Kapitel 102 Zufälle
Trixie hat kurz innegehalten und erstmal gar nichts gemacht. Was meinte sie denn mit unehrlich?
Sie hat die Stirn gerunzelt und Allison gefragt: „Wie meinst du das? Kannst du das mal genauer erklären?“
„Buchstäblich“, hat Allison gelächelt. „Ich hab schon mal gesehen, wie eine Frau in die Firma gekommen ist, um ihn zu treffen. Er war mit der Frau lange im Büro. Ich weiß nicht, was die da gemacht haben.“
Allisons Worte waren unklar, aber Trixies Herz hat genau deswegen Alarm geschlagen.
„Wie sieht die Frau denn aus?“
„Sehr hübsch und sie hat was drauf. Was mir am meisten in Erinnerung geblieben ist, ist, dass sie einen langen roten Rock anhatte.“
Schon wieder ein langer roter Rock!
Trixie hat sich erinnert, dass Jessa Huggins ihr mal erzählt hat, dass man auf der Austauschparty des Clubs eine Maske und einen langen roten Rock tragen muss. Trixie wusste jetzt nicht, ob die Frau in Allisons Worten was mit dem Club zu tun hat oder ob es einfach nur Zufall ist? Aber egal welche Möglichkeit, diesen Hinweis wollte sie nicht verpassen. Denn wenn die Frau wirklich ein Mitglied des Clubs war, dann hat das bewiesen, dass ihr geliebter Ehemann auch in dem Club mitgemischt hat.
Aber die Frage war, wer diese Frau sein könnte?
Erin Matthew war ja mit Frank verheiratet. Nathalie war auch schon wieder im Studium. Keiner von beiden konnte mehr was mit Daryl am Hut haben.
War es Hailey?
Während sie nachgedacht hat, hat sie ihr Handy rausgeholt, ein paar Selfies von Hailey aus ihrer Galerie gekramt und die Allison gezeigt.
„Ist das die Frau?“
Allison hat die Stirn gerunzelt und den Kopf geschüttelt, als sie sich die Situation ganz genau angeschaut hat. „Das ist sie nicht. Sie war jünger als die Frau. Ich glaub, ich hab meiner Schwester einen Gefallen getan. Ich hab kein Foto von der Frau gemacht, weil ich was anderes zu tun hatte. Ich möchte dich aber dran erinnern, dass du mir die Bilder per E-Mail schicken kannst, wenn du Zweifel hast, als kostenloser Service.“
Trixie musste über Allisons Worte grinsen. Um ehrlich zu sein, wenn es das Missverständnis vorher nicht gegeben hätte, wäre ihr Eindruck von diesem kleinen Mädchen besser als jetzt.
Als sie das Café verlassen hat, ist Trixie zu Kinsleys Schule gefahren, um sie für den Klavierunterricht abzuholen, bevor die Schule zu Ende war. Sie hatte Kinsley schon zum Klavierunterricht gebracht, als sie unerwartet Jessa getroffen hat.
Sobald sie sich gesehen haben, konnte Jessa ihr Leid nicht mehr für sich behalten, und ihr Gesicht war ganz eingefallen.
„Was ist denn los mit dir? Bist du mit Rick noch nicht zusammengekommen? Wieso bist du immer noch so traurig?“
„Vergiss es“, hat Jessa geseufzt, „Auf der letzten Austauschparty hat eine der Frauen was mit Rick am Laufen gehabt. Ich weiß nicht, wo ich Ricks Kontaktinformationen herbekommen soll. Vor zwei Tagen hab ich rausgefunden, dass sie im Hotel mit meinem Mann eingecheckt hat.“
Trixie war etwas peinlich, als sie das erwähnt hat. Sie war schließlich eine Außenstehende. Rick Wilson hatte das schon öfter gemacht, und sie konnte ihn nicht aufhalten.
„Ihr seid doch alle im Club. Find doch einen Weg, dass dein Mann sie loswird. Wieso ist Rick Wilson immer noch so drauf?“
Jessa hat den Kopf geschüttelt und war hilflos. „Das Problem ist jetzt nicht, dass Rick Wilson mit der Frau rumgemacht hat. Ich hab Angst, dass die obere Führungsebene des Clubs davon erfährt. Wenn das rauskommt, wird das Video enthüllt. Was ist, wenn wir nicht mehr in den Club dürfen?“
Trixie hat verstanden, worüber sich Jessa Sorgen gemacht hat.
