Kapitel 19
"Joa..." antwortete ich vorsichtig. Statt einer richtigen Antwort von ihm, bekam ich nur ein verschmitztes Grinsen, bevor er zurück in sein Zimmer flitzte.
"Okay...Das war nicht komisch." dachte ich laut, bevor ich mich wieder dem Film zuwandte, aber dann begann der Abspann, während im Hintergrund ein Song lief.
Ich nahm die Fernbedienung vom Couchtisch und suchte nach etwas, das ich schauen konnte, als ich plötzlich das Geräusch von zufallenden Türen und Stimmen hörte. Ich stand von meinem Platz auf, um durchs Fenster zu checken, wer so einen Radau veranstaltete.
Autos -- wie viele? Keine Ahnung -- säumten die Hausfront. Ich erkannte ein paar Leute, die aus den Autos kamen, von der Schule und andere, bei denen ich nicht sagen konnte, ob sie überhaupt auf dieselbe Schule gingen. Ich bemerkte ein paar von den Jungs, mit denen ich am Mittagstisch saß, die scheinbar Fässer trugen. Im nächsten Moment war das Haus voller ohrenbetäubendem Lärm, der später von lauter Musik übertönt wurde, nachdem die großen Lautsprecher aufgebaut waren.
Ich versuchte, den Wohnbereich zu verlassen, um Owen zu suchen, aber mit all den Ellbogen, die mich anstießen, erwies sich das als eine größere Aufgabe, als ich es mir jemals vorgestellt hatte.
Irgendwo zwischen Schieben und Geschoben-Werden hörte ich jemanden meinen Namen von hinten rufen. Ich nutzte die Gelegenheit, um zu sehen, wer es war, und wurde nur im Magen getroffen.
Mit all den Treffern, die ich abbekam, könnte man meinen, ich wäre in einem Wrestling-Match.
Ich beschloss, nicht nach dem zu suchen, der mich gerufen hatte, sondern stattdessen nach dem, der für das Ganze verantwortlich war.
Nachdem es sich wie Stunden anfühlte, schaffte ich es endlich zu Owens Zimmer. Ohne mich mit Klopfen aufzuhalten, riss ich die Tür weit auf.
"Was geht ab?" fragte ich Owen, der lässig die Ärmel seines schwarzen, hautengen, langärmeligen Shirts hochkrempelte.
"Eine Party, wenn dir das nicht offensichtlich ist." Er nahm sein Handy vom Nachttisch und steckte es in die Gesäßtasche seiner schwarzen Jeans. "Wenn du mich jetzt entschuldigst, ich muss eine Party schmeißen." Er zwinkerte mir zu, bevor er das Zimmer verließ.
Der Tag hatte sich als länger erwiesen, als ich es mir gewünscht hatte, und es wäre eine Lüge, wenn ich sagen würde, ich hätte nicht gewollt, dass er schneller vorbei ist.
Ich beschloss, in die Küche zu gehen, um mir etwas Wasser zu holen, um das Pochen loszuwerden, das sich langsam im Rest meines Kopfes breit machte.
Unglücklicherweise traf ich, als ich mich umdrehte, auf eine böse guckende Marlene. Ich versuchte, sie zu umgehen, aber sie versperrte mir mit ihrem Körper den Weg.
"Was willst du von Owen?"
"Wovon redest du?"
"Du denkst also, ich hätte nicht gemerkt, wie du ihn anstarrst?" Sie trat näher und zeigte mit dem Zeigefinger auf mich. "Halt dich von Owen fern, bevor du es bereust. Betrachte dies als eine Warnung." Sie musterte mich kurz, bevor sie sich umdrehte und die Tür hinter sich zuknallte.
Ich öffnete die Tür, ging aus Owens Zimmer und in die Küche. Dort waren nur etwa fünf Leute, und ich machte mir nicht die Mühe, zu checken, ob ich sie kannte. Ich nahm eine Wasserflasche aus dem Kühlschrank und ging aus der Küche. Dann hörte ich meinen Namen rufen. Ich schaute mich um und sah das bekannte Gesicht von Sophie, einem der Mädchen, mit denen ich am Mittagstisch saß.
"Lyra", lächelte sie.
"Hey Sophie", lächelte ich zurück.
"Hey. Ein paar von den Mädels und ich sind am Pool." Sie deutete mit ihrem Daumen in Richtung Pool. "Willst du mitmachen?"
"Äh...klar." antwortete ich, unsicher, wie das Ganze enden würde, wenn man bedenkt, dass ich nicht so eng mit den Mädels war, außer natürlich Kate.
Sie packte mich an der Hand und führte mich dorthin, wo der Pool war. Ich wollte ihr sagen, dass es nicht nötig sei, meine Hand zu halten, aber ich enthielt mich, um nicht unhöflich zu wirken.
