Tür geklopft, nur zwei Tage nachdem Wladimir weggefahren war, um seinen Vater zu sehen, und ich hab niemanden erwartet. Nicht mal Camilla, ich bin vom Wohnzimmer aufgestanden, hab die Sendung, die ich geschaut hab, pausiert und bin zur Tür gegangen.
Ich hab diese Aktion sofort bereut, als ich gesehen hab, wer es war, ich hab versucht, die Tür zuzumachen, aber er hat sie mit seinem Fuß verkeilt. Ich war nicht in Stimmung, mit ihm Spielchen zu spielen, und ich war sicher, das stand mir ins Gesicht geschrieben.
Er ist in mein Haus gestürmt und ich hab mir gedacht: 'Er gibt sich Mühe, wenn er glaubt, damit kann er mich zurückgewinnen, dann macht er einen beschissenen Job.'
'Was zur Hölle willst du?' hab ich ihn in einem unmissverständlichen Ton gefragt.
Er hat mich angesehen und gelächelt.
'Du siehst gut aus, ich schätze, dein neuer Freund kümmert sich gut um dich', fängt er schließlich an.
'Ist das alles, was du hierher gekommen bist, um zu sagen? Ich hab wichtige Sachen zu tun', hab ich ihn gewarnt.
'Er hat Glück', hat er gekichert.
Ich hab Rohan genau angesehen und konnte sehen, dass er sich verändert hat, er sah rauer und finsterer aus als das letzte Mal, als ich ihn gesehen hab. Er hatte jetzt diese böse Aura um sich.
Ich weiß nicht mal, wann ich angefangen hab, Auren zu sehen, ich weiß, mein Körper ist anders, seit ich mit Wladimir rumhänge.
'Da du deinen Spaß hattest und ich meinen, sollten wir denke ich weitermachen und das hinter uns bringen…' fing er an.
Er ist hierher gekommen, um Frieden zu schließen, ich dachte, er würde wieder Ärger machen.
'Ja, wir sollten weitermachen', hab ich seine Rede abgefangen.
Er hatte absolut recht und wir sollten das beenden, was auch immer das ist, und mit unserem Leben weitermachen, ich war gern mit Wladimir zusammen und ich denke, er wäre besser dran mit Sophie.
'Wir sollten weitermachen und wieder zusammenkommen', hat er lauter gesagt.
Ich konnte nur ihn anstarren, ist er auf Drogen? Das könnte der einzige Grund sein, warum er so was sagen würde.
'So soll es sein, ich muss dir auch was sagen', hat er gesagt und sich nervös am Nacken gekratzt.
'Was?', hab ich ihn gefragt.
'Du siehst… Ich bin nicht genau das, was du denkst, und ich bin sicher, dein kleiner Freund hat dir nicht gesagt, was er ist', hat er gesagt.
Ich hab ihn angesehen, als wäre er dumm, er soll sich doch auf sich selbst konzentrieren, aber er greift Wladimir an. Typisch Rohan, egoistisch und immer auf Gewalt aus.
'Was?', hab ich fassungslos gefragt.
'Ich bin kein Mensch', sagt er einfach.
'Das sagst du?', hab ich gesagt.
Er hat mich schockiert angesehen und ich hab gelächelt, es war schön, mal die Oberhand zu haben.
'Das ist das erste Mal, dass du das Richtige tust, aber zur ganz falschen Zeit. Du denkst, jeder ist so eitel wie du?' hab ich ihn gefragt.
'Was?', hat er immer noch schockiert gefragt.
'Ich weiß, was Wladimir ist, ein Vampir, und ich weiß auch, was du bist. Ein egoistischer Wolf, der keine Verantwortung übernehmen kann', hab ich ihm gesagt.
'Ähm… hat er es dir erzählt?', hat er mich gefragt.
Ich war gerade sauer, ich weiß nicht, woher die Wut kam, aber ich wollte ihn wirklich schlagen.
'Nein, du Dummkopf! Weil ich einer bin!' hab ich ihn angeschrien.
