Kapitel 10
"Hanna, du kannst uns ruhig sagen, ob er dich wieder zwingt, ihn zu daten", sagt Faith zu mir, als wir uns an einen zufälligen Tisch in der Cafeteria setzen.
Heute war schon echt komisch.
Ich hab Bailey und Faith den ganzen Tag nicht gesehen.
Ich hatte Glück, sie in der Schlange zu treffen, aber sie sahen nicht so glücklich mit mir aus.
Obendrauf hat Aurelia mich seit der ersten Stunde praktisch ignoriert, aber das war zu erwarten.
Ich habe trotzdem vor, heute mit ihr zu reden.
"Tut er nicht, ich verspreche es euch", sag ich ihnen, als ich mich ihnen gegenübersetze.
Faith erstarrt sofort, gleichzeitig bleibt Bailey der Atem im Hals stecken.
"Hast du 'ne Teenager-Krise oder so, in der du dein altes Leben vermisst?", fragt Bailey mich mit ernster Stimme.
Ich runzle verwirrt die Augenbrauen.
Hab ich 'ne Teenager-Krise?
Gerade als ich sie fragen will, was sie meint, werden wir von meinem Freund unterbrochen.
"Hey, Babe", sagt Chadley, als er mir einen Kuss auf die Wange gibt und sich gleichzeitig neben mich setzt.
Bailey und Faith sind nicht so begeistert von der neuen Gesellschaft, entscheiden sich aber, still zu sein.
"Barkley, Favor, lange nicht gesehen", sagt er mit einem überheblichen Lächeln, als er nach einem meiner Puddings greift, nur um von mir die Hand weggehauen zu bekommen.
"Barkley und Favor?" frag ich ihn.
Er kennt sie schon seit Monaten und das ist das, was er sich gemerkt hat.
"Sind das nicht ihre Namen?" Er fragt zurück mit gerunzelten Brauen.
"Du hast dir da 'nen echten Volltreffer geangelt, Hanna", sagt Faith sarkastisch, während Bailey die Augen verdreht.
Ich seufze und lege den Kopf in die Hände.
Er gibt sich ja noch nicht mal Mühe.
Er hat mir doch gesagt, dass er es zumindest versuchen würde.
"Das wird interessant", höre ich Bailey flüstern, was mich aufsitzen und sie ansehen lässt.
Sie schaut auf etwas hinter mir. Ich folge ihrem Blick, nur um festzustellen, dass mein Herz schneller schlägt.
Aurelia kommt mit neutralem Gesichtsausdruck auf uns zu.
Super, jetzt kann ich endlich mit ihr reden.
Als sie sich mir gegenüber setzt, bemerke ich die plötzliche Veränderung in den Emotionen aller.
Bailey scheint alles zu beobachten, als wäre es ein Film.
Faith scheint uns drei mit einem besorgten Gesichtsausdruck zu beobachten.
Chadley scheint von der Tatsache genervt zu sein, dass Aurelia mit uns isst. Möglicherweise ist er auch eifersüchtig, wenn man bedenkt, wie er seinen Arm um mich legt und mich näher an sich zieht.
Das ist nicht gut.
"Hey, Aurelia, kann ich kurz allein mit dir reden?" frag ich sie freundlich.
Sie schaut mich verwirrt an, stimmt aber letztendlich zu, mit mir zu reden.
Als ich aufstehen will, werde ich von Chadleys Griff um meine Hüften aufgehalten.
"Wenn sie was macht, was dir nicht gefällt, dann schreib mir", sagt er mir.
Ugh.
Ich will ihn echt gerade verprügeln.
"Das würde sie mir nicht antun", sag ich ihm, bevor ich seinen Arm von mir weghebele und der schwarzhaarigen Schönheit aus der Cafeteria folge.
Als wir in einen leeren Flur gehen, starre ich peinlich berührt auf meine Füße.
Was ist falsch mit mir?!
Ich spüre ein starkes Kribbeln in meinem Unterbauch, gerade als wir den Flur betreten, in dem sie Chadley an ihrem ersten Tag hier geschlagen hat.
Wow.
Das war ein ereignisreicher Tag.
"Worüber willst du reden?" fragt sie, während ihre verführerischen grauen Augen meine haselnussbraunen Augen treffen.
"Ich möchte mich entschuldigen", fange ich an und erhalte so ihre Aufmerksamkeit.
"Es war falsch von mir, meine ganze Frustration letzte Nacht an dir auszulassen, besonders nach allem, was du seit deiner Ankunft für mich getan hast", sag ich ihr ehrlich.
Sie grinst sofort über meine Entschuldigung, was eine verwirrte Mimik als Gegenleistung einbringt.
Was ist so lustig?
"Aww, hast du etwa die ganze Nacht an mich gedacht?" Neckt sie leicht, wodurch sich meine Wangen röten.
Ugh.
Das hätte ich kommen sehen müssen.
"Nimmst du meine Entschuldigung an oder nicht?" frag ich zurück, als ich die Arme verschränke.
