Kapitel 178: Großer Bruder kam an
Ehrlich gesagt, wenn man mal kurz nachdenkt, kann man langsam ein paar der aktuellen Umstände verstehen. Wenn in Zukunft Leute rausfinden, dass die frühere, verzogene Amy echt Mist gebaut hat, und das so richtig tief drin steckt, wären doch alle mega enttäuscht, oder?
Mit Martina und Elena zusammen haben sie Amy zurück ins Klo gezerrt, aber sie haben nicht gleich losgelegt. Stattdessen haben sie mit der psychischen Nummer weitergemacht.
"Martina, unsere Leute müssten doch bald da sein, oder?" Elena hat sich an den Plan gehalten, den sie vorher besprochen hatten, und fing an. "Ich hab' 'nen Typen angerufen, der superfit und stark ist. Der wird Amy schon zeigen, wo der Hammer hängt."
Ein kleines Lächeln spielte um Martinas Mundwinkel, als sie nickte, "Der müsste gleich da sein. Er hat mir vorhin geschrieben, dass er unterwegs ist. Dauert höchstens noch 10 Minuten. Warten wir noch ein bisschen. Es kommt ja sonst keiner. Die Zeit spielt für uns."
Sofort hat Amys Kopf Kopfkino bekommen. Könnte es sein, dass Martina und Elena echt so weit gegangen sind, die gleichen Methoden bei ihr anzuwenden? Sie hat sich erinnert, was sie Martina früher angetan hat.
Abgesehen davon, dass sie immer wieder versucht hat, Martinas Unschuld zu zerstören, gab es auch etliche Versuche, mit ihren eigenen Tricks Martina komplett fertigzumachen.
Hatte Martina etwa vor, diese Tricks zu benutzen, um Amy Angst einzujagen?
Schon bevor Martina und Elena irgendwas gemacht haben, war Amy schon total verängstigt.
Allein der Gedanke an die Möglichkeit war für Amy schon 'ne krasse Demütigung. Es war, als würde sie sich am liebsten gleich umbringen. Aber sie hat's nicht gebracht, weil sie noch leben wollte.
Das war die einzige Möglichkeit, an der winzigen Hoffnung festzuhalten, weiterhin mit Benjamin zusammen sein zu können, egal wie gering die Hoffnung war. Trotzdem war sie fest entschlossen, es zu versuchen. Das war längst 'ne Obsession in ihrem Herzen geworden. Wie konnte sie das einfach so wegwerfen?
Zumindest Amy konnte das nicht.
Was die anderen gedacht haben, war eigentlich egal. Schließlich hatte die aktuelle Amy schon unzählige Erniedrigungen durchgemacht. Wie konnte sie da einfach aufgeben?
Aber die aktuelle Situation hat ihre Vorstellungskraft echt übertroffen. Warum sollte Martina überhaupt auf so miese Tricks zurückgreifen? Warum hat Martina sie entdeckt, obwohl sie sich so gut versteckt hat? Was war der Grund für das alles?
Als die Geräusche von draußen immer lauter und chaotischer wurden, ist Amys Selbstbewusstsein noch mehr ins Wanken geraten. Nein, sie durfte auf keinen Fall so behandelt werden.
Wenn sie wegen sowas ihre Unschuld verlieren würde, dann wäre ihre Chance mit Benjamin endgültig futsch. Wollte Martina sie an den Abgrund treiben?
Genau in dem Moment waren Schritte vor der Tür zu hören. Die Gegend um diesen Privatraum war abgesperrt, und keiner kam vorbei.
Im Privatraum haben alle weitergegessen und getrunken, total ahnungslos über diese kleinen Details. Von Anfang an haben Martina und Elena keine Anzeichen von Streit mit Amy gezeigt, außer dass sie sich einen Drink geteilt haben, also hat natürlich keiner drauf geachtet.
