Kapitel 6 Ich hätte wirklich nicht erwartet, dass du so schlimm bist
Noras krasse Erscheinung hat mich zum Schnappen nach Luft gebracht und einen Schritt zurücktreten lassen.
"Das hast du echt verdient. Deine Aufgabe ist doch längst erledigt. Du musst unbedingt Ärger suchen!" Nora spuckte mich hart an.
Die Bedeutung von ihrem Satz war sowas von offensichtlich. Ich lag in der Nacht unerklärlicherweise mit Chris rum, was wohl mit ihr zu tun haben muss.
Ein Schauer ist plötzlich in den tiefsten Ecken meines Herzens hochgestiegen und ist allmählich über die Gliedmaßen im ganzen Körper ausgebreitet.
Mag Nora Chris?
Aber Nora wollte mir nichts mehr sagen. Sie saß im Rollstuhl und versuchte, zu gehen.
Ich bin nach vorne gegangen und habe sie gestoppt. "Nora, was meinst du denn? Sprich doch Klartext, bevor du gehst!"
"Was willst du denn wissen?" Nora blickte hoch. "Was bringt es dir denn, alles zu wissen?"
Sie sah mich verächtlich an: "Wer soll denn deine Worte glauben? Weißt du denn, dass du in Chris' Augen jetzt totaler Mist bist?"
Noras Gesichtsausdruck war triumphierend, und sie sah aus wie eine GEWINNERIN.
Anscheinend sind all meine Missgeschicke nur ihretwegen passiert. Anscheinend bin ich in ihre Falle getappt und von Anfang an ihre Marionette gewesen!
"Ding Rinrin."
Ihr Handy klingelte plötzlich.
Nora hat die Anrufernummer angesehen und plötzlich ein seltsames Lächeln auf den Mundwinkeln gezeigt. Bevor ich reagieren konnte, hat sie ihr Handy verbunden und fing an, laut zu weinen: "Du bist ja endlich gekommen, Schwager, komm runter und rette mich. Chris hat mich die Treppe runter in den Garten gestoßen. Sie bedroht mich!"
Dann stand sie auf, hat den Rollstuhl umgestoßen und sich auf den Boden gesetzt.
Nora hat mein Verständnis für das Wort Schamlosigkeit echt nochmal neu definiert!
Hier zu bleiben, bringt nur, dass Chris mich noch mehr falsch versteht. Ich geh jetzt lieber hier weg und erklär es Chris später.
Aber Nora sprang auf und packte mich fest!
Ich hab versucht, ihre Hand loszureißen, aber sie hat mich auf den Boden gezogen und meinen Arm festgehalten.
Sie und ich sind zu einer Kugel gerollt, wobei wir uns festgeklammert haben.
Das ist nicht die sanfte Nora, die ich im Auge der Außenstehenden kenne, die immer so süß hinter ihrer Schwester lächelt.
Ihr wilder Ausdruck und ihre unglaubliche Kraft haben es mir eine Weile schwer gemacht, mich zu befreien.
"Chris! Was willst du denn?" Chris' wütende Stimme kam von hinten, und dann wurde meine Kleidung energisch gepackt und zurückgezogen.
Mein Herz sank plötzlich. Nora war so grausam, dass sie mich unbedingt verletzen wollte. Jetzt bin ich sogar noch sprachloser.
Chris hatte mega viel Kraft. Ich wurde von ihm gezerrt und zu Boden geworfen. Ich hab sofort einen brennenden Schmerz gefühlt.
Aber ich konnte mich nicht um diese Dinge kümmern. Ich bin sofort mit aller Kraft aufgestanden und bin in vollem Tempo auf Nora zugerannt, um sie heftig zu ziehen: "Chris, sie ist nicht gelähmt. Alles nur gelogen!"
Nora sah schmerzvoll aus, als hätte ich ihr großen Schaden zugefügt.
Ihr Gesicht war voller Panik und Tränen. Mein Ausdruck war so, als würde sie den Teufel sehen.
Ich hätte echt nicht erwartet, dass sie in so jungen Jahren so ein schreckliches Herz haben kann. Alle Leute wurden von ihr verarscht!
Noras hervorragendes Schauspiel hat Chris wirklich zum Narren gemacht. Er hat fast gebrüllt: "Chris, bist du überhaupt noch ein Mensch?" Dann hab ich sofort eine saftige Ohrfeige bekommen, und es hat nach Blut in meinem Mund geschmeckt.
Ich hab mein Gesicht bedeckt und Chris traurig angesehen.
Chris schien auch verblüfft zu sein. Er hat zögernd auf seine Hand geblickt.
Nach langer Zeit hat er sich langsam umgedreht, Nora hochgehoben, den Kopf gesenkt und sie sanft getröstet: "Nora, hab keine Angst, ich bring dich zum Arzt."
Chris hat mir den Rücken zugekehrt. Nach einer Weile sagte seine leise Stimme: "Chris, ich hätte echt nicht erwartet, dass du so schlecht bist!"
Nora hat ihren Kopf an Chris' Brust gelehnt, sah gehorsam und erbärmlich aus, aber in einem Augenblick hat sie ihren Kopf schnell gedreht, ihren Mund gehoben und mir ein provozierendes Lächeln als GEWINNERIN geschenkt.
Muss ich denn von Chris die ganze Zeit falsch verstanden werden? Dürfen niemand alle schlechten Dinge, die sie getan hat, erfahren? Das werde ich nie zulassen.
Ich bin hochgerannt und hab Chris gestoppt.
"Geh aus dem Weg!" Er hat sich so gut er konnte bemüht, die Wut zu unterdrücken, die gleich wieder ausbrechen wollte: "Willst du denn schamlos sein?"
Chris sah in diesem Moment total gefährlich aus, aber ich konnte mich nicht um so viel kümmern: "In der Nacht der Verlobung werde ich in deinem Bett liegen, die Frau, die du umarmst!"
Chris hat mich mit unglaublicher Enttäuschung im ganzen Gesicht angesehen: "Chris, weißt du, worüber du redest? Wagst du es, so eine Lüge zu erzählen? Ich glaub, du bist verrückt geworden, um dich selbst loszuwerden!"
Er hat Nora festgehalten und mich beiseite gestoßen, mit einem harten Ton: "Wenn ich dich nochmal solche Lügen erzählen höre, werde ich das Kind in deinem Bauch sofort abtreiben! Frauen wie du können überhaupt keine guten Kinder zur Welt bringen!"
Seine entschlossenen Worte haben mein Herz bis zum Äußersten schmerzen lassen.
"Denkst du das wirklich?" hab ich mit zitternder Stimme gefragt.
Chris erstarrte. Er hat meine Augen gemieden und ist vorwärts gegangen, ohne ein Wort zu sagen.
Ich hab meine Hand auf meinen Bauch gelegt.
Wenn ich sterbe, wird diese Frau Chris den ganzen Tag umgeben. Wer beschützt meine Kinder?
Als ich daran gedacht habe, hab ich laut zu Chris' Rücken gebetet: "Ich hab keine Beweise für diese Sache. Du glaubst mir vielleicht nicht, aber Chris, kannst du diesen Arzt Li fragen und dir den Film genauer ansehen, den sie dir über Noras Beine gegeben hat?"
Vielleicht war es meine Gewissheit, die ihn zögern ließ, und Chris blieb stehen.
"Schwager." Noras Stimme war voller Tränen.
Er ist davongestürmt, ohne sich umzudrehen.