"Ich weiß nicht, es braucht vielleicht noch ein bisschen Überzeugungsarbeit", sagt sie scherzhaft mit einem leicht raueren Ton.
Ich spüre ein starkes Kribbeln in meinem Unterbauch bei ihrem Tonfall, bevor ich schliesslich vor leichter Erregung zittere.
"Komm schon, Satan, hast du mich noch nicht genug rumzappeln sehen?!" sag ich, um mich von der wachsenden Aufregung in meinen privaten Regionen abzulenken.
Sie grinst darüber und lehnt sich ein bisschen näher zu mir.
"Netter Spitzname, gefällt mir", sagt sie.
Es ist kein Spitzname!
Ich starre sie lange genug an, bis sie es versteht.
"Na gut, Prinzessin, du bist verziehen", sagt sie mir mit einem Lächeln.
Ich nicke mit einem dankbaren Gesichtsausdruck.
Gerade als sie mir etwas erzählen will, blickt sie hinter mich und hält inne. Ich mache einen verwirrten Gesichtsausdruck, bevor ich mich umdrehe und nur einen wütend aussehenden Chadley sehe.
"Babe, wir müssen los, der Unterricht fängt bald an", sagt er mir, wodurch ich die Augenbrauen runzle.
Ich schaue zur Uhr an der Wand und bemerke, dass wir noch zwanzig Minuten bis zum Unterrichtsbeginn haben.
"Nein, müssen wir nicht, der Unterricht fängt erst in zwanzig Minuten an", sag ich ihm, wodurch er seinen Blick von Aurelia auf mich richtet.
"Ich sagte, der Unterricht fängt in ein paar Minuten an, also kommst du mit mir", sagt er, als ob ich ihn nicht verstehen würde.
Ich starre ihn fast sofort nach seiner Aussage an.
Was zum Teufel ist sein Problem?
"Nein, das tue ich nicht, ich bin mitten in einem Gespräch", sag ich ihm, als ich auf Aurelia zeige.
Das scheint ihm nicht zu gefallen, wenn man bedenkt, wie er auf mich zustampft.
"Ich bin der Mann, du bist die Frau, du hörst auf mich!" Sagt er, als er mein Handgelenk grob packt und mich von ihr wegzieht.
Ich bin kurz davor, seinen Arm zu verdrehen, aber Aurelia ist schneller. Sie entreisst seine Hand von meinem Handgelenk, bevor sie es verdreht und erst aufhört, als sie ein böses Knacken hört.
Ich zucke bei dem Geräusch zusammen, empfinde aber kein Bedauern für ihn.
Er fällt zu Boden, Tränen in den Augen, während er seinen verletzten Arm benutzt, um seinen verletzten zu wiegen.
"Wer ist jetzt die Schlampe?" Sagt sie, während sie ihm einen harten Gesichtsausdruck zuwirft.
-
"Heute war scheiße", seufze ich, als ich mich auf Baileys Bett zurückfallen lasse.
Sie lachen mich aus, als sie sich im Raum bewegen, Faith zieht ihre Schuhe aus, während Bailey in ihren Schrank geht, um sich aus ihren Spaghetti-befleckten Klamotten umzuziehen.
Wie ist das passiert?
Ich habe keine Ahnung.
"Das kannst du laut sagen", stimmt Faith zu.
"Hey, Hanna, was ist eigentlich mit Chadley passiert? Er hat gesagt, er ist dich suchen gegangen, aber nie wiedergekommen", fragt Bailey aus ihrem Schrank.
"Ja, ihr seid ja beide nicht wiedergekommen, jetzt, wo ich darüber nachdenke", stimmt Faith zu, als sie sich neben mich auf das Bett setzt.
Ich seufze, setze mich auf und mache es mir auf dem Bett bequem.
"Aurelia und ich haben uns unterhalten, als Chadley, ganz Chadley, uns unterbrochen hat, indem er ein völliger Arsch war", sag ich.
Bailey springt oberkörperfrei aus ihrem Schrank.
Gott sei Dank guckt sie nur um die Ecke.
"Oh mein Gott, was hat er gemacht?" fragt sie mit einem amüsierten Lachen.
"Lass mich raten, er hat versucht, sich vor ihr zu profilieren?" ratet Faith.
"Fast, er hat die ganze Zeit gefordert, dass wir in den Unterricht gehen, obwohl wir noch zwanzig Minuten Zeit hatten", sag ich ihnen.
"Okay? Ich sehe das Problem nicht", sagt Bailey, als sie zurück in ihren Schrank geht.
Hoffentlich, um ein Hemd anzuziehen.
"Er sagte, und ich zitiere: 'Ich bin der Mann, du bist die Frau, du hörst auf mich', bevor er mein Handgelenk packte und mich hinter sich herzog", füg ich hinzu.
"Er ist so ein Arschloch", sagt Bailey, als sie aus ihrem Schrank kommt und eine Leggings und ein T-Shirt trägt.
"Was hat Aurelia gesagt?" sagt Faith, die Baileys Bemerkung völlig ignoriert.
