Kapitel 208: Jacks Unterstützung
Benjamin stand zur Seite, Hände in den Hosentaschen, und wusste plötzlich nicht mehr, was er sagen sollte. Er kam sich total unnötig vor, als ob alles, was er sagen würde, ignoriert wird. Aber wenn die Leute vor ihm Jack und Martina waren, war's ihm eigentlich egal, wenn er übersehen wurde. Am Ende würde Martina ja eh mit ihm nach Hause kommen.
Zum Glück wusste Martina nichts von Benjamins Gedanken. Sonst hätte sie ihm ohne zu zögern einen Kick gegeben, weil er so überheblich war.
Wenn sie nicht gewusst hätte, dass Benjamin sie zurückbringen würde, wenn sie freiwillig geht, wäre sie schon längst abgehauen. Wozu hier Zeit verschwenden?
Jetzt, wo Jack zurück war, hatte Martina noch einen Grund mehr zu bleiben, und sie würde wohl so schnell nicht mehr ans Weggehen denken.
Die beiden quatschten weiter, während sie ins Auto stiegen. Simon fuhr einen Siebensitzer, damit alle genug Platz hatten.
Als sie einstieg, suchte Martina instinktiv einen Platz in der hinteren Reihe, neben Jack. Benjamin hingegen blieb nichts anderes übrig, als in der ersten Reihe Platz zu nehmen. In diesem Moment huschte ein leicht bitteres Lächeln über sein Gesicht, und in seinen Augen lag ein Anflug von Unzufriedenheit. Er flehte leise: „Könnt ihr meine Existenz wenigstens anerkennen?"
Aber anscheinend hatten Martina und Jack nichts davon mitbekommen. Sie setzten ihre lebhafte Unterhaltung fort und schenkten Benjamins aktuellem Gemütszustand keine Beachtung.
„Jack, ich erinnere mich, dass bald dein Geburtstag ist. Hast du dir etwas Besonderes gewünscht? Ich würde dir gerne vorher etwas besorgen", fragte Martina, total neugierig.
Martina rechnete die Zeit aus und merkte, dass Jacks Geburtstag in etwa zwei Wochen war. Das erklärte, warum er jetzt zurückgekommen war. Aber seine Rückkehr war nicht nur wegen seines Geburtstags; er hatte Benjamin und Martina einfach schrecklich vermisst. Obwohl er es nicht offen zugab, war es die Wahrheit.
Man sagt ja oft, dass Leute, je älter sie werden, mehr die Geselligkeit genießen, und das traf auf Jack definitiv zu. Er machte keinen Hehl aus seinem Wunsch nach Gesellschaft und Fröhlichkeit, als er Martinas Frage hörte.
„Martina, wenn du mich wirklich glücklich machen willst, wie wär's, wenn du mir bald einen Urenkel oder eine Urenkelin schenkst?" kommentierte Jack ganz offen.
Martina blinzelte, ihre Augen weiteten sich plötzlich um ein Vielfaches. Sie hatte nicht erwartet, dass Jack so etwas sagen würde. Wie verwandelte sich die Unterhaltung über ein Geburtstagsgeschenk in die Diskussion über ein Baby bekommen? Das überstieg ihre Vorstellungskraft total.
Jack fuhr fort: „Ob Junge oder Mädchen, ist mir egal; Hauptsache, es ist von dir und diesem Mistkerl, dann ist alles gut."
Was diesen „Mistkerl" anging, außer Benjamin konnte sich niemand angesprochen fühlen. Nur Jack war so locker drauf und benutzte sogar den Ausdruck „Mistkerl", wenn er von Benjamin sprach. Das Lustige war, dass Benjamin sich nicht traute, wütend zu werden.
Zum Beispiel fühlte sich Benjamin in diesem Moment ein bisschen unwohl, musste seine Emotionen aber unterdrücken. Während Martina und Jack sich lebhaft unterhielten, saß er still daneben und konnte nur zuhören. Am Ende seufzte er tief und hatte das Gefühl, er sollte gar nicht im Auto sein.
Als Jack diese Worte sagte, fand Benjamin endlich etwas Interesse an der Unterhaltung. Wenn es nach ihm ginge, war er sogar gespannt darauf, welche Kinder er und Martina haben könnten. Er würde sie lieben, egal ob Jungen oder Mädchen.
Vor diesem Moment hatte er noch nie wirklich darüber nachgedacht. Jacks Worte schienen etwas in ihm freizuschalten, was seine Emotionen und Gefühle sofort veränderte.
Martina spürte, dass jetzt zwei neugierige Blicke auf sie gerichtet waren, und das machte sie etwas unbehaglich. Sie senkte peinlich berührt den Kopf und versuchte, die Aufmerksamkeit dieser beiden Blicke abzulenken. „Jack, wovon redest du? Benjamin und ich sind in so einer Beziehung."
Ihre Worte stimmten voll und ganz. Ihre Identitäten und ihre bisherigen Erfahrungen machten es unangebracht, Kinder zu bekommen. Martina war nicht so dumm gewesen, sich solchen Fantasien hinzugeben. Wenn es früher gewesen wäre, hätte sie vielleicht ein paar Illusionen gehabt, aber jetzt wollte sie nur noch weg.
Jack war sich der ganzen Tragweite von Martinas Worten nicht bewusst und führte seinen Gedankengang fort. „Du hast Recht; du und der Mistkerl habt euch ja noch nicht offiziell das Ja-Wort gegeben. Wie wär's, wenn ihr euch beide mal Zeit nehmt und heiratet."
Nachdem Jack fertig gesprochen hatte, war Benjamin natürlich erfreut. Wenn sie so schnell wie möglich heiraten könnten, würde das zusätzliche Sicherheit bringen. Er glaubte, Martina würde nicht gehen wollen, wenn sie verheiratet wären.
