Kapitel 77: Jemand verfolgt, schnell, entkommen!
„Vielleicht liegt's an der Neuigkeit. Egal, was vorher war, ich bin ja nie so lange von seinem Ort weggeblieben. Jemand, der so ein Kontroll-Bedürfnis hat, lässt mich natürlich nicht einfach so gehen“, erklärte Martina.
Elena hörte zu, verstand das irgendwie und nickte am Ende.
„Vielleicht ist es wirklich so, wie du sagst. Er ist einfach nur ein Idiot. Er wusste nicht, wie er dich schätzen sollte, als du bei ihm warst“, sagte Elena. „Und jetzt, wo du wirklich gehen willst, rennt er hinterher. Männer sind echt hirnverbrannte Viecher. Die lieben es einfach, sich total lächerlich zu machen!“
Elena spürte, dass irgendwas nicht stimmte, während sie redete, und rieb sich am Kopf.
Elенas Augen leuchteten auf, als hätte sie plötzlich was kapiert. Ihre Stimme wurde ein paar Dezibel lauter, als sie sprach. „Aber das hat doch nicht so viel damit zu tun, dass er unbedingt nach dir sucht. Selbst wenn er dieses verdammte Kontroll-Bedürfnis hat, würde er nicht so weit gehen. Das ist nicht Benjamins Style.“
„Übrigens, die News von deinem Auszug haben schon ganz schön Wirbel verursacht. Ich glaub, jeder in LA weiß davon!“, fuhr Elena fort, die Hände am Kinn abstützend.
Martina war einen Moment lang wie vom Donner gerührt, aber schob die Gedanken schnell beiseite. Obwohl es bestimmte Dinge gab, die sie nicht komplett ignorieren konnte, wollte sie sich nicht in das Gerede und die Meinungen anderer verstricken. Was andere dachten, hatte nichts mit ihr zu tun. In ihren Augen war sie doch nur eine unvernünftige und dumme Frau.
„Wenn sie's wissen, dann wissen sie's. Na und? Abgesehen von diesen Gründen, wird Benjamin keine anderen Motive haben. Vielleicht liegt's ja an meiner stolzen Art, dass er angefangen hat, nach mir zu suchen“, sagte Martina. „Eigentlich bin ich ihm doch egal. Höchstens werd ich kurz von ihm beachtet. Wenn diese Zeit vorbei ist, wird alles gut. Ihn interessiert mein Wohlergehen doch eh nicht. Selbst wenn ich wieder gehe, ist es ihm wurscht.“
Elena glaubte das aber nicht. Sie betrachtete Martina, die Hände am Kinn, und sah die Frau vor sich, die sichtbar abgenommen hatte. Ihr Herz tat weh.
„Vergessen wir diese unglücklichen Sachen. Du bist meine beste Freundin, und sonst zählt doch eh nichts. Ich will nur, dass du gut auf dich achtest. Was den Rest angeht... wenn's nicht klappt, lassen wir diese Leute einfach hinter uns. Wir dürfen uns auf keinen Fall so elend fühlen wie vorher. Sonst hab ich Herzschmerz!“, sagte Elena.
Die Bindung zwischen den beiden war frei von jeglicher Heuchelei, was Martinas Herz erwärmte. Es schien, als würde sie sich deutlich glücklicher fühlen, solange Elena an ihrer Seite war. Zumindest hatte sie nicht die Illusion, allein zu kämpfen.
Nach Martinas Einschätzung würde Benjamin bald ihrer überdrüssig werden, und das wäre ihre Chance, wirklich neu anzufangen. So zu warten, war schwer, aber Martina war bereit, es auszuhalten, wenn sie dadurch Erfolg haben würde.
Was sollte sie sonst tun? Suchte sie etwa nur Ärger? Wäre sie verrückt geworden?
Martina zwang sich zu einem Lächeln, das sie kaum zustande brachte. Wenn sie nicht mit Elena zusammen wäre, hätte sie wahrscheinlich nicht so ein Lächeln aufbringen können. Denn jetzt konnte Martina nur vor Elena wirklich sie selbst sein.
Die beiden tranken dort einen Kaffee und vereinbarten dann, ins nahegelegene Einkaufszentrum zu gehen.
