Kapitel 11 Ich lag falsch.
Aber heute hat sie niemanden auf dem Weg gesehen. Alle Pflanzen in den Gärten waren total vertrocknet, als wären sie schon ewig nicht mehr gepflegt worden.
Sie hatte ein komisches Gefühl und ging schneller auf das Haus zu. Niemand war zu Hause. Sie wollte gerade telefonieren, als aus dem Hinterhof ein Mann kam.
"Wen suchst du?"
Yolanda war wie vor den Kopf gestoßen. Der Mann vor ihr kam ihr total unbekannt vor. Wahrscheinlich ein neuer Diener.
"Ich suche Herrn Morgan."
"Ach, Sie meinen den Herrn Morgan, der früher hier gewohnt hat? Die sind schon vor Ewigkeiten weggezogen."
"Die sind weggezogen?" Yolanda war geschockt. Was hieß denn, die sind weggezogen?
Aus dem alten Haus rausgegangen, rief Yolanda ihren Vater voller Verwirrung an. Dann merkte sie, dass sie ihn nicht erreichen konnte. Vier Jahre waren vergangen, sie wusste nicht mal, was mit den Morgans passiert war. Sie wusste nicht, dass ihr Vater das Haus verkauft hatte, und sie kannte die Telefonnummer ihres Vaters nicht mehr ...
Yolanda war total fertig und wollte heulen. Sie versuchte, das Schluchzen zu unterdrücken und wählte dann viele Nummern. Schließlich erfuhr sie von ihrem Onkel die neue Adresse ihres Vaters. Aber sie hörte auch, dass ihre Eltern seit zwei oder drei Jahren keinen Kontakt mehr zu anderen Verwandten hatten, also war nicht klar, was genau mit ihren Eltern passiert war.
Es war eine alte Siedlung hier. Sie ging den dunklen Gang entlang, überall hingen Werbung. Und in der Luft hing ein widerlicher Gestank. Bei jedem Schritt, den sie machte, wurde ihr mulmig. Ihre Eltern liebten Sauberkeit und Ordnung über alles, wie konnten sie das hier aushalten und hier leben?
Sie wusste nicht genau, in welcher Etage ihre Eltern wohnten. Sie irrte lange im Gang herum. Dann fragte sie ein Passant: "Hey. Hübsche, wen suchst du denn?"
Yolanda war nervös und schluckte schwer, sagte: "Ich suche Lee Morgan. Er ist..."
Sie versuchte, sein Aussehen zu beschreiben, aber sie merkte, dass sie vergessen hatte, wie ihr Vater aussah. Fünf Jahre waren vergangen, er musste doch total alt geworden sein.
Der Mann sah sie eine Weile an, runzelte plötzlich die Stirn und sagte: "Bist du Yolanda?"