Kapitel 11
Du hast es nicht mal gecheckt, aber dein Herz checkt alles.
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Fakt: Ein gutaussehender Typ knutscht mich.
Krasse Tatsache: Ich kenne ihn nicht mal.
Seltsame Tatsache: Ich fand's geil.
Als seine Lippen meine küssten, da war's so, als würde ich alles vergessen. Seine Lippen waren so weich und ein komisches Kribbeln ist durch sie bis in meine Zehen gesaust.
Langsam knabberte er an meiner Unterlippe, was meinen Bauch total verrückt gemacht hat.
Oh mein Gott, was soll ich tun? Er knutscht mich und ich kenne ihn nicht mal. Das ist mein erster Kuss und ich find's geil? Was zur Hölle stimmt mit mir nicht?
Schieb ihn einfach weg. Wirst du?
Ja, ich muss ihn wegschieben, das ist das Einzige, was ich tun kann. Ich hab meine Hände bewegt, um ihn wegzuschieben, aber die wollten einfach nicht. Meine Hände haben ihren Platz um seinen Nacken gefunden und was dann passiert ist, glaubt ihr nicht, weil ich's auch nicht glaube.
Ich hab ihn zurückgeknutscht!
Ja. Ich hab ihn zurückgeknutscht.
Es ist so peinlich. Warum? Weil ich ihn nicht mal kannte und ihn zurückgeknutscht hab.
Wir waren beide voll im Knutsch-Modus, als jemand sich räusperte und den Typen, den ich geküsst hab, auf die Schulter tippte, obwohl er mich zuerst geküsst hat.
Er hat sich entschuldigt und ist hin, um mit der Person zu quatschen, die uns unterbrochen hat.
Ich hab darauf gewartet, dass er zu mir zurückkommt. Ich konnte sie von hier aus sehen, wo sie geredet haben, aber ich hab auf ihn gewartet.
Geh doch einfach schon!
Soll ich gehen? Ich glaub, ich muss zu ihm gehen, bevor ich ihn in der Menge nicht mehr erkenne, weil er, genau wie ich, auch die Maske trägt – wie alle anderen. Ich will, dass er seine Maske abnimmt. Damit ich ihn sehen kann.
Ich hab mit mir selbst gekämpft und bin in ihre Richtung gegangen, aber sie haben sich unterhalten?
Eine Kunst des Wortaustauschs.
Das weiß ich schon, danke vielmals an meine innere Stimme für die Erleuchtung.
Ok, sie haben sich ernsthaft unterhalten. Was soll ich tun? Soll ich ihrem Gespräch lauschen oder einfach wieder zurückgehen?
Ich bin jetzt total verwirrt, weil es unfein ist, anderen Leuten beim Quatschen zuzuhören, ich hab geseufzt, als ich zu mir selbst gedacht hab.
Ach, scheiß auf die Etikette. Hör doch einfach mal zu!
Ja. Ich denk später drüber nach. Ich bin zu der Säule gegangen, die ihnen am nächsten war, ohne Lärm zu machen, und hab mich dahinter versteckt.
„Die sind hier.“ hat der gesagt, der uns unterbrochen hat.
„Warum?“ hat er wütend gefragt, als er gegen die Wand gehauen hat.
Und lass mich dir eins sagen, ein süßer Moment hat mich vor Angst zusammenzucken lassen.
„Ich weiß es nicht.“ hat der Typ gemurmelt.
„Gehen wir dann.“ Er ist auf die andere Seite losmarschiert.
„Cole, geht's dir gut?“
Warte! Was? Hab ich richtig gehört oder ist das nur so ein dummer Gedanke von mir?
„Cole, warte, ich komm mit dir.“ und beide sind in der Menge verschwunden.
Ich bin wie erstarrt an meinem Platz stehen geblieben.
Ja.
Ich hab richtig gehört.
Auf jeden Fall.
Wie zur Hölle soll das heißen, dass Cole der Typ ist, mit dem ich getanzt und vor allem geknutscht hab?
War mein erster Kuss mit ihm? Warum? Gott, warum?
Warum tust du mir das an, und vor allem, warum ist es Cole? Warum zur Hölle hat er mich geküsst? Und hat mich nicht nur geküsst, sondern mich dazu gebracht, es geil zu finden, und irgendwie hat er mich dazu gebracht, ihn zurückzuknutschen.
Ist das ein anderes dreckiges Spiel von Cole? Dann bring ich ihn um, aber dann hab ich gedacht, vielleicht wusste er es ja gar nicht wegen dieser dummen Maske.
Aber warum hat er gesagt, er hat mich in seinen Träumen gesehen?
Oh, wie kannst du das glauben? Vielleicht war das seine Art zu flirten.
Ja. Vielleicht! Aber ich kann hier nicht stehen bleiben, als wäre nichts passiert. Ich muss allein sein, um nachzudenken, mich zu beruhigen, sonst weiß ich nicht, was passiert. Ich vertrau mir selbst nicht, ich hab Aggressionsprobleme. Also sollte ich für eine Weile allein sein. Ich hab geseufzt und bin in die Waschräume gegangen. Das ist der einzige Ort, denk ich, bisher. Als ich dort angekommen bin, hab ich mir Zeit gelassen, um über alles nachzudenken, was in den letzten Stunden passiert ist. Ich konnte mir keinen Reim drauf machen, warum das alles passiert. Ist das ein Zufall oder ist es absichtlich passiert?