Es war befriedigend, zu sehen, wie ihm mal die Kinnlade runterfiel, er sah schockiert aus, mit dem Gesicht so weiß wie ein Leintuch.
Dann verwandelte sich das plötzlich in Wut.
'Warum hast du es mir nicht gesagt?' hat er mich angeschrien.
Ich bin überrascht einen Schritt zurückgegangen, er ist sauer auf mich?
'Wie bitte?!' hab ich ihn gefragt.
'Du dummes Mädchen, all das hätte vermieden werden können', hat er gesagt.
Ich hab ihn lange angestarrt und bin in Gelächter ausgebrochen, er war wirklich auf Drogen.
'Was für ein Mädchen denkst du, würde mit einer egoistischen, narzisstischen und eitlen Person wie dir zusammen sein wollen?' hab ich ihn gefragt.
Er hat die Frage ignoriert und sich nur darauf konzentriert, mir die Schuld zu geben.
'Das ist alles deine Schuld! Ich wäre nicht mal mit Sophie zusammen, wenn du mir gesagt hättest, dass du kein Mensch bist, und wie konntest du deinen Geruch so lange verbergen?' hat er gefragt.
'Wirklich? Du gibst mir ernsthaft die Schuld?' hab ich ihn gefragt.
Er hat mit dem Kopf genickt, aber nichts gesagt.
'Weißt du, ich hab aus all dem Drama und der emotionalen Achterbahn, durch die du mich gejagt hast, was begriffen. Du bist mehr an Macht interessiert als daran, glücklich zu sein', hab ich ihm gesagt.
Er hat mich angefaucht und gleichzeitig die Augen verdreht.
'Avilla, ich hab was getan, um sicherzustellen, dass uns nie wieder jemand im Weg steht, da du jetzt deinen Wolf hast. Wir können ohne Sorgen zusammen sein', hat er gesagt.
Moment, meint er das ernst? hab ich mich gefragt,
Ich hab mir die Schläfe gerieben, weil ich Kopfschmerzen hatte vom ganzen Geschrei.
'Rohan, was hast du getan?' hab ich ihn gefragt.
'Du siehst den neuen Alpha meines Rudels', hat er stolz verkündet.
Oh-oh.
'Ist das der Grund, warum du hierhergekommen bist? Du denkst, als Alpha wärst du ein besserer Mensch? Alles, was du getan hast, ist, mehr Macht zu bekommen, und du wirst ein beschissener Mensch und noch beschissenerer Partner für wen auch immer, weil es nicht ich bin und es nie ich sein kann', hab ich verächtlich gespuckt.
Er hat geblinzelt und plötzlich hatte er meinen Nacken in seinen Händen. Er hat meinen Hals so fest zugedrückt, dass ich wiederholt husten und keuchen musste, aber er hat nicht losgelassen.
'Der Fehler, den du machst, ist zu denken, ich würde dich mit dieser Blutegel-Gestalt zusammen sein lassen, du gehörst mir und wirst immer mir gehören. Es spielt keine Rolle, ob ich Sophie ficke, du gehörst mir Avilla, denk nicht, dein kleiner Vampir-Boy würde das verhindern', hat er gesagt, bevor er mich fallen ließ.
Als ich die Geschichte zu Ende erzählt hatte, waren Wladimirs Augen blutunterlaufen und ich weiß, es sah gruselig aus, aber ich fühlte mich zu seiner dunklen Seite hingezogen. Es hat mich erregt.
'Er hat es gewagt, seine dreckigen Hände an meine Gefährtin zu legen?' hat er düster gesagt.
'Es ist okay, er hat mir nichts getan. Mir geht's gut', hab ich ihn beruhigt, als ich mich an ihn lehnte.
Er hat sich beruhigt, aber ich wusste, das war noch lange nicht vorbei.
Er ist eine Weile später gegangen, mit dem Versprechen, morgen zurückzukommen, um mich abzuholen, damit wir seinen Vater besuchen können.