Kapitel 15
Jemand mit 'ner megahellen Taschenlampe tauchte auf. 'Ne sauer-aufgelegte Frau Christina mit 'nem Typen, der immer für die Kühe zuständig war.
"Das soll's also gewesen sein?!" kreischte sie wütend und packte Heather so fest am Arm, dass die schrie.
"Siehst du, was ich dir gesagt hab, Rob?? Siehst du?! Dieser kleine Bastard!"
Ich schaute Rob an. Er war ungefähr so alt wie Tante Christina. Anfang dreißig. Er war nicht der Typ, den ich in der Küche gesehen hatte, in der Nacht. Wer war das dann?
Tante Christina stürmte auf mich zu, ohrfeigte mich und verpasste mir wütend Schläge mit ihren Fäusten.
"Nein, bitte!" flehte ich, während sie mich verprügelte.
"Halt die Fresse! Kleiner Perverser! Was hast du meiner Tochter angetan?? Was?!"
"Nichts, bitte!" weinte ich. Heather weinte hinter ihrer Mutter und flehte sie an, aufzuhören.
"Das hier könntest du vielleicht brauchen, Ma'am." sagte Rob mit einem fiesen Grinsen im Gesicht, als er seinen robusten Cowboy-Ledergürtel abnahm und ihn Tante Christina reichte.
"Oh nein, Rob, ich hab 'ne bessere Idee. Du verprügelst ihn."
Nein!
"Mein Vergnügen" sagte er, als er sich mir näherte. Der erste Schlag, den er mir mit dem Gürtel verpasste, schleuderte mich kreischend und schreiend vor Schmerzen zu Boden. Er fing an, mich gnadenlos zu peitschen. Ich weinte und weinte. Da lag ich und wurde um Mitternacht ausgepeitscht! Ich weinte und weinte. Heather schrie wie verrückt und flehte ihre Mutter an, mit Rob aufzuhören.
"HALT DIE KLAPPE! AB AUF DEIN ZIMMER!" schrie sie Heather an. Heather rührte sich nicht und schrie weiter durch ihre Tränen hindurch und bettelte. Sawyer sah sich die Show an, die Arme verschränkt.
"Du weinst wegen diesem Idioten?? Dieser Bastard!" sie drehte sich zu mir um und bat Rob, aufzuhören, mich zu verprügeln. "Also hör jetzt mal ganz genau zu, du hässliches Ding! Du magst es geschafft haben, meine Heather auf deine Seite zu ziehen, aber pass gut auf."
Ich schaute sie durch meine geschwollenen Augen an.
"Du bist erbärmlich. Du bist nur ein hässlicher, armer Hausbursche. Und wenn du älter wirst, wird sich keine Frau, ich meine keine einzige Frau, für so 'n Mist wie dich interessieren. Keine Frau! Komm meiner Tochter nie wieder zu nahe. Verstanden?" fragte sie drohend, als sie sich neben mich hockte. Ich hatte aufgehört zu weinen. Ich war rasend vor Wut. Ich war wütend. Ich hatte Schmerzen. Ich warf ihr einen hässlichen Blick durch meine geschwollenen Augen zu.
"Verstanden?" wiederholte sie langsam. Ich runzelte die Stirn. Ich hatte keine Angst mehr. Mit all dem Mut, den ich hatte, spuckte ich ihr ins Gesicht. Sie wich schockiert zurück.
"Wie kannst du es wagen?!" knurrte Rob, als er seinen Gürtel hob, um mich zu schlagen. Aber sie hielt ihn auf.
"Schlag ihn nicht." sie wischte meinen Speichel weg, "Ich hab 'ne bessere Idee. Hol die Bienen aus dem Honig-Reservoir. Wir werden diesem Bengel 'ne Lektion erteilen."
Er ging, um sie zu holen.
Ich schaute sie in die Augen, ohne Angst. Ich hatte so viel Schmerz ertragen, dass mir die Bienen egal waren. Genau in diesem Moment rannte Heather, immer noch weinend, los und biss ihre Mutter fest in den Arm.