Nachdem ich meine Zeit in den Waschräumen verbracht hatte, hab ich beschlossen, was ich tun muss: so schnell wie möglich raus.
Entschlossenheit hat sich in meinem Kopf festgesetzt, ich bin aus den Waschräumen raus und bin in Richtung Ausgangstür gelaufen, ohne irgendwas zu bemerken, und dann hab ich was gesehen.
Cole knutscht ein anderes Mädchen mitten auf der Tanzfläche, wo alle sie beobachten. Wie kann er das tun? Nachdem er mich geküsst hat, knutscht er ein anderes Mädchen. Tränen sind mir in die Augen gestiegen und ich hab angefangen zu weinen. Ich weiß, das klingt vielleicht dumm, deswegen weine ich! Scheiß drauf. Ich weiß noch nicht mal, warum ich deswegen weine. Es ist sein Leben, er kann jeden küssen und alles in seinem Leben tun.
Ich weiß nicht, warum und wann, aber mein Herz ist kurz davor, zu explodieren.
Was zur Hölle passiert mit mir? Oh mein Gott, ich hab noch nie über jemanden so gedacht, wie ich es jetzt fühle! Warum weine ich? Warum benehme ich mich, als hätte ich Schluss gemacht? Warum passiert irgendwas mit meinem Herzen, warum kann ich nicht atmen, warum kann ich nichts dagegen tun?
Warum? Was zur Hölle stimmt mit mir nicht? Warum weine ich wegen ihm? Es ist doch nur ein Kuss, um Gottes Willen, aber warum?
Weil du dich in ihn verliebt hast und eifersüchtig bist, so einfach ist das.
Ernsthaft, stimmt das? Ich hab mich in ihn verliebt? Was dann, wenn ich's hab?
Er ist einfach nicht an mir interessiert, das weiß ich, und er ist auch nicht an dem Mädchen interessiert, das er vorher geküsst hat, was zufällig ich war. Ja, deswegen macht er das. Er küsst ein anderes Mädchen, ohne daran zu denken, dass alle Augen sie beobachten, wie ein Adler sein Futter beobachtet.
***
Ich hab mich in dem Bereich wiedergefunden, wo alle Drinks serviert wurden.
„Gib mir was Echtes zu trinken.“ Hab ich meine Stimme gehört.
Als ich den Drink bekommen hab, was auch immer drin war, hab ich alles auf einmal runtergekippt.
Was erwartest du von mir, nachdem ich den echten Drink getrunken hab, von dem ich nicht mal weiß, was es ist?
Tanzen wie ein Irrer? Nun, das kann ich auch ohne zu trinken.
Also, mit irgendeinem Fremden rummachen? Ich glaube nicht, dass das in meinem Fall passieren wird.
Und last but not least. Anzufangen, mich zu übergeben? Mitten auf dieser dummen Gala, das tu ich nicht, danke vielmals.
Ich bin abgezogen und so schnell wie möglich aus diesem Ort raus, und hab immer mehr und mehr geweint. Ja, es klingt scheiße, aber was kann ich tun? Ich hab meine Tränen nicht unter Kontrolle.
Ich fühl mich einsam, total einsam, und das ist echt scheiße.
Ich hab mein Handy rausgeholt und Mamas Nummer gewählt. Sie hat im dritten Klingeln abgehoben.
„Hallo, Amy! Warum bist du so spät wach?“
„Mama“, hab ich geflüstert.
„Hast du geweint?“ Besorgnis ist aus ihrer Stimme getrippelt.
„Nein.“
„Warum klingst du dann so? Und bist du draußen vor dem Haus?“
„Ja.“
„Was? Bist du betrunken?“
„Ja. Nein. Ich weiß es nicht.“ hab ich gemurmelt.
„Amy Parker, darüber reden wir später. Jetzt sag mir, wo du bist, damit ich dir ein Taxi schicken kann. Verstanden?“ hat sie verlangt.
„Ja.“
Ich hab ihr meine Adresse mit verschlafener Stimme gesagt, nur ich weiß, wie ich es geschafft hab, sie ihr zu geben, ohne umzukippen. Ein Taxi kam in weniger als zwanzig Minuten. Ich bin eingestiegen und eingeschlafen, aber ich hab so ein Gefühl, dass ich was vergessen hab.
Nun, darüber kann ich später nachdenken, jetzt ist alles verschwommen für mich. Der Taxifahrer hat mich buchstäblich in meinen Ohren angeschrien, als ich zu Hause angekommen bin.
Nach fast zwanzig Versuchen ist die Tür zu meinem Zuhause endlich aufgeschlossen.
Ich hab geseufzt.
Ich kann nicht weitergehen, mein ganzer Körper ist angeschwippst, ich kann noch nicht mal allein stehen. Eins ist gut, ich bin jetzt zu Hause.
Dann ist alles verschwommen
verschwommen