Kapitel 43
Sam sah, dass Natascha echt mies drauf war, als sie zurückkam. Er hatte gerade das Video und die Fotos gesehen, die ihn sauer gemacht hatten. Er fand, Natascha übertrieb es total. Edward war so lieb zu ihr, aber sie war einfach nie zufrieden und musste draußen mit ihrem Ex-Freund rummachen.
Natascha schaute Sam an, der immer noch wie angewurzelt dastand. Sie war sich sicher, dass Sam irgendwas angestellt haben musste, weswegen Edward schlecht drauf war, und deswegen traute er sich nicht mal, reinzugehen.
Was hatte er denn so Schlimmes getan?
Sie sah, dass der Typ nicht mit ihr reden wollte, ging an ihm vorbei, öffnete die Tür und ging rein.
"Edward, was ist los? Bist du schlecht gelaunt?" Natascha betrat das Arbeitszimmer und spürte, dass die Atmosphäre dort auch total bedrückend war. Früher, selbst wenn sie nicht geredet hatten, hatten sie gelächelt und manchmal kleine Zickereien ausgetauscht, wenn sie sich sahen, aber jetzt redete niemand.
Lag es etwa daran, dass sie zu spät zurückgekommen war und er deshalb schlecht drauf war?
Natascha ging schnell zu seinem Schreibtisch und sah ihn halb liegend an: "Edward, was ist los? Nur weil ich zu spät war, bist du sauer?"
Sam stand an der Tür und schloss sie nicht. Er hörte Nataschas Worte und schnaubte leicht. "Weißt du denn nicht, was du im Restaurant gemacht hast? Ich komm zurück und tu so, als ob du von nichts weißt und fragst Herrn Busch." Sam sagte das leise zu sich selbst.
Echt zum Kotzen.
Er hätte am liebsten reingerannt und Natascha gefragt, warum sie das getan hatte.
Doch gerade als Sam dachte, Herr Busch würde ausrasten, hörte er plötzlich, wie Herr Busch ganz sanft sagte: "Hast du nicht am Telefon gesagt, du kommst gleich wieder? Warum hat es denn so lange gedauert, bis du zurück warst?"
Natascha schwieg.
"Du bist zu spät gekommen!"
Das war's?
Sam, der an der Tür stand, war plötzlich sprachlos. Wo war denn all der Stolz von vorher hin?
"Als ich damals angerufen habe, war ich echt bereit, sofort zurückzukommen, aber ich bin zurückgegangen und habe mich noch ein bisschen mit Lehrerin Abby unterhalten. Mir war ein bisschen unwohl und ich hab beschlossen, mit dem Bus zurückzufahren."
Natascha fand, dass es zwischen ihnen keine Geheimnisse geben sollte, also wollte sie ihm erzählen, was danach passiert war, aber sie schwieg.
"Lass dich das nächste Mal von Sam abholen. Du bist schließlich ein Mädchen. Es ist nicht sicher, so spät allein mit dem Bus zu fahren!" Er sagte das, weil er nicht wollte, dass sie andere Leute trifft.
"Ich bin so müde, ich geh schon mal", sagte Natascha zögernd.
"Übrigens, ich habe Maxine und Jake heute auf dem Klassentreffen gesehen." Natascha nannte die Namen dieser beiden Leute und Edwards Augen verengten sich.
Natascha war schon an der Tür, als sie Jakes Namen erwähnte.
"Und dann?" Edward wollte keine Fragen stellen, aber die Neugier trieb ihn an, weiterzufragen.
"Ehrlich gesagt, Edward, ich habe dich angelogen."
Natascha spielte mit ihren Fingern und war etwas hin- und hergerissen. Dann sagte sie offen: "Die Wahrheit ist, ich habe Jake getroffen und mit ihm geredet, er wollte, dass wir wieder zusammenkommen, aber ich habe Nein gesagt. Ich wusste nicht, wie ich dir das sagen soll, also habe ich gelogen."
\ Diesmal waren Nataschas Augen sehr aufrichtig, in der Hoffnung, Edwards Vergebung zu erlangen. Sie hatte keine Beziehung zu Jake, und Edward war auch eine vertrauenswürdige Person.
Sam, der an der Tür gestanden hatte, hörte Nataschas Worte und war entsetzt. Er dachte, sie würde die Sache weiter verheimlichen, aber er hatte nicht erwartet, dass sie es zu diesem Zeitpunkt alles sagen würde.
Edward schwieg, dann ging Natascha in seine Richtung und sagte: "Edward, glaubst du mir nicht?"
"Doch, ich glaube alles, was du sagst. Du bist zurückgekommen. Geh baden und geh früh ins Bett." Edwards Stimme war sehr sanft, und ihre Augen waren voller Lächeln, was Natascha sicher machte, dass er gut drauf war und sie in Sicherheit war.
"Du auch Edward, geh früh ins Bett. Ich geh jetzt schlafen, ich bin zu müde!" Es war fast elf Uhr, und Nataschas innere Uhr begann sie wieder zum Schlafen zu drängen.
Nachdem Natascha gegangen war, ging Sam, der an der Tür gestanden hatte, in Edwards Arbeitszimmer.
"Herr Busch, ist die Sache jetzt so erledigt?"
Er konnte nicht glauben, dass Edward nicht mehr gefragt hatte. Er hatte Natascha einfach zugehört und ihren Worten vollkommen vertraut.
"Erledigt? Klar, sie kommt damit nicht so billig davon!" Er weiß bereits über die Beziehung zwischen Natascha und ihm, aber jemand schickte ihm immer wieder langweilige Videos und Fotos. Aus welchen Gründen?
Sam betrachtete Edward, der vorhin wütend ausgesehen hatte, und atmete schließlich erleichtert auf. Er dachte, Herr Busch kümmerte sich um nichts.
"Was machen wir mit der Sache? Soll ich mit Natascha reden?"
"Habe ich dir gesagt, du sollst irgendwas tun?" Edward sah Sam kalt an.
"Nein..." Sam senkte den Blick und verstand Edward nicht.