Kapitel 160: Betrunkene Frau
In diesem Moment, Leslie musste doch echt einen an der Waffel haben, überhaupt so einen Gedanken zu haben. Aber egal, was er dachte, Martina und Leslie sind am Ende Elena in die Bar gefolgt.
Im Vergleich zu anderen Bars war diese hier relativ sicher, weil drinnen und draußen mehrere Security-Typen rumstanden, die sofort hätten reagieren können, falls es Stress gibt.
Kein Wunder, dass Elena hier Spaß hatte; die hatte wohl schon ein paar Drinks intus. Sie hat Martina zu einem Eck-Tisch geführt, der total unauffällig war. Auf dem Tisch standen schon frisch servierte Drinks und so.
"Martina, ich hab dich so vermisst! Ich wollte dich heute eigentlich anrufen und fragen, wann du wiederkommst, aber jetzt bist du einfach so wieder da!" hat Elena gequiekt. "Du bleibst diesmal, oder? Was hat denn Benjamin dazu gesagt?"
Martina hat genickt und geantwortet: "Ja, diesmal bleib ich. Wie könnte ich denn gleich wieder abhauen? Benjamin hat andere Sachen zu tun, deswegen geht er in nächster Zeit auch nicht auf Geschäftsreise."
Außerdem, selbst wenn Benjamin auf Geschäftsreise gehen würde, konnte Martina ihm ja nicht die ganze Zeit hinterherrennen; das wäre irgendwie komisch. Zwischen Benjamin und Martina gab's ja keine richtige Zusammenarbeit. Ab und zu mal zusammen auf Geschäftsreise, okay, aber ständig, das würde nur zu Gerede führen.
Elena schien Martinas Gedanken zu erraten und hat ihr fröhlich auf die Wange geküsst. "Na, heißt das, wir können wieder zusammenarbeiten? Das ist ja mega!"
"Ach ja, Martina, ich hab dir ganz vergessen zu erzählen. Gestern haben wir ein neues Projekt im Studio bekommen, und es ist riesig! Ich dachte, ich schaff das alleine nie, deswegen wollte ich dich um Hilfe bitten. Wer hätte gedacht, dass wir so eine krasse Chemie haben!" hat Elena hinzugefügt.
Martina hat gelacht und die entspannte Elena angeschaut. Sie konnte nicht anders, als sich irgendwie hilflos und amüsiert über die überschwängliche Freundin zu fühlen.
Da gab's nichts zu machen. Elena war ja Martinas beste Freundin, immerhin. Martina konnte sie einfach nicht erziehen.
"Was für ein großes Projekt?" Martina hatte davon noch gar nichts gehört. Wenn's um Arbeit ging, war sie immer besonders ernst, wollte alles ganz genau wissen.
Aber Elena war gerade nicht in der Stimmung dafür. Sie hat Martina umarmt und sich an sie gekuschelt.
"Ach, vergiss das jetzt mal, wir wollen doch Spaß haben. Erzähl ich dir morgen, ist doch noch genug Zeit!" hat Elena aufgestoßen. "Ach ja, Martina, ich hab hier einen heißen Typen gesehen, einen richtig Schönen! Der ist bestimmt nicht weniger charmant als Benjamin!"
Das hat Leslie voll erwischt, und er saß da und hat sich unwohl gefühlt. "Miss Rodríguez, so was kann man doch nicht sagen... Was meinen Sie denn damit?"
Elena hat Leslies Anwesenheit in diesem Moment endlich bemerkt und hat genervt die Stirn gerunzelt. Sofort hat sie angefangen zu motzen.
"Was geht dich denn das an, was ich meine? Ich kann doch sagen, was ich will, und was hat dich das überhaupt zu interessieren? Bist du nicht einer von Benjamins Leuten? Kümmere dich um deinen Kram!"
"Sonst pass auf, oder ich nähe dir den Mund zu! Dann kannst du dich auch nicht bei Benjamin beschweren, wenn du überhaupt noch einen Mund hast!"
Leslie hat nicht gekontert.
War Miss Rodríguez von der Rodríguez-Familie wirklich so eine Zicke? Das war ihm vorher gar nicht aufgefallen.
Eigentlich war Elena ja gar nicht so. Es lag hauptsächlich daran, dass sie heute ordentlich getrunken hatte, was zu dieser Situation geführt hat.
Martina hat Leslie einen leicht entschuldigenden Blick zugeworfen und gesagt: "Tut mir leid, die hat wohl zu viel getrunken. So ist sie eigentlich nicht."
Leslie, egal wie kleinlich er auch sein mochte, würde sich nicht mit einer Betrunkenen streiten.
"Ist schon okay," hat Leslie großzügig abgewunken und gesagt. "Miss Martinez, Sie müssen sich gar nicht rechtfertigen. Ich verstehe das schon. Miss Rodríguez hat wohl im Suff überreagiert, und ich nehme es ihr nicht übel."
Aber Elena hat weiter aufgestoßen und gesagt: "Tschja, du willst dich immer noch mit mir streiten? Ich hab's ja schon mehr oder weniger gut sein lassen..."
"Meine beste Freundin hat sich doch draußen ganz gut verstanden. Wenn du nicht Leute losgeschickt hättest, um nach ihr zu suchen, wäre sie doch gar nicht hierher zurückgebracht worden!"
Leslie hat sich ganz hilflos gefühlt. "Das war doch die Entscheidung vom Chef. Kann ich da was machen?"
"Außerdem ist es doch nicht sicher für Miss Martinez, da draußen alleine zu sein. Der Chef macht das doch nur für ihr Bestes!"
"Mach immer, was Benjamin sagt, hast du denn gar keine eigene Meinung?" hat Elena gekontert. "Und erzähl mir nicht, dass das für Martinas Bestes ist. So was kannst du vielleicht einem Dreijährigen erzählen, aber mein Mädel ist doch keine drei Jahre alt!"
Leslie ist still geworden und hat gemerkt, dass man diese Diskussion nicht weiterführen konnte.
Elena hat Leslies Schweigen bemerkt und ist sofort wieder unzufrieden geworden.
"Was ist los? Katze die Zunge verloren, oder hast du ein Problem mit mir? Pass auf, wenn du was hast, dann behalt es für dich!" hat Elena gedroht. "Sonst pass auf, ich lass dich von meinem Bruder verprügeln! Lass dich nicht von seinem sanften Aussehen täuschen, der kann richtig gut zuschlagen!"
Als Elena ihren Bruder erwähnt hat, haben ihre Augen einen Hauch von Unruhe verraten, was darauf hindeutete, dass ihre Worte tatsächlich wahr waren. In der Vergangenheit war sie rebellisch gewesen und hatte oft die Konsequenzen zu spüren bekommen, weil sie von ihrem Bruder verprügelt wurde.
Obwohl Alejandro sie nicht so doll geschlagen hat, dass es ernsthafte Schäden gab, haben diese Ohrfeigen trotzdem höllisch wehgetan und die Hände geschwollen gemacht.
Wenn Elena an diese Momente gedacht hat, musste sie unweigerlich vor Angst schaudern. Genau deshalb hat sie sich nie getraut, Alejandro die Stirn zu bieten, wenn er zu Hause war, denn er hat sie wirklich gezüchtigt!
Martina hat wirklich die Worte verloren. Wie soll das denn weitergehen? Es schien ja kein Ende zu nehmen.
"Elena, ich glaube, du hast genug getrunken. Sollen wir jetzt nicht nach Hause gehen?" hat Martina vorgeschlagen.
Wenn Elena betrunken war, war sie wirklich schwer zu händeln. Ob es ihr ständiges Geplapper oder ihre rebellische Art war, Martina hat jetzt verstanden, wie sich Alejandro fühlen musste, wenn er versucht hat, seine jüngere Schwester zu kontrollieren, denn Elena konnte ganz schön anstrengend sein.
"Mach das nicht! Martina, hilf mir, den heißen Typen von vorhin zu finden und seine Kontaktinfo für mich zu besorgen, bitte?" hat Elena gesagt. "Du bist kurz davor, die Liebe zu finden, und ich bin immer noch Single! Wie kann ich denn meine zukünftigen Kinder im Wettlauf des Lebens verlieren, während ich immer noch Single bin?"
Martina hat geseufzt: "Wovon redest du denn, Elena? Ich lasse dich so nicht mehr trinken!"
Martina hatte jetzt genug und hat Leslie einen Blick zugeworfen und gesagt: "Könntest du sie bitte ins Auto tragen? Ich schaff's ja nicht, sie alleine zu bewegen."
Leslie hat genickt, ist sofort aufgestanden und hat sich darauf vorbereitet, Elena auf dem Rücken rauszutragen, um zu gehen.