Obwohl Benjamin genaue Anweisungen gegeben und darauf bestanden hatte, dass Leslie Martina ständig auf den Fersen sein musste, schien das nicht zu beinhalten, dass sie nicht shoppen gehen durfte.
Denn Benjamin wusste, dass Martina schon sehr unglücklich war, und wenn er weiterhin die volle Kontrolle über ihre Freiheit ausüben würde, würde sie das nur noch trauriger und betrübter machen.
Um Martinas Laune zu verbessern, tat Benjamin absichtlich so. In Wirklichkeit wollte er, aufgrund seiner wahren Natur, nicht, dass diese Situation eintrat.
In diesem Moment liefen Martina und Elena Hand in Hand auf der Straße und zogen die Aufmerksamkeit vieler Leute auf sich.
Neugierige Blicke wandten sich ihnen zu und fragten sich, warum da immer ein Mann war, der diesen beiden schönen Frauen nicht allzu fern war. Auch wenn der Mann eine Zeitung in der Hand hielt und so tat, als würde er nur zufällig vorbeigehen.
Martinas Attraktivität war jedoch unbestreitbar. Egal wo sie auftauchte, sie zog immer die Aufmerksamkeit vieler Leute auf sich.
Natürlich bemerkten manche Leute auch, dass immer jemand Martina von hinten genauestens beobachtete.
Mit der Zeit, ein- oder zweimal, konnte das Zufall sein, aber schon so lange Zeit, war dieser Mann hinter den beiden Schönheiten her.
Um ehrlich zu sein, konnte das überhaupt noch Zufall sein? Das würde doch keiner glauben, wenn man es so sagen würde!
Da war ein Mädchen, das niedlich und unbeschwert wirkte. Vielleicht spürte sie die Gefahr, in der Martina und das andere Mädchen steckten, und rannte Martina absichtlich über den Haufen?
„Peng!“
Martina und das Mädchen stießen zusammen, aber das Mädchen hatte nicht die Absicht, sich zu entschuldigen. Sie sagte unhöflich: „Kannst du denn nicht aufpassen, wo du hingehst?“ und ging schnell weg.
Gleichzeitig schob das Mädchen aber heimlich einen scheinbar unbedeutenden Zettel in Martinas Hand.
Martina war einen Moment lang verblüfft und hatte so eine Situation nicht erwartet.
In der nächsten Sekunde konnte man Elena neben ihr meckern hören: „Warte mal, du bist doch uns zuerst über den Haufen gerannt. Wie kannst du es wagen zu sagen, wir hätten nicht aufgepasst?“
Als Martina sah, wie Elena schon die Ärmel hochkrempeln wollte, um sich mit dem Mädchen zu prügeln, zog sie sie schnell zurück und sagte: „Egal, gehen wir weiter.“
Dann ging sie flott mit Elena davon und warf einen schnellen Blick auf den Zettel, als Leslie nicht aufpasste.
Auf dem Papier standen ein paar große Worte: „Jemand verfolgt dich, renn weg!!“
Besonders dieses auffällige Ausrufezeichen war unübersehbar.
Kein Wunder, dass das Mädchen sie absichtlich angerempelt hatte. Deswegen war das.
Leider konnte Martina die guten Absichten der anderen Person nur enttäuschen. Sie wusste, dass jemand sie verfolgte, und sie wusste genau, wer es war.
Aufgrund der aktuellen Umstände gab es jedoch keine Möglichkeit, Leslie zum Gehen zu bewegen. Abgesehen davon, so zu tun, als würde sie ihn nicht kennen, gab es keine bessere Wahl.
Elena sah auch unerwartet den Inhalt des Zettels und war geschockt. Sie bekam ihren Mund eine ganze Weile nicht zu. „Martina, wir –“
Martina warf Elena einen Blick zu und signalisierte ihr, dass sie nicht wollte, dass sie diese Themen ansprach. Stattdessen ergriff sie die Initiative und ging in Richtung eines nahegelegenen Geschäfts. „Elena, hast du nicht gesagt, du wolltest ein paar Klamotten kaufen? Lass uns mal in diesem Laden gucken. Ich glaube, deren Klamotten-Style würde dir stehen!“
Elенas Kopf war einen Moment leer, und sie wollte ablehnen, verpasste dabei aber den Wink von Martina komplett. „Wann hab ich denn gesagt, dass ich Klamotten kaufen will? Ich meinte doch das, was gerade passiert ist.“