Als wir den Pool erreichten, lungerten ein paar Jungs, Owen eingeschlossen, in einer Ecke des Poolbereichs herum, während die Mädchen in einer anderen Ecke waren.
"Ich habe Lyra mitgebracht!" rief Sophie und hielt meine Hand mit einer Hand hoch und zeigte mit der anderen auf mich. Das veranlasste nicht nur die Mädchen, in unsere Richtung zu starren, sondern auch die Jungs. Ohne darauf zu achten, ob ich unhöflich wirkte, zog ich meine Hand von Sophies weg, aber sie schien es nicht zu stören, als sie sich in den Kreis setzte, den die Mädchen gebildet hatten. Sie rutschte ein bisschen nach links und schuf etwas Platz für mich zum Sitzen. Ich setzte mich auf den gepflasterten Boden.
"Okay, ihr alle kennt die Regeln, aber ich gehe sie noch einmal durch, nur für den Fall, dass ihr sie vergessen habt", sagte Marlene und klatschte einmal in die Hände, als wollte sie unsere Aufmerksamkeit erregen. "Die Regeln sind einfach. Es ist wie Wahrheit oder Pflicht mit einer Drehung. Wer den anderen herausfordert, darf sich die Regeln ausdenken. Okay, lass uns anfangen."
Das schien unfair.
Nachdem sich die Flasche eine Weile gedreht hatte, zeigte sie schließlich auf mich und Marlene, der ich gegenüber saß. Ich hatte das seit dem ersten Drehen befürchtet.
"Ich fordere dich heraus, Owen von deinen Gefühlen für ihn zu erzählen", sagte sie mit einem Grinsen im Gesicht.
"Was?" fragte ich, etwas überrumpelt.
"Du hast mich gehört. Wenn du willst, kannst du etwas anderes tun...zieh dich aus und setz dich die ganze Nacht vor ihn. Beides ist okay für mich."
"Aber ich mag ihn nicht."
"Tust du doch! Wag es nicht, mich anzulügen", zischte sie.
"Hey Marlene, ich glaube nicht, dass man jemanden zwingen kann, etwas zuzugeben, was nicht stimmt, so geht das Spiel nicht. Sie hat doch schon geantwortet", mischte sich Sophie ein.
"Na gut. Dann trink diese ganze Flasche aus. Es sei denn, du bist zu feige." Sie schob mir eine bereits geöffnete Flasche zu, von der ich wusste, dass ich es bereuen würde, sie genommen zu haben.
Ich hätte in meinem Zimmer bleiben sollen.
Ich hob die Flasche an meine Lippen und nahm meinen ersten Schluck, und ich verzog das Gesicht wegen des bitteren Geschmacks.
**********
Ich hatte die Flasche vor einer Weile geleert und stand am Pool und starrte ins Wasser. Mir war ein bisschen schwindlig, und meine Knochen schmerzten, wahrscheinlich von dem langen Tag.
Sekunden später spürte ich, wie mich jemand ins Wasser schubste. Ich hatte nicht genug Zeit zu reagieren, bevor ich ins Wasser stürzte. Wegen des Alkohols war meine Koordination nicht, nun ja, koordiniert. Ich versuchte, mich zu bewegen, aber das Einzige, was ich schaffte, war zu sinken. Es half nicht gerade, dass ich im tiefen und nicht im flachen Bereich war. Ich hörte das Geräusch, wie sich jemand ins Wasser stürzte, bevor ich es merkte, wickelte sich eine Hand um meine Taille. Ich war bald aus dem Wasser und spritze Wasser aus meinem Mund. Ich versuchte, etwas dringend benötigte Luft einzuatmen.
"Geht's dir gut?" hörte ich Owen fragen. Ich blickte zu ihm auf und bemerkte, dass er durchnässt war und Wassertropfen von den Spitzen seiner Haare in mein Gesicht tropften.
Er wartete nicht auf meine Antwort, sondern befahl einem seiner Freunde, die Party abzublasen. Er nahm ein Handtuch von einem der Stühle, bevor er es um mich wickelte. Ich versuchte, vom Boden aufzustehen, aber ich sank sofort wieder zusammen. Als Owen sah, wie ich mich abmühte, hob er mich im Brautstil hoch, und ich spürte, wie Hitze in mein Gesicht stieg.
Verhalte dich normal. Verhalte dich normal.
Wir schafften es in sein Zimmer, bevor er meine Füße auf den Boden stellte. Er hielt meine Taille fest, um mich zu stabilisieren. Ich versuchte, mich normal zu verhalten, aber das Gefühl seiner Haut brannte meine, wo mein Shirt leicht angehoben war. Ich trat aus seinen Armen, unsicher, was vor sich ging.
"Du kannst die Dusche benutzen. Ich schließe die Tür ab, damit niemand reinkommt."
Ich ging in sein Badezimmer, ein wenig roboterhaft von dem Schock, was passiert war.