Kapitel 98: Schutz oder Überwachung?
Martina hat das unwichtige Zeug einfach abgehakt, war ja auch total egal. Sie hat bewusst weggeschaut, keinen Blickkontakt zu **Benjamin** aufgebaut und das Gespräch auf was anderes gelenkt.
"Ich hab von **Elena** gehört, dass du mich jetzt in Ruhe meine eigenen Sachen machen lässt? Stimmt das?" hat **Martina** gefragt.
**Benjamin** hat seine Hand freigemacht und **Martina** am Kopf durchgewuschelt. "Joa, ist besser, wenn du nicht nur zu Hause rumsitzt, sondern dir selbst was suchst, was du machen kannst."
"Wenn du arbeiten willst, halt ich dich nicht auf. Ich lass **Leslie** weiter bei dir sein und auf dich aufpassen. Sag mir einfach, was du vorhast," hat **Benjamin** erklärt.
Für **Martina** klang das aber nach einer anderen Art von Überwachung. Kein Wunder, dass **Benjamin** so schnell zugestimmt hat, der hatte schon nen Plan B in der Tasche.
**Leslie**, der sie immer hinterherrennt, heißt, sie kann nicht viel anderes machen als arbeiten. Aber, wie **Benjamin** schon gesagt hat, besser als zu Hause rumzuhocken und nix zu tun. Auch wenn sie jemand beobachtet, jetzt egal, und **Martina** hat es auch nicht eilig, wegzugehen.
Nachdem **Martina** das gecheckt hat, hat sie aufgehört, sich Gedanken zu machen. "Okay, ab morgen geh ich arbeiten."
"Deine Leute können mich begleiten, aber die Bedingung ist, dass er sich nicht in meine Arbeit einmischt. Sonst kriegt er Ärger von mir," hat **Martina** gewarnt.
"Okay, ich mach dein Spiel mit," hat **Benjamin** gesagt, und mit seinen geilen Fingern **Martinas** Nase gekniffen. Diese intime Geste, die früher so normal war, hat sich jetzt so komisch angefühlt.
...
In der Nacht hat **Martina** mit **Benjamin** zusammen geschlafen. Egal, wie sehr sie sich gesträubt hat, am Ende wär’s nicht anders gewesen. Also hat sie beschlossen, so zu tun, als wär **Benjamin** gar nicht da. Solange **Benjamin** nicht über die Stränge schlägt, konnte sie es so sehen, als würde sie sich einfach nur ein Bett teilen, ohne was zu verlieren.
Am Anfang war **Martina** total angespannt und konnte lange nicht einschlafen. Aber später, vielleicht weil sie so fertig war, ist sie unbemerkt eingeschlafen und hat nichts mehr mitgekriegt.
Armer **Benjamin**, hat die Zeit genutzt, als **Martina** geschlafen hat, und hat sie ganz sanft in den Arm genommen. Aber wegen **Martinas** unruhiger Art konnte er die ganze Nacht nicht gut schlafen.
Am nächsten Tag ist **Benjamin** früh aufgewacht, und zufällig ist **Simon** zurückgekommen, um von der Arbeit zu berichten. Er hat gemerkt, dass sein **Chef** ein bisschen komisch geguckt hat. Der **Chef** sah gut drauf aus, aber er hatte dunkle Augenringe. Heißt das, die Nacht war wild?
Allein der Gedanke daran hat **Simon** total glücklich gemacht.
Er wusste, solange der **Chef** gut drauf ist, läuft alles besser, und die Einzige, die die Stimmung des **Chefs** beeinflussen konnte, war **Miss Martinez**.
"**Chef**, heute ist der Terminkalender voll. Morgen müssen wir in die Nachbarstadt für ne Arbeitsbesprechung..."
"Wir haben zwei Videokonferenzen am Nachmittag und ein Abendessen..."
**Benjamin** ist vorgegangen, hat seine Krawatte gerichtet, und als er **Simons** Pläne gehört hat, hat er sofort ohne zu zögern gesagt: "Das Abendessen absagen."
**Simon** hat den Mund aufgemacht, wollte was sagen, aber er kannte die Einstellung seines **Chefs** ja. Wenn der **Chef** sich was in den Kopf gesetzt hat, konnte niemand was ändern. Also konnte **Simon** nur zustimmen. "Okay, **Chef**. Ich storniere es."
...
Morgens hat **Martina** noch geschlafen, und **Benjamin** wollte sie nicht wecken. Er hat jemanden angewiesen, das Essen warm zu halten, damit **Martina** direkt was Heißes bekommt, wenn sie aufwacht.
Sogar **Elizabeth** hat so ne Behandlung noch nie gekriegt. Ehrlich gesagt war **Elizabeth** deswegen neidisch.
Aber **Benjamins** Worte von vorhin sind ihr noch im Kopf rumgegangen. Egal, wie unglücklich sie sich gefühlt hat, sie musste es aushalten.
**Benjamin** hat gefrühstückt und ist sofort für nen anstrengenden Arbeitstag los, hatte kaum Freizeit den ganzen Tag.
**Martina** hat auch nicht so lange geschlafen. Sie ist gegen 8 Uhr aufgestanden.
Sie hat ihre Klamotten angeguckt, die immer noch die gleichen wie gestern Abend waren, und war irgendwie erleichtert. Zum Glück war **Benjamin** nicht komplett herzlos geworden. Wenn er sie ausgenutzt hätte, als sie geschlafen hat, wär **Martina** sofort abgehauen.
Schließlich ist sie schon mal abgehauen, und sie hätte kein Problem damit, es wieder zu tun.
Aber **Benjamin** wusste nix von **Martinas** Gedanken, sonst wär er bestimmt erleichtert gewesen und hätte seine krasse Selbstbeherrschung gefeiert.
Letzte Nacht hat er sich echt zusammenreißen müssen und wollte duschen gehen. Aber die Chancen, friedlich mit **Martina** im Bett zu liegen, waren selten, und er wollte sie nicht verpassen.
In letzter Zeit hat **Benjamin** fast durchgehend unter Schlaflosigkeit gelitten. Erst nachdem **Martina** zurück war, hat sich dieses Gefühl von Schlaflosigkeit allmählich verbessert.
Andere denken vielleicht, dass **Martina** nicht ohne **Benjamin** leben kann, aber die Wahrheit ist, dass **Benjamin** auch nicht ohne **Martina** leben kann.
**Martina** war wie ein Lebenselixier für **Benjamin**. Ohne sie gäb's vielleicht nicht den **Benjamin** von heute, geschweige denn den **Benjamin** von morgen.
Früher waren **Benjamins** Emotionen so unberechenbar, aber **Martina** hat ihn immer beruhigt. Das war ne Behandlung, die andere noch nie erlebt haben, was andere nicht schaffen würden, selbst wenn sie es versuchen.
**Martina** hat schnell unten was gegessen und von **Leslie** erfahren, dass **Benjamin** gegen 6 Uhr weg ist. Sie blieb unberührt und hat still ihr Frühstück zu Ende gegessen.
Dann hat **Martina** **Leslie** gebeten, sie ins Studio zu fahren.
**Leslie** hatte schon Anweisungen von **Benjamin** bekommen und hat alle Befehle von **Martina** befolgt. Solange sie nicht zu unverschämt waren, war er bereit, alles zu tun.
**Leslie** hat **Martina** schnell ins Studio gefahren und ist vor 9 Uhr angekommen.
**Martina** hatte **Elena** schon vorher Bescheid gesagt, dass sie kommt.
Nach so vielen Tagen ins Studio zurückzukehren, wusste sie nicht, welche Worte ihre aktuelle Stimmung beschreiben könnten.
Aufregung war auf jeden Fall dabei, aber es gab auch das Gefühl, dass alles anders ist.
Hätte sie nicht an ihren ursprünglichen Entscheidungen festgehalten, wäre ihr Leben vielleicht total anders verlaufen. Sie wäre nicht von anderen als Goldgräberin abgestempelt worden, noch hätte man sie als Frau gesehen, die nur von **Benjamin** abhängig ist. Sie hätte ihre eigene Identität, ihren eigenen Status, und am wichtigsten, sie hätte alles, was wirklich zu ihr gehört, anstatt nur ein Accessoire von **Benjamin** zu sein.
**Martina** ist wie immer zur Arbeit gegangen und hat sich eingeloggt. Außer **Leslie**, der ständig draußen Wache gehalten hat, schien alles unverändert.
Sie und **Elena** sind zusammengeblieben und haben zuerst ein Bild gezeichnet.
In der Pause hat **Elena** von sich aus gefragt: "Wurde dir dieser Typ absichtlich von **Benjamin** zugeteilt? Ist er die ganze Zeit hier?"
**Martina** hat gezeichnet: "Ja, egal, wo ich hingehe, er ist dabei. Er ist nicht gerade ein Bodyguard, eher **Benjamins** Augen."
Vor heute war **Elena** neugierig auf die Gründe, warum **Benjamin** **Martina** freiwillig kommen und gehen ließ, aber jetzt hatte sie es verstanden.