KAPITEL 19
Er guckte sie an und sah Tränen in ihren Augen verschwimmen. Er wischte ihre Tränen mit seinen Daumen weg. Er umfasste ihre Wangen und senkte langsam sein Gesicht zu ihrem und ließ seine Lippen in einem sanften Kuss ihre berühren.
Er hatte noch nie jemanden geküsst, außer ihr. Er lebte in einem Blumenhaus und doch erlaubte er keiner Frau, sie zu berühren, es fühlte sich falsch an, dass er es nicht tun konnte.
"Ich bin eine sehr schwierige Person", sagte sie, als sich ihre Lippen trennten.
"Damit kann ich leben. Ich werde alles tun, was du willst", sagte er, und er meinte es ernst.
"Wann kommst du denn zurück?", fragte sie ihn.
"Ich bleibe hier. Mein Zuhause ist hier bei dir. Ich werde dich nie wieder verlassen", versprach er ihr.
Er hatte sie noch nie so zerbrechlich gesehen, sie legte ihren Kopf auf seine Schulter und er legte den Arm um sie.
"Wenn du dein Versprechen brichst, dann werde ich…"
"Ich weiß, was du sagen wirst. Wenn ich dich jemals verletze, dann werde ich persönlich vor dir stehen und dich mich auf jede erdenkliche Weise verletzen lassen", sagte er.
"Ich ziehe dir die Haut ab und tauche dich in den heiligen Teich", sagte sie, als sie ihn ansah, und er lächelte.
"Wenn dich das glücklich macht, dann schneide ich sogar mein Herz für dich heraus", sagte er und gab ihr einen weiteren Kuss auf die Stirn.
Sie lächelte ihn an, und er lächelte sie auch an. Er war wirklich glücklich, wieder zu Hause zu sein, zu Hause bei ihr, und er würde sehr lange bei ihr bleiben.
"Wie geht's dir denn so?", fragte er sie.
"Nicht so gut. Ich habe dich auch vermisst", sagte sie, als er ihr Haar mit seinen Fingern strich.
"Das ist eine große Ehre, dass die große Heilige jemanden wie mich vermisst", sagte er.
"Du bist ein besonderer Typ, Xavier, ich denke, ich wusste das schon immer, seit ich dich damals gefunden habe", sagte sie.
"Danke für alles, was du für mich getan hast. Dank dir konnte ich meine Eltern wiedersehen und die Wahrheit über alles erfahren", sagte er.
"Ich habe getan, was ich tun musste", sagte sie.
"Aber warum hast du mich dort gelassen? Ich wollte mit dir zurückkommen", fragte er sie.
"Ich wollte, dass du noch eine Chance mit deiner Familie hast. Ich hatte nie eine gute Zeit mit meinen Eltern, und ich dachte, es wäre das Beste, wenn du die Chance hast, die ich bei meinen verloren habe", erzählte sie ihm.
"Ich wusste nicht, dass du so rücksichtsvoll warst. Danke, dass du mir diese Chance gegeben hast. Dank dir habe ich mich für dich entschieden. Ich will bei dir sein, und ich hoffe, du lässt mich weiterhin bei dir bleiben", sagte er.
"Du wirst mich mit der Zeit verlassen, und ich werde hier allein bleiben", sagte sie, als sie allein saß.
"Ich werde dich nicht einmal im Tod verlassen. Wenn du verflucht bist, lasse ich mich auch verfluchen. Ich werde für die Ewigkeit mit dir leben", sagte er ihr, als er ihre Hände hielt.
Er wusste, dass sie unsterblich war, wenn Mann alles bedenkt, was seit er sie getroffen hatte und davor passiert war. Es war nicht normal für ein sterbliches Wesen, kein bisschen zu altern und so unglaubliche Fähigkeiten und Kräfte zu haben, wie Valery sie hatte.
"Irgendetwas stimmt mit dir nicht!", sagte Valery plötzlich, nachdem sie ihn angesehen hatte.
"Was meinst du denn?", fragte er sie und war sich nicht sicher, was los war.
Valery stand auf, und er sah das Kleid, das sie trug. Er hatte das vor einiger Zeit entworfen.
"Wir müssen jetzt zum heiligen Teich gehen", sagte sie und zog ihre Schuhe an.
Er stand auf, nahm einen Umhang und zog ihn für sie an.
"Ich möchte nicht, dass du dich erkältest, indem du weniger trägst", sagte er, obwohl das nicht das war, wovor er Angst hatte. Er wollte nicht, dass irgendjemand sie in weniger Kleidung sah.
Sie lächelte ihn an, als wüsste sie genau, was in seinem Kopf vorging.
"Ich weiß", sagte sie und begann, den Raum zu verlassen. Er folgte ihr aus ihrem Zimmer, und gemeinsam gingen sie aus dem Palast zum heiligen Teich.
Der heilige Teich war der Teich, der den goldenen Lotus hatte, Valerys Legende. Er fragte sich, warum sie dorthin gingen. Als sie ankamen, streckte Valery ihre Hand aus und winkte dem Lotus zu. Der Lotus erblühte und öffnete sich in diesem Moment.
Er hatte es noch nie so gesehen. Der Lotus war immer wie eine Knospe geschlossen gewesen. Sie hob ihre Hand, und etwas kam aus der Blume, das sie dorthin lenkte, wo sie beide standen. Sie ließ den Gegenstand, von dem er nicht erkennen konnte, was es war, auf ihre Hand fallen. Sie betrachtete ihn eine Weile, bevor sie sich ihm zuwandte.
"Was ist das?", fragte er sie.
Sie streckte ihre Hand aus und forderte ihn auf, es zu nehmen. Als er es nahm, sah er sehr genau hin und erkannte, dass es ein Samen war.
"Warum gibst du mir einen Samen?", fragte er sie.
"Nimm ihn", sagte sie.
Weil er ihr vertraute, schluckte er den Samen einfach, ohne überhaupt zu wissen, warum. Sie lächelte ihn an, nachdem er ihn geschluckt hatte, und er wusste, dass er gerade das Richtige getan hatte. Es dauerte nicht lange, bis die Wirkung einsetzte.
"Was passiert mit mir?", fragte er.
"Dir geht's gut", sagte sie, und er fühlte sich federleicht.
Valery hob beide Hände, und er spürte, wie er hochgehoben wurde. Er konnte sich nicht wehren und sah sie einfach an, als er in den heiligen Teich gehoben wurde. Er landete im goldenen Lotus. Er war riesig, als wäre es sein Zuhause. Während er damit beschäftigt war, sich umzusehen, begann sich der Lotus um ihn zu schließen.
"Valery, warte. Was passiert denn?"
"Dir geht's danach gut, ich verspreche es dir", sagte sie, und er schlief plötzlich ein, als sich der Lotus endgültig um ihn schloss.