"AUUU!" sie zog ihre Hand aus dem Mund ihrer Tochter. Blut. "Heather?!" schrie sie vor Schmerz und packte sie am Arm. Dann wandte sie sich an Sawyer.
"Pass auf ihn auf. Deine Schwester ist verrückt geworden! Ich sperre sie in den Keller." sie zog Heather mit sich und aus dem Stall heraus.
Sawyer drehte sich mit einem kleinen Grinsen zu mir um. Ich war so wütend. So voller Schmerzen. Ich stand auf und näherte mich ihr schwach.
"Komm mir nicht zu nahe!" sie wich panisch zurück.
Es war alles ihre Schuld.
"Sheridan, komm mir nicht zu nahe!" kreischte sie.
Ich packte sie am Hals. Ich war nicht mehr ich selbst. Als sie anfing zu schreien, ohrfeigte ich sie, ohne nachzudenken, so heftig mit dem Handrücken, dass sie zu Boden fiel. Sie bewegte sich nicht. Sie war ohnmächtig geworden. Es war mir egal.
Ich drehte mich um und bemerkte, dass Dove aufgewacht war. Heathers Pferd. Ich musste fliehen. Es war jetzt oder nie. Heather würde es nicht schlimm finden, wenn ich ihr Pferd nahm.
Ohne Zeit zu verlieren, sattelte ich das Pferd und setzte mich dann auf seinen Rücken.
"Jaaa!" Ich peitschte es aus und schon rannte es so schnell wie möglich aus dem Stall.
Ich galoppierte so schnell wie möglich über die Wiese der Ranch. Dove war ein sehr schnelles Pferd. Mit dem Taschenlampenlicht, das Tante Christina in der Scheune gelassen hatte, konnte ich durch die Dunkelheit sehen.
Ich ritt noch schneller. Schneller. Schneller! Und schon war ich draußen von der High Meadows Ranch. Ich war durch ihr Holztor geritten, ohne gesehen zu werden. Ohne nachzudenken und weil ich mich für einige Zeit verstecken musste, ritt ich das Pferd mitten in der Nacht direkt in den Wald. Für mich war der Wald sicherer als die Ranch. Ich war entkommen. Ich war frei!
Heathers Sicht:
Ich saß auf dem Boden direkt hinter der Kellertür und weinte in völliger Dunkelheit. Ich hatte Angst und gleichzeitig fühlte ich mich schrecklich wegen Sheridan. Mama hatte sich in ein Monster verwandelt. Sie war nicht hart zu uns, aber zu Sheridan. Nur als er sie am meisten brauchte, wegen Onkel Pauls und Papa's Tod. Ich wusste schon immer, dass Mama streng war, aber ich wusste nicht, dass sie so herzlos sein konnte. Meine Liebe und mein Respekt für sie hatten nachgelassen. In diesem zarten Alter. Ich fing an, sie leicht zu hassen.
Nachdem Mama mich eingesperrt hatte, hatte ich es nicht gewagt, die Treppe hinunterzugehen, die zum Boden des Kellers führte. Ich war direkt hinter dieser Tür geblieben. Ich hasste die Dunkelheit und außerdem frustrierten mich die Gedanken daran, was mit Sheridan passieren könnte. Ich weinte und weinte.
Als ich anfing, mich zu beruhigen, hörte ich Rob ins Haus kommen und Mamas Namen rufen. Ich versuchte, von der anderen Seite der Tür aus zuzuhören.
"Christina! Christina!"
"Ja?? Was ist denn los?" Ich hörte, wie sie ins Zimmer kam. Dann hörte ich sie nach Luft schnappen. "Oh mein Gott! Sawyer! Was ist passiert?? Gib sie mir!"
Sawyer? Was war mit ihr passiert?
"Als ich mit den Bienen zurückkam, fand ich sie regungslos im Heu liegend. Ihre Wange ist rot. Sieht so aus, als hätte der kleine Bastard sie geohrfeigt und sie ist bewusstlos geworden. Hier, trag sie..."