Kapitel 201: Weisheit aus der Realität ziehen
Amy hatte echt keinen Plan, was abgeht, sonst hätte sie nicht so'n Zeug gelabert.
Und wegen ihrer Worte waren ihre Wünsche einfach unerreichbar, und sie hat sich sogar den Ekel von anderen eingehandelt. Das war echt 'ne Schande für die Paloma-Familie. Zum Glück war das noch nicht bis zu den Ohren der Paloma-Familie gedrungen, sonst wär's für sie richtig peinlich geworden.
Was Amys Situation anging, haben die Bullen keine Infos zurückgehalten. Die haben Benjamin sofort Bescheid gesagt. Benjamin schien davon aber gar nicht überrascht. Bei Amys Art war's ja nur logisch, dass sie das alles nicht aushalten konnte.
Als Amy am Anfang so schnell mit der Polizei abgehauen ist, hat sie wohl geglaubt, dass ihre Family sie da rausholt. Dumm nur, dass die Paloma-Familie gerade alles andere als stabil war. Sie zu retten, schien jetzt 'ne viel kompliziertere Sache zu sein.
Alles, was Martina durchgemacht hatte, sollte Amy auch erleben, da war sich Benjamin sicher. Auch wenn's nicht ganz dasselbe war, er würde schon 'nen Weg finden, Amy ordentlich Angst einzujagen, am besten tief in ihrer Seele.
Angesichts der aktuellen Situation sah's so aus, als hätte Amy irgendwen angeheuert, irgendwas anzustellen. Auch wenn's kein Mord war, war's trotzdem 'n Gesetzesverstoß. Laut Gesetz kriegt sie dafür mindestens ein bis drei Jahre Knast, je nachdem.
Das Leben im Knast ist kein Zuckerschlecken. Nach nicht mal einem Tag hat Amy schon geheult und geschrien, dass sie da raus will. Wenn sie wirklich ein Jahr weggesperrt wird, kriegt sie wahrscheinlich 'nen Knacks.
Simon hat seinen Chef immer bewundert, aber er wusste auch, dass der Chef da konsequent war.
Benjamin war normalerweise gnadenlos, außer es ging um jemanden oder etwas, das ihm echt wichtig war. Egal was, er wollte immer, dass alles schnell geht.
Um 'ne bestimmte Zusammenarbeit zu schaffen, hat Benjamin ohne zu zögern die ganze Nacht durchgearbeitet, besonders wenn er schlechte Laune hatte. Keiner hat sich getraut, ihm zu widersprechen. Martina war die einzige Ausnahme.
Aber Amy war echt der Hammer, hat einfach nix aus ihrer Erfahrung mit Martina gelernt. Jetzt erntete sie, was sie gesät hatte.
Während Benjamin Simons Bericht über die Situation mit Amy anhörte, hat er nicht mal mit der Wimper gezuckt. Er hat sich mit einer Hand die Stirn gehalten und auf die Chat-Oberfläche seines Handys geguckt, als ob er irgendwas Unwichtiges hören würde.
"Chef, die Situation ist so in etwa. Das Urteil für Amy soll in drei Tagen kommen. Die Paloma-Familie hat bis jetzt noch nix unternommen. Sollen wir was vorbereiten?", hat Simon gefragt, um weitere Anweisungen zu kriegen.
Benjamin hat vage den Kopf geschüttelt. "Brauchen wir nicht. Mach einfach alles wie immer. Sag mir Bescheid, wenn wir die Ergebnisse haben."
Eigentlich hatte Benjamin seine Absichten in dem Moment schon ganz klar gemacht. Ohne konkrete Ergebnisse brauchte er keine Updates.
Simon hat nachdenklich genickt und gemerkt, dass der Chef diesmal echt sauer war. Das Ding war, dass er die Aktionen des Chefs auch für richtig hielt, also gab's nicht viel zu erklären.
Gerade in dem Moment hat Benjamins Handy geklingelt. Auf der Anzeige stand "Opa". Da war klar, wer anrief.
Benjamin ist sofort rangegangen, und am anderen Ende war eine ältere Stimme zu hören. Die Person schien so um die sechzig oder siebzig zu sein, aber immer noch voller Energie. Es sah so aus, als hätte ihm seine jüngste Erholung gutgetan.
"Opa", war Benjamins sanfter Ton, wenn er mit dieser Person sprach, die, abgesehen von Martina, die Einzige war, die diese besondere Behandlung bekam.
Ja, der Anrufer war Benjamins Opa, Jack Walker.
"Erinnerst du dich noch an deinen alten Opa? Wie lange ist es her, dass du mich angerufen hast?", klang Jacks herzliche Stimme.
Benjamin und Jack hatten in der Vergangenheit ziemlich oft telefoniert, aber in letzter Zeit gab's mega viel Arbeit. Dazu kam Martinas plötzliches Verschwinden für einen Monat, da konnte er natürlich nicht anrufen, sonst hätte er es seinem Opa nicht verheimlichen können.
Jetzt, wo Jack anrief, würde Benjamin sicher ein paar Beschwerden kriegen, und das hatte er vorausgesehen.
"Ich hatte einfach so viel zu tun in letzter Zeit, und ich wollte dich gerade anrufen, Opa", hat Benjamin geantwortet.
"Lass das!", kam Jacks direkte Antwort. "Was ist denn los mit dir, mein Junge? Denkst du, ich weiß nix? Du bist doch das Kind, das ich unter meinen Augen aufwachsen sehen habe. Denkst du, ich weiß nicht, was du denkst?"
"Gibt's 'nen Grund, warum du mich schon so lange nicht angerufen hast? Hast du schon wieder Krach mit Martina gehabt?", fuhr Jack fort. "Ich hab dir doch schon gesagt, Mädchen müssen verwöhnt werden. Deine Oma und ich, wir hatten früher auch unsere Streitigkeiten, aber am Ende haben wir's geregelt, oder? Wenn deine Oma noch leben würde, wären wir das beste Vorbild. Aber warum hast du damit solche Probleme? Ich glaube, du hast ein paar weniger ideale Gene von deinem Dad geerbt. Du bist einfach nicht gut darin, Mädchen glücklich zu machen!"
Jack war immer so, hat meistens gemeckert oder Fragen gestellt, wenn er Benjamin angerufen hat. Das lag daran, dass ihm Martina mega wichtig war und er wollte, dass sie ein gutes Leben hat, besonders hoffte er auf eine engere Beziehung zwischen Martina und Benjamin.
In dieser Zeit hatten weder Martina noch Benjamin Jack angerufen. Jack war frustriert und konnte nicht widerstehen, sie selbst anzurufen.
Benjamin war von dem Konter platt. Man konnte sagen, dass Benjamin nur in der Gegenwart von Jack so war, und das Wichtigste war, dass er überhaupt nicht sauer war.
"Opa, es ist nicht so schlimm, wir hatten nur in letzter Zeit echt viel zu tun", hat Benjamin geantwortet.
Jack hat Benjamins scheinbar oberflächliche Worte angehört und geschnaubt: "Ich kenn dich doch schon ewig und kann dich ganz gut durchschauen."
"Übrigens, ich komm morgen nach Hause, also warum kommen du und Martina nicht vorbei und holen mich ab? Wir können irgendwo zusammen essen gehen!", fuhr Jack fort. "Ich hab sie schon lange nicht mehr gesehen, und ich vermisse sie echt."
Er hat geredet, als wäre Martina Jacks echte Enkelin, während Benjamin weniger bevorzugt schien.
Über Benjamins Mutter, Elizabeth, gibt's nicht viel zu sagen. Ihre Beziehung zu Jack war distanziert, weit davon entfernt, eng zu sein, und sie war nicht mit der Beziehung zu Martina zu vergleichen. Jack wusste schon lange, dass Elizabeth Hintergedanken hatte.