Kapitel 96
Die ist ja echt 'ne Zicke, wir hocken doch alle im selben Schlafsaal. Ist die wirklich so daneben drauf gegenüber anderen Leuten?
Maxine Lee war ganz baff, als sie sah, wie ernst Natascha Quinns Augen waren. Dann fiel ihr ein, dass Natascha sich an Edward Buschs Gesicht erinnerte, und daraus zog sie Kraft und hatte keine Angst mehr. „Hass mich ruhig! Hau doch zu, zeig, was du drauf hast!“
Wenn die wirklich die Schnauze von dieser Tussi voll haben wollte, könnte sie die ganz easy von der Uni kicken.
Natascha Quinn wusste, dass die sie nur provozierte und was auch immer als Nächstes kommt, könnte gegen sie verwendet werden. „Naja, ich will meine Hände nicht an so 'ner verhornten, dreckigen Sache haben.“
„Du fühlst dich jetzt mächtig, weil du den Schutz von den Buschs in deinem Arsenal hast. Ohne die bist du jetzt total hilflos. Kein Ritter in glänzender Rüstung mehr, du Prinzessin in Not.“
Aus Maxines Lees Sicht ist Natascha Quinn einfach nur ein schlechtes Gewissen in Person.
Obwohl die jetzt unter einem Dach wohnen, hat Natascha es nicht gewagt, mit ihr zu reden. Obwohl die heute Mittag mit Brian übel über Natascha gelästert hat, hat Natascha keinen einzigen Satz dazu gesagt. Ohne Brian als Unterstützung wäre Maxine nämlich 'n Mann mit dem Schwanz zwischen den Beinen!
Jetzt, wo sie sah, dass sie sich gegen die, die sie unterdrückten, wehren konnte, fühlte sie sich wohler.
Aber sie hätte nicht denken sollen, dass Natascha das einfach ignorieren und sie in Ruhe lassen würde. Sie will einfach ihre Zeit nicht an jemanden verschwenden, der so blöd ist, anderen Schmerzen zuzufügen.
Außerdem hatte Maxine Lee vor ihrem Onkel was über sich und Jake Hendrix erzählt. Deswegen hatte sie ja auch falsch verstanden, dass sie rausgeflogen ist.
Aber Maxine hätte nicht denken sollen, dass Edward Busch das überhaupt nicht interessiert, oder?
Sie war zu faul, mit Maxine Lee zu reden, und verließ den Schlafsaal direkt.
Als Maxine sah, wie Natascha aus dem Zimmer floh, öffnete sie ihre Augen und begann, ihre eigenen Fotos durchzusehen.
Kürzlich kursierten im Internet viele Fotos von Erstsemestern aller großen Universitäten, darunter auch Astrids.
Militäruniformen stehen ihr super, und das hat im Internet viel Lob eingebracht.
Maxine, die sich so sehr um Eitelkeiten kümmert, denkt, dass sie nicht schlechter als Astrids Schönheit ist. Also hat sie ihr Foto bearbeitet und rumgeschickt, um ein bisschen Wirbel zu machen.
Natascha verließ den Schlafsaal, um sich einen ruhigen Ort zu suchen, um Edward Busch anzurufen. Es war schon 'ne Weile her, dass die beiden miteinander gesprochen hatten.
Als er den Anruf entgegennahm, murmelte er: „Geht's dir gut da? Ist das Militärtraining anstrengend?“
Obwohl sie von all dem harten Training total müde ist, hat sie sich nie vor Leuten beschwert, aber sie hat die Tendenz, es vor Edward zu verbergen. „Ja, ist es! Es ist so heiß, und ich habe morgen einen Ruhetag, vielleicht verbringe ich ihn ja mit 'ner Suche nach faulen Jobs, was sagst du?“
„Nicht gut.“ Edward Busch ist 'n sehr ernster Mann und war früher Soldat. Ich weiß zwar, dass das Militärtraining anstrengend sein kann, aber es bereitet dich körperlich und geistig vor, und das soll ihr helfen.
Natascha Quinn war nicht überrascht, dass er das sagen würde: „Ich wusste, dass du so 'n Onkel bist.“
Ernst und starr, offensichtlich nicht viel älter als sie, hatte Natascha Quinn das Gefühl, dass zwischen ihr und Edward Busch 'ne Generationenkluft herrschte.
Er saß am Fenster und betrachtete das helle Stadtlicht, das die Stadt draußen beleuchtete, und sagte mit sehr leiser Stimme: „Mach gute Übungen, Natascha.“
„Was ist, wenn ich braun werde?“
„Na ja, für mich siehst du trotzdem wunderschön aus. Schwarz ist sowieso schwarz, egal welche Farbe du hast.“
Edward Busch atmete tief durch, während er sich Nataschas weißen und zarten Körper vorstellte, den sie normalerweise hatte. Sie ist von Natur aus weiß und pflegt sich besser als Maxine.
Edward Busch bekam sofort das Gefühl, hochgezogen zu werden.
Er unterdrückte sein unruhiges Herz und sagte zu Natascha Quinn: „Wann werde ich dich jemals verlassen?“
Natascha Quinn hörte seine Worte und wusste einfach nicht, was sie sagen sollte.
Was passiert, wenn man was Nettes sagt, um sie zu beschwichtigen?
Sie hat in letzter Zeit so hart trainiert und isst jeden Tag nicht gut.
Denk mal dran, wie es früher mit Edward Busch war, jeden Tag essen, was man will, und all das köstliche Essen gehört ihr, das ist total glücklich. Im Vergleich zu der Situation, in der sie sich jetzt befindet.
Sie konnte es nicht lassen, am Telefon zu schnaufen: „Ich esse hier kaum was, und schon wieder hab ich Hunger.“
Edward Busch lachte: „Hast du denn noch gar nichts gegessen?“
„Ich hab schon zu Abend gegessen, es ist nur so, dass der Ausbilder uns abends noch trainieren ließ. Dadurch hatte ich dann wieder Hunger“, antwortete Natascha.
Edward Busch brach in Gelächter über ihre missliche Lage aus.
„Wie kannst du denn über meinen Hunger lachen.“ Natascha Quinn rieb ihren flachen Bauch. „Ich hab echt Hunger!“
Edward Busch ist 'n Spielverderber: „Es ist spät, geh dich waschen und schlaf früh. Wenn du zurückkommst, nehme ich dich mit, dann kannst du was Leckeres essen.“
Es ist fast zehn Uhr jetzt!