Kapitel 20
Ich kam aus dem Badezimmer und hab Owen auf dem Bett liegen gesehen, auf dem Rücken, Füße überkreuzt, Hände hinterm Kopf. Er hat mich angeguckt und ich hab das Handtuch fester an meinen Körper gekrallt, hab gebetet, dass es nicht runterfällt.
"Ähm... Danke für", ich räusperte mich, "dass du mich vorm Ertrinken gerettet hast." Fühlte sich komisch an, besonders weil ich nur mit nem Handtuch bekleidet war.
Er hat nur genickt, während ich da stand und gewartet hab, dass er endlich aus dem Zimmer geht – aber er blieb. Ich räusperte mich nochmal, hab gedacht, er checkt, was mein Räuspern bedeutet.
"Brauchst du Wasser?" Er hat gefragt, Augen voller Amüsement. Er wusste genau, was ich wollte, aber er hat sich nicht mal bemüht, mir zu helfen.
Er ist vom Bett aufgestanden und auf mich zugegangen und ich hab das Handtuch fester an meinen Körper gepresst. Er war näher als vorher.
Mit meinen nassen Klamotten in der einen Hand und dem Handtuch fest in der anderen, bin ich mit geraden Schultern aus seinem Zimmer gegangen. Ich hab seine Augen gespürt, wie sie mir nachglotzten, als ob er hoffen würde, dass ich mich irgendwie blamiere. Zum Glück war ich aus der Tür, bevor was passiert ist.
"Nimm Schmerztabletten." Hat er gesagt, kurz bevor ich die Tür zugemacht hab, seine Stimme voller Amüsement und ich konnte mir das Grinsen vorstellen, das er draufhatte.
Ich hab schnell die Tür zu meinem Zimmer aufgemacht und mich in meinen Pyjama geschmissen. Wär fast ins Bett gefallen, bevor ich mich erinnert hab, was er gesagt hat. Bin in die Küche gegangen und hab ein Glas Wasser und Schmerztabletten genommen. Als ich grad aus der Küche wollte, hab ich gemerkt, dass das Haus sauber war. Das Wohnzimmer war wie vor der Party. Sah so aus, als ob es gar keine Party gegeben hätte. Ich hab beschlossen, dass ich genug hatte und bin in mein Zimmer und endlich in mein Bett gekrabbelt. Es war definitiv ein langer Tag gewesen.
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Montag kam und ich bin aus Owens Auto ausgestiegen, wo Marlene mich die ganze Zeit böse angeguckt hat, jede Gelegenheit genutzt hat.
Ich hab Kate gesehen, wie sie ihre Autotür zugemacht hat und bin schnell zu ihr gegangen.
"Hey Kate."
"Oh hey Lyra." Sie hat mich umarmt und hatte ein breites Grinsen im Gesicht. "Ich hatte das beste Wochenende meines Lebens und ich wünschte, es wär nicht vorbei." Hat sie geschwärmt, nachdem sie mich aus der Umarmung gelassen hat.
"Echt?"
"Ja, aber bevor ich erzähl, wie mega mein Wochenende war, wie war deins?" Mittlerweile sind wir in den Fluren auf unsere Spinde zugelaufen.
"Es..." Ich wusste nicht, wie ich es erklären soll. Klar, Samstag war der Höhepunkt des Wochenendes und fast jeder, wenn nicht alle, aus der Schule waren auf der Party und ich wollte nicht, dass sie es von jemand anderem erfährt.
"Ich war auf einer Party und wurde in den Pool gestoßen, nachdem ich ne ganze Flasche Bier getrunken hab und wär fast ertrunken, aber Owen, ausgerechnet er, hat mich gerettet und-"
"Lyra. Atmen." Hat sie gesagt und ihre Hände auf meine Schultern gelegt. "Kannst du jetzt bitte wiederholen, was du gesagt hast, aber diesmal langsam."
"Ich war auf Owens Party am Samstagabend und irgendwie hab ich Wahrheit oder Pflicht mit den Mädels gespielt, als Marlene... sie hat mich gezwungen, meine Klamotten vor Owen auszuziehen", hab ich den letzten Teil geflüstert, "weil sie gesagt hat, dass ich ihn mag, aber ich hab es verneint und sie hat mir ne Flasche Alkohol zu trinken gegeben." Ich hab mir die Stirn gerieben und versucht, mich zu sammeln, bevor ich weitermachen konnte. "Einen Moment stand ich am Pool und im nächsten hatte ich ne Panikattacke unter Wasser. Ich weiß nicht wirklich, wer mich ins Wasser gestoßen hat, aber ich hab das Gefühl, dass es Marlene gewesen sein muss."
"Wow. Das alles an einem Abend? Bist du verletzt?" Hat sie besorgt gefragt.
"Ja, mir geht's gut. Ich bin einfach froh, dass ich nicht gestorben bin." Ich hab den Riemen meiner Tasche auf der Schulter zurechtgerückt.
"Warte." Sie hat ihre Hand hochgehalten, Verwirrung stand ihr ins Gesicht geschrieben. "Ich dachte, du kannst schwimmen."
"Muss vom ganzen Alkohol in meinem System gekommen sein." Hab ich ihr erklärt.
Der Gong hat geläutet und ich hab schnell ein paar Bücher aus dem Spind genommen und andere reingetan.
Wir sind zum Unterricht gelaufen, als ich plötzlich an der Hand gezogen wurde und als ich mich umgedreht hab, hab ich Owen vor mir stehen gesehen. Sein Gesicht war maskiert, emotionslos und ich konnte nicht erkennen, was er wollte.
Ich hab den Mund aufgemacht, um ihn zu fragen, was er wollte, aber sein Mund ist auf meinen gekracht. Meine Augen waren offen von dem ersten Schock, aber sobald er nachließ, hab ich gespürt, wie meine Augen zugingen. Er hat mein Gesicht mit seiner Hand umspannt und seine Lippen langsam gegen meine bewegt und ich hab versucht, ihn nachzumachen, indem ich meine in seinen bewegt hab. Ich hab mich geschüttelt, als er meine Taille gehalten und mich näher an sich gezogen hat.
Ich weiß nicht, wie lange der Kuss gedauert hat, aber er hat sich von meinen Lippen gelöst. Als ich meine Augen aufgemacht hab, hab ich ihn angestarrt gesehen und mich so gut wie möglich bemüht, den Blickkontakt nicht zu unterbrechen.
Was ist gerade passiert?