KAPITEL 58
'Evan Hollen hat sein Leben schon weitergelebt und ich wollte das auch. Ich hab endlich nen neuen Job gefunden und neue Freunde, aber guck mich jetzt an. Ich lieg im Krankenhaus und hab erfahren, dass ich einen Monat schwanger bin, von nem Typen, der schon nix mehr mit mir zu tun haben will.
Ihr glaubt doch nicht wirklich, dass Evan sich über das Baby freuen würde. Er wird mich noch mehr hassen. Vielleicht stößt er das Kind in mir sogar ab!
Ich würde das nicht packen!"
'Jassy, Baby, hör mir zu. Ich weiß, in was für ner Situation du bist. Ich hab das genau so erlebt, als ich mit deiner Schwester schwanger war. Das ist kein schönes Gefühl. Aber schmeiße noch keine Steine auf Hollen Boy, bevor er überhaupt von dem Baby weiß. Du verurteilst, und genau das hat dich überhaupt erst in Schwierigkeiten gebracht.
Du solltest dem Mann von dem Kind erzählen und versuchen, dich zu einigen.
Hier geht's um ein Baby. Da ist ein anderes Leben in dir, und ihr beide seid für ihn oder sie verantwortlich.
Es ist okay, wenn er nix mit dir zu tun haben will. Es gibt jede Menge anderer schwangerer Frauen da draußen, die keine Beziehung mit dem Vater ihres Babys haben, aber die Väter kümmern sich um die Babys.
Du denkst nur an dich und nicht an das Baby. Du bist für dein eigenes Leben verantwortlich Jassy! Du solltest dich nur auf dich verlassen! Lass dich von Hollen Boy nicht fertigmachen. Du bist ne stolze schwarze Frau, und wir knicken nicht vor nem Mann ein.
Zeig ihm, wie unabhängig und stark du bist, mit oder ohne ihn. Das letzte Wort sollte dir gehören.'
Ich hab meine Mutter in die Augen geschaut. Es war einfach zu viel für mich.
'Ich will einfach mein Leben zurück,' hab ich gesagt, ohne zu verstehen, was meine Mutter gesagt hat.
'Was wirst du tun, Jasmine?' hat Zenia gefragt und meine Tränen mit nem Taschentuch weggewischt.
'Ich denk über ne Abtreibung nach.'
Evans POV
Ich saß in meinem Büro und hab das Foto von der Hochzeit meiner Eltern angestarrt. Emily und ich waren noch Babys, aber ich war so ein properes Ding.
Ich frag mich, wie es wäre, wirklich Vater zu werden.
Mein Bürotelefon klingelte und riss mich aus dem Gedanken.
'Evan Hollen,' hab ich geantwortet.
'Herr Hollen, Miss Blackman ist hier, um Sie zu sprechen,' sagte meine Sekretärin.
Mein Herz machte nen Satz.
Jasmine?
'Jasmine?' hab ich sie gefragt.
'Nein. Sie hat gesagt, sie heißt Zenia Blackman. Die kleine Schwester.'
'Lass sie rein.'
Warum war Zenia hier?
Ich hab mich auf meinem Stuhl aufgerichtet und meinen Anzug glatt gezogen und beobachtete, wie Zenia durch die Tür kam. Sie ging langsam auf meinen Schreibtisch zu und schaute sich dabei im Raum um.
'Guten Morgen,' hab ich sie begrüßt.
Ihre Augen blieben jetzt an mir hängen.
'Guten Morgen,' hat sie geantwortet.
'Wie kann ich Ihnen helfen?' hab ich sie gefragt.
'Es gibt was, was Sie wissen müssen, bevor es zu spät ist,' sagte sie.
Meine Augenbrauen zogen sich in Stirnrunzeln zusammen, und ein Grinsen huschte über meine Lippen, während ich den Kopf schüttelte.
'Was hat Ihre Schwester Ihnen aufgetragen?' hab ich sie gefragt und meine Aufmerksamkeit auf den Computer gelenkt, um meine E-Mails zu checken. Ich war ein sehr beschäftigter Mann, und ich hatte absolut keine Zeit für Spielchen.
'Jasmine weiß nicht mal, dass ich hier bin. Ich bin hinter ihrem Rücken hier, um Ihnen das zu sagen.'
'Was sagen, Zenia?'
'Herr Hollen, Sie sollten mit Jasmine reden, weil ich denke, dass sie es Ihnen sagen sollte.
Meine Schwester vermisst Sie sehr, aber Sie stellen sich taub. Ihnen fehlt die Vernunft?'
Ich hab sie wieder angesehen. Sie saß auf dem Stuhl gegenüber von mir und fixierte mich gefährlich, als ob sie mich ermorden wollte.
'Es ist Mitgefühl, Gnade und Vertrauen, die mir fehlen. Nicht Vernunft. Warum kommen Sie nicht gleich zur Sache und sagen, was Sie wirklich hierher gebracht hat, denn ich bezweifle, dass Sie den ganzen Weg gekommen sind, um im Namen Ihrer Schwester zu betteln.'
'Jasmine ist einen Monat schwanger und denkt über ne Abtreibung nach.'
'WAS!!!?'
Das war das schnellste, was ich jemals zu jemandes Haus gefahren bin. Es war ein Wunder, dass ich nicht von nem Polizisten wegen nem Strafzettel angehalten wurde.
Ich bin auf den Bürgersteig vor Jasmines Wohnung gefahren.
Ich bin blitzschnell aus meinem Auto gestiegen und bin die Stufen zu ihrer Haustür hochgerannt.
'Ich sag ihr, dass Sie da sind,' sagte Zenia hinter mir. Sie war die ganze Fahrt mit mir im Auto, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, allein zu sein. Mein Geist war in ein ganz anderes Universum abgedriftet.
Sie ging an mir vorbei, steckte ihren Schlüssel ins Türschloss und ging rein. Ich stand da und kontrollierte mich mit ner Atemübung. Ich hörte Geräusche in der Wohnung, als ob jemand schnell aus dem Wohnzimmer fliehen wollte.
'ER IST DRAUSSEN!' hörte ich Zenias Stimme.
Ich drückte die Tür auf und ging in die Wohnung. Jasmine stand an ner Tür, von der ich annahm, dass es ihre Zimmertür war.
'Jasmine, komm her,' hab ich ihr gesagt und mit meiner Hand signalisiert, dass sie zu mir kommen soll. Ich suchte nach ihrer Mutter, um sie zu begrüßen und kennenzulernen, aber da war keine ältere Frau zu sehen.