Ich greife nach meiner Hand, um mich hinter meinem Ohr zu kratzen, damit ich mich vom Erröten ablenken kann.
"Hanna?" sagt Bailey, die offensichtlich eine Antwort will.
"Sie hat seinen Arm schneller verdreht, als ich blinzeln konnte, und gesagt: 'Wer ist jetzt die Schlampe?" sag ich ihnen und lasse den Rest der Geschichte effektiv aus.
Beide schauen mich verwirrt an, als sie meine rote Nase und Ohren bemerken.
"Das war alles?" fragt Faith.
"Ja", sag ich, meine Stimme wird höher.
"Hanna, du lügst, was ist noch passiert?" sagt Bailey und unterbricht effektiv meinen Mist.
"Na gut", stöhne ich und lasse mich auf ihre Kissen fallen.
"Sie hat mir vielleicht drei Tüten Skittles aus dem Automaten gekauft", verrate ich, wodurch sich ihre Augen gleichzeitig weiten.
"Welche Tüte?" fragt Bailey mit ernster Stimme.
Meint sie das gerade ernst?
"Was meinst du mit 'welche Tüte'?" frag ich zurück.
"Welche Farbe hatte die Tüte Skittles?" antwortet Faith für sie.
"Blau, warum?" frag ich sie.
Bailey lächelt sofort über diese Information, während Faith mit schockiertem Gesichtsausdruck die Wand anstarrt.
"Ich wusste es!" ruft Bailey und hüpft vom Bett und rennt zu ihrem Laptop.
Wusste was?
"Wie konntest du das wissen, ich hab es nicht mal bemerkt", antwortet Faith ihr.
"Wusste was?" frag ich sie, nur um ignoriert zu werden, als sie auf Bailey zugeht.
"Die Zeichen waren da, außerdem hat sie die Vibes versprüht, als sie zum ersten Mal an unserer Schule ankam", antwortet Bailey Faith.
Was zum Teufel passiert hier?!.
"Wann wurdest du zum ersten Mal misstrauisch?" fragt Faith, als Bailey beginnt, schnell auf ihrem Computer zu tippen.
"Als sie sich das erste Mal mit uns zum Mittagessen hingesetzt hat und die Augen nicht von Hanna lassen konnte", antwortet Bailey.
"Worüber redet ihr?" frag ich, als ich von ihrem Bett aufstehe und auf sie zugehe.
"Erinnerst du dich an die achte Klasse, als ich meine Sexualität in Frage gestellt und ein paar Monate lang gedacht habe, ich wäre lesbisch?" fragt Bailey mich.
"Ja, warum?" frag ich sie.
Was hat ihre Sexualität damit zu tun?
"Na ja, ich hab ein paar Sachen mitbekommen", sagt sie mir, während sie weiter tippt.
Was zum Teufel tippt sie da?
"Wie?" frag ich und verstehe es nicht.
"Zum Beispiel, dass eine ausgewählte Anzahl von Leuten von Skittles besessen ist", sagt sie mir, als sie ihren Computer mir zuwendet.
"Genauer gesagt, die blaue Tüte der besagten Süßigkeiten", beendet sie und zeigt auf ein Bild einer blauen Tüte Skittles.
"Okay, was willst du damit sagen?" frag ich, als ich gehe, um mich auf ihr Bett zu setzen.
"Ich sage, dass Aurelia lesbisch ist", sagt sie, als ob es eine Tatsache wäre.
"Oder, und ich weiß, das mag bizarr sein, sie mag den Geschmack besser als die ursprünglichen", sage ich mit sarkastischem Unterton.
"Hanna, schau dir diese Tabelle an", sagt Faith mir und zeigt auf Baileys Computer.
"Studien zeigen, dass hundert Prozent der Leute, die Skittles in der blauen Tüte kaufen, lesbisch sind", sagt Faith.
Ich mache ein 'meinst du das ernst?'-Gesicht.
"Ich mag persönlich die blauen Skittles und ich bin keine Lesbe", sage ich sachlich.
Beide schauen sich kurz an, bevor sie in ein Bauchschmerzen verursachendes Gelächter ausbrechen.
Was ist so lustig?
"Oh mein Gott", keucht Faith, als sie sich bemüht, nach Luft zu schnappen.
"Was?" frag ich.
"Hanna, du bist schwuler als ein Fruit Roll-Up", sagt Bailey, wodurch ich einen verwirrten Gesichtsausdruck mache.
"Schwuler als ein Fruit Roll-Up, das ist ein Klassiker", keucht Faith und fängt an, noch lauter zu lachen.
Ich will sie gerade befragen, aber ich bekomme eine Benachrichtigung. Ich hole mein Handy aus der Tasche und überprüfe es, nur um eine SMS von meiner Mutter zu sehen.
'Komm jetzt raus, wir müssen reden'
Super.
Das kann nicht gut sein.
"Ich muss los, Leute, ich hoffe, ihr habt morgen wieder Verstand", sag ich ihnen und schnappe mir meinen Rucksack.
Ich hoffe, ich werde nicht angeschrien.