Kapitel 54 Reinkarnation
Also, warum sollte Poseidon sich Zeus anschließen und zum Olymp kommen, um 'nen fetten Posten als Hauptgott zu kriegen, wenn er eigentlich nix zu melden hatte und sich in seinem Alltag voll eingeengt fühlte?
Zeus selbst hatte's auch nich easy. Klar, er war zum König der Götter gewählt worden, aber als er den Job anfing, waren die meisten Götter aufm Olymp Titanen, die ihn unterstützt oder ihm im Titanenkrieg die Treue geschworen hatten, oder halt die Kinder von den Schuldigen, die nich mitgemacht hatten. Man konnte sich vorstellen, wie viel Stress Zeus hatte, um seine Macht aufm Berg zu etablieren!
Unerwartet war's Hades, der's am bequemsten hatte (aus ihrer Sicht). Als er in die Unterwelt kam, wurde er von den Totengöttern herzlich empfangen, und die drei Urgötter sagten direkt, dass sie sich nich in die Entscheidungen der Unterwelt einmischen würden, alles Hades überlassend. Nyx und Erebus schickten sogar ihre Kinder, um Hades zu helfen.
Mit so viel Macht und easy going, echt beneidenswert für andere.
Wenn Hades wüsste, was die denken, würde er ihnen ins Gesicht spucken; die sollen sich erstmal den riesigen Berg an Papierkram in der Halle des Hades angucken, bevor sie mit ihm reden!
Zurück zum Thema, das Konzept der Wiedergeburt, das von der Göttin Nyx gebracht wurde, hatte schon die meisten Vorteile abgeräumt. Übrig blieben nur die Jobs als Seelenführer auf der Erde und die Erlaubnis, den Funken Leben in diesen Seelen zu entfachen, wofür noch geeignete Kandidaten fehlten.
"Wir haben den Eingang zur Unterwelt am Berg Acheron festgelegt. Es braucht 'ne Gottheit auf der Erde, um die Seelen zu diesem Ort und in die Unterwelt zu führen. Ich frag mich, ob einer der Götter hier 'n passender Kandidat wäre?" Nyx deutete auf die Position des Seelenführers, in der Hoffnung, dass sich 'ne Gottheit melden würde, um den Job zu machen.
Aber die Götter aufm Olymp fanden entweder ihre eigenen Kräfte unpassend für diese Position oder wollten sich so 'ne miese Aufgabe nich antun, blieben still und waren nich bereit, nach vorne zu treten.
Hebe guckte ungläubig. Seelen zu führen, dafür gab's zwar keine Anbetung, aber es war 'n wichtiger Teil der Wiedergeburt und würde der Welt zugutekommen. Mit der Zeit würde ihnen der Wille der Welt Gunst gewähren, was zu ihrem Aufstieg führen würde.
Wenn sie nich schon die Erlaubnis zur Lebensgebung reserviert hätte, wär sie auch gern Seelenführer geworden. Aber die Götter konnten die Bedeutung dahinter nich sehen; sie sahen nur die Strapazen und machten 'nen Bogen drum, als ob sie 'ner Schlange ausweichen würden.
"…Nach all der Zeit kriegt ihr nich mal 'n Gott nach vorn? Ihr gönnt euch doch nur Vergnügen; was soll ich mit euch Göttern?"
Als nach all der Zeit keiner der Götter nach vorne getreten war, verlor Gaia, die Erdmutter, die Nerven, bevor Nyx was sagen konnte.
Diese Urgöttin, die einst Prometheus ihre Lebensader geliehen hatte, um die Menschheit zu erschaffen, und deren Tempel von der Riesenschlange zerstört worden war, wurde jetzt von Hebe wirklich gesehen.
Diese Urgöttin, geboren aus dem Chaos der Welt, dem Beginn aller Schöpfung, war vollbusig und robust, trug 'nen goldenen Robe und 'ne Krone, die mit allen Schöpfungen der Erde graviert war. Ihr Gesicht strahlte mütterliche Wärme und immense Autorität aus, aber sie wirkte etwas müde, nich so jung und schön wie ihre Schwester Nyx.
Der Grund war einfach: Als die frühere Erdmutter Gaia zum ersten Mal geboren wurde, war sie auch 'ne robuste und jugendliche Urgöttin. Aber unter dem Einfluss von Eros' göttlicher Macht begann sie, als Eckpfeiler der Welt, ein Leben in kontinuierlicher Reproduktion. Zuerst gebar sie den sternenübersäten Uranos, und dann gebar sie zusammen mit ihm die Giganten und Titanen.