Die Clubregeln erlauben es Mitgliedern nicht, privat Kontakt zu haben. Rick Wilson und das weibliche Mitglied haben ein Zimmer im Hotel aufgemacht, was gleichbedeutend damit war, dass sich die beiden privat getroffen haben. Deshalb hat sich Jessa Sorgen gemacht, dass das Video der Vereidigungszeremonie, als sie mit Rick Wilson in den Club gekommen ist, veröffentlicht wird, falls die obere Führungsebene des Clubs das herausfindet. Damals wäre es nicht nur eine Frage des Betrugs, sondern auch der Ruf der beiden in der Szene.
„Hast du also Angst, dass die Frau dich damit erpresst?“
Jessa hat genickt. „Sie hat mich schon mal gesucht, und ich hab ihr eine Summe Geld gegeben. Aber dann hat sie nachgelegt und noch mehr verlangt. Rick Wilson weiß immer noch nichts davon. Bei seinem Temperament hab ich Angst, dass er sich gegen die Frau stellt.“
„Egal, der Fehler ist von ihr und Rick Wilson gemacht worden. Sie kann dich erpressen. Aber wieso kannst du sie nicht erpressen?“
Trixies Worte haben Jessa innehalten lassen, dann hat sie Trixies Arm fest gepackt und dringend gefragt: „Schwester, du hast eine Idee, oder?“
„So ist das auch nicht. Es kommt drauf an, ob du dich traust zu pokern.“
Jessa hatte das Gefühl, dass sich alles zusammenfügt, und ihre Stimme war aufgeregt. „Sag schon! Ich tue alles, damit ich diesen Vampir loswerde.“
„Du fragst sie nach einem Treffen, und dann suchst du einen Weg, heimlich Videos oder Tonaufnahmen zu machen. Solange du sie dazu bringen kannst, zu sagen, dass sie Rick selbst provoziert hat, was soll dir denn dann passieren?“
Nachdem Jessa Trixies Worte gehört hat, hat sie plötzlich was verstanden. „Siehst du, ich hatte echt Angst vor der Frau. Danke, Schwester. Ich weiß jetzt, was ich tun soll.“
Der Knoten in ihrem Herzen war geplatzt, Jessas Laune war viel besser, und sie hat angefangen, Trixie endlos zuzutexten.
„Übrigens, Schwester, wie geht's dir in den letzten Tagen? War das deine Verwandte, die mit deinem Mann zusammen war, als er dein Kind abgeholt hat? Warst du mit deiner Arbeit beschäftigt?“
„Vor zwei Tagen war was los, also hat Daryl Kinsley abgeholt. Was ist denn?“ Sie wusste nicht wieso, aber als Jessa das erwähnt hat, hat Trixie sich unheimlich unwohl gefühlt. Irgendwas schien sie zu beunruhigen.
„Ich hab gesehen, wie eine Frau zwei Tage hintereinander im Auto saß, als er das Kind abgeholt hat, also wollte ich dich fragen, ob das eine Verwandte ist oder...“
„Vielleicht war es seine Sekretärin, Erin? Das kleine Mädchen mag Kinsley sehr gern. Es ist auch normal, dass Daryl Kinsley mit ihr abholt.“
„Nicht Erin“, hat Jessa mit großer Gewissheit gesagt, „Ich hab sie schon oft gesehen, das war sie definitiv nicht. Die Frau im Auto war sehr gepflegt. Ich bin mir jedenfalls nicht sicher, wie alt sie war.“
„Wirklich? Dann geh ich mal zurück und frag Daryl, der hat mir ja noch nicht mal was erzählt.“
Nachdem Jessa das gesagt hat, ist Trixies Herz komplett kalt geworden. Als sie wusste, dass Erin Matthew nicht diejenige war, die im Auto saß, ist die letzte Saite in ihrem Kopf gerissen. Sie konnte echt nicht erraten, wer diese Frau sein sollte, wenn es nicht Erin, Nathalie und Hailey waren?
Ein Mysterium nach dem anderen hat Trixie verschlungen. Sie wusste nicht, ob das, was sie gemacht hat, überhaupt was bringt. Sogar sie wollte aufgeben.
Dann hat sie, wie Jessa gesagt hat, ein Auge zugedrückt und mit Daryl im selben Haus gelebt. Aber wenn das der Fall ist, hatte Trixie das Gefühl, dass sie genauso gut mit Kinsley abhauen könnte. Es war besser, für so ein sinnloses Leben direkt zu sterben, wenigstens musste sie keine Reihe von Lügen von ihrem Mann ertragen.
Aber der einzige Rest von Vernunft hat sie von der Idee abgebracht. Sie war nicht einfach nur eine beliebige Person, selbst für ihre Würde in dieser Ehe sollte sie ihr Bestes geben, um die Wahrheit herauszufinden. Zumindest sollte er ihr eine Erklärung geben.