Das war nur ein besonderer Trick von Martina und Elena. Wer hätte gedacht, dass sie so viel Zeit hätten, um einfach so mit jemandem wie ihr rumzuhängen? Martina wollte nur, dass ihre Pläne besser klappen.
Amy hat erbärmlich geweint und von innen immer wieder gefleht. "Martina, ich hatte Unrecht, echt. Du kannst mich nicht so behandeln. Wenn die Sache Benjamins Ohren erreicht, wird er dich total verachten."
"Kann er mich doch verachten, wenn er will. Schließlich hatte ich von Anfang an nicht vor, mich mit Benjamin einzulassen", blieb Martina ungerührt und sagte ruhig. "Selbst wenn er mich verachtet, was macht das schon? Das hat nicht viel mit mir zu tun und wird mich nicht beeinflussen."
Jetzt hatte Martina keine Angst, selbst wenn Benjamin sie verachten würde. Na und?
Das würde einfach bedeuten, dass es so sein sollte. Martina wollte ihre Zeit nicht damit verschwenden, das absichtlich anzustreben.
In diesem Moment war Amy total verängstigt. Ihre Augen sind in der Situation hin und her gegangen, aber sie konnte keinen Weg finden, zu entkommen.
Plötzlich hat sie sich erinnert, dass sie ihr Handy noch hatte. Sie hat schnell einen Notruf abgesetzt und ohne nachzudenken eine Nummer gewählt. "Großer Bruder, hilf! Großer Bruder, bitte, hilf! Martina will mich umbringen!!"
Eigentlich hatte Martina gar nicht die Absicht, das wirklich zu tun. Sie wollte Amy nur eine Lektion erteilen. Wie sollte Amy sonst ihre Lektion für die Zukunft lernen? Zu ihrer Überraschung hat Amy sofort ohne zu zögern eine Lüge erzählt und behauptet, Martina wolle sie umbringen. Die Lüge kam fast zu geschmeidig.
Inzwischen war Adam, der Amys Hilferuf früher bekommen hatte, zum Hotel gerast. Als er den panischen Anruf seiner Schwester hörte, hat er Vollgas gegeben und ist direkt vor dem Hotel angehalten, ohne sich um einen Parkplatz zu kümmern.
Aber durchs Telefon war nur Adams wütendes Gebrüll zu hören: "Martinez! Du bist echt außer Kontrolle! Wie kannst du es wagen, meine Schwester zu mobben! Ich sorge dafür, dass du es den Rest deines Lebens bereust!!"
Martina hat diese schwachen Geräusche gehört und natürlich Adams Stimme am Telefon gehört. Schließlich hatte Amy den Anruf auf Lautsprecher gestellt, sodass diese Worte nicht versteckt werden konnten, selbst wenn sie es versucht hätten.
Elena hat Martina mit etwas Sorge angeschaut und gesagt: "Ist das wirklich okay? Was ist, wenn was Unerwartetes passiert..."
Bevor Elena ihren Satz beenden konnte, lächelte Martina und nickte: "Na klar ist das okay. Hast du vergessen, wie kompetent Leslie ist? Vertrau mir, es wird keine Probleme geben."
Es war wirklich ein bisschen komisch. Leslie war praktisch Martinas privater Bodyguard geworden, aber jetzt schien er spurlos verschwunden zu sein.
Entweder hatte er ohne Erlaubnis frei genommen, oder... er hat das absichtlich auf Martinas Wunsch getan. In Anbetracht der aktuellen Situation schien die letzte Möglichkeit wahrscheinlicher.
Als Adam im Eiltempo angerannt kam, sah er Martina und Elena vor der Tür stehen. Die beiden hatten es geschafft, sich Stühle zu schnappen.
Sie haben Adam mit einem verspielten Blick angeschaut, während hinter ihm eine Gruppe Leute folgte. Bei einer schnellen Zählung waren es mindestens zehn. Die sahen alle aus wie Bodyguards und standen hinter Adam, voller Aufmerksamkeit und warteten auf seinen Befehl.