Der Akt, diese Gottheiten und Monster zu gebären, verbrauchte den größten Teil von Gaias Essenz. Obwohl sie 'nen verehrten Status innehatte und die Götter sie als Mutter aller Götter ehrten, wusste nur sie, dass sie unter diesem Ruhm zur niedrigsten unter den Urgöttern geworden war.
Angesichts der Tatsache, dass diese Götter, die sie "Ahnen" nannten, aus ihrer Essenz abgespalten und sich weiterentwickelt hatten, war es keine Überraschung, dass sie ihnen keine angenehme Fassade zeigen konnte.
Gaia war wütend, und die Götter in der Haupthalle verstummten vor Angst.
Diese beeindruckende Urgöttin war dafür bekannt, selbst ihre eigenen Söhne zu beschimpfen, wenn sie wütend wurde, geschweige denn diese Gruppe von Göttern der zweiten und dritten Generation, die von ihr entfernt waren und sogar keine Blutsverwandtschaft hatten.
"Oh, große Mutter der Götter, strahlende Gaia, beruhige bitte deinen Zorn", mischte sich Zeus schnell ein, um zu vermitteln. Um Gaia zu besänftigen, dachte er schnell nach und schlug 'nen Kandidaten vor: "Ich schlage Hermes vor, den Sohn von Maia, der Göttin der Winde und Stürme. Seine Redegewandtheit kann die Seelen führen, und seine geflügelten Sandalen verleihen ihm Geschwindigkeit, die mit dem Wind konkurriert, was ihn zu 'ner perfekten Besetzung für die Position des Seelenführers macht."
Der genannte Hermes wurde sofort zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit unter den Göttern. Als zweitrangige Gottheit und noch nich so 'n Hauptgott wie später, verspürte er plötzlich enormen Druck, und sein Gesichtsausdruck wurde etwas steif.
Gab's 'n Fehler? Warum er?
Die Regenbogen-Göttin Iris war auch sehr schnell; warum sie nich schicken?
Aber an diesem Punkt hatte Hermes nich den Mut, seinem Vater, dem König der Götter, und den beiden Urgöttinnen zu widersprechen. Diese schlaue und clevere Gottheit zeigte sofort 'n Blick der Überraschung und Freude und trat nach vorne.
"Vielen Dank, König der Götter und den beiden geschätzten Göttinnen, für eure Gunst. Hermes fühlt sich geehrt, diese Position zu übernehmen."
Er konnte ja nur 'n bisschen von seiner Essenz aufwenden, um zwei untergeordnete Götter zu erschaffen, die ihm bei der Erfüllung seiner Pflichten helfen würden.
Gaia musterte Hermes mit ihren tiefgrünen Augen. Diese Angelegenheit betraf den Aufstieg der Welt; wenn die Welt aufstieg, würde die Urenergie der Erde noch mächtiger werden, und die Essenz, die sie verloren hatte, könnte wieder aufgefüllt werden. Also konnte sie nich anders, als akribisch und vorsichtig zu sein.
Nach ihrer Untersuchung stellte Gaia fest, dass, obwohl die Macht dieses jungen Gottes nich beeindruckend war, sein göttliches Amt in der Tat recht geeignet für die Rolle des Seelenführers war, also nickte sie zustimmend.
Mit dem Kandidaten für den Seelenführer festgelegt, war die nächste entscheidende Angelegenheit, wem die Erlaubnis erteilt werden sollte, den von Tod befleckten Seelen neues Leben zu schenken.
Alle Anwesenden verstanden die Bedeutung dieser Autorität. Die Stimmung unter den Göttern wurde plötzlich angespannt, da jeder diese Macht für sich beanspruchen wollte.
Unter den Göttern gab's jedoch nur sehr wenige, die echte Wettbewerbsstärke hatten.
Die Götter schauten sich an, und 'n starker Geruch nach Schießpulver erfüllte die Haupthalle.
"Prinzessin Demeter, dein göttliches Amt wurde vom Gott des Wachstums, Chryses, geerbt, oder? Du bist für das Blühen und Welken von Pflanzen auf der Erde zuständig. Das zu benutzen, um menschlichen Seelen Vitalität zu verleihen, scheint eher unangebracht zu sein. Wenn die neugeborenen Menschen so still und unnachgiebig werden wie Pflanzen, wär das nich gut", war Hebe die Erste, die ihre Opposition gegen Demeter, die stärkste Konkurrentin, äußerte.
"Alles Leben ist gleich, und so auch die Seelen. Mein Geschenk wird den Menschen nur friedliche Persönlichkeiten und fügsame Instinkte verleihen." An diesem Punkt warf Demeter Zeus 'nen Blick zu. Obwohl diese Göttin normalerweise nich um Macht konkurrierte, war sie ziemlich weise und wusste, wie man so spricht, dass es Zeus ansprach und seine Unterstützung gewann.
"Prinz Apollos erste Sonnenstrahlen sind zwar sanft für Lebewesen, aber diesmal für die Toten bestimmt. Bist du dir wirklich sicher, dass du die Intensität so kontrollieren kannst, dass du die Seelen nich verbrennst? Wenn man mit einer Seele so zart umgehen kann, wie sieht's dann mit zehn, hundert oder unzähligen Seelen aus?" Athene, als Göttin der Weisheit, nutzte schnell Apollos Schwäche aus und griff ihn an. Das war 'n Wettbewerb um Autorität, und Fragen der öffentlichen Meinung und Freundschaft konnten erstmal beiseitegelegt werden.
"Hmph, darüber brauchst du dir keine Sorgen zu machen, Eure Hoheit. Neuen Seelen nach den Gesetzen der Seele neues Leben zu schenken, unterscheidet sich nich von der Umgestaltung einer Seele. Die Etablierung der Reinkarnation soll der Welt helfen, Urenergie zu sparen, und dein Plan ist dem Zweck der Reinkarnation völlig entgegengesetzt."
"Du!"
Die Götter gerieten in 'n hitzigen Streit, jeder war nich bereit, die Autorität über das Leben aufzugeben. Letztendlich wandten sie ihre Aufmerksamkeit auf die wenigen Gottheiten mit dem größten Einfluss: die beiden Urgötter sowie Zeus und Hades.
"Hehe..."
Ein Lächeln erschien am Mundwinkel von Zeus, und 'n Funke Elektrizität flackerte in seiner Hand, der Blitz schlängelte sich wie 'ne kleine Schlange um seine Fingerspitzen.
Die Gesichter der Götter veränderten sich, denn in diesem Blitz spürten sie die Kraft des Lebens.
"Donner steht nich nur für Zerstörung; er besitzt auch die große Macht, das Wachstum aller Dinge anzuregen und Regen und Nahrung hervorzubringen. Außerdem bin ich als König der Götter der Herrscher allen Lebens, und die Autorität der Reinkarnation sollte in meinen Händen liegen!"
Die Götter hätten nie erwartet, dass nach so langem Streiten plötzlich 'n neuer Konkurrent auftauchen würde.
Athene, Apollo und Demeter tauschten Blicke aus und sahen jeweils Zögern in den Augen der anderen. Worüber gab's noch zu streiten? Die andere Partei war der König der Götter, und mit ihm um Macht zu konkurrieren, würde bedeuten, in Zukunft seinem endlosen Zorn ausgesetzt zu sein.
Obwohl die Autorität der Reinkarnation verlockend war, wollten sie nach dem Prometheus-Vorfall wirklich nich riskieren, diesen Gottkönig zu verärgern.
Die beiden Urgötter schwiegen ebenfalls und schlossen ihre Augen halb, als ob sie sich nich in die Entscheidungen der Götter aufm Olymp einmischen wollten, und distanzierten sich von der Angelegenheit.
Gerade als die Götter dachten, alles wär geklärt und die Autorität der Reinkarnation würde in Zeus' Hände fallen, erhellte plötzlich 'n seltsames goldblaues Licht die Haupthalle. Die Götter spürten 'ne noch nie dagewesene und außergewöhnliche Kraft – 'ne Macht, die einen vom Tod befreien und das Leben umarmen konnte, 'n Wunder der Auferstehung!
Auferstehung!?
Die Göttin mit goldenen Haaren und violetten Augen hatte göttliches Licht auf ihrer Stirn flackern, und ihre Lippen, so rot wie Rosen, sprachen göttliche Worte, wobei jede Silbe mit Autorität widerhallte.
"Ich bin die Herrin des Auferstehungsamtes, die Inhaberin der obersten Geheimnisse des Lebens; die Reinkarnation wird durch mich geboren!"
"Die Reinkarnation wird durch mich geboren!"
Die Erklärung der Göttin war donnernd, und das goldblaue göttliche Licht umgab sie und ließ sie noch edler und großartiger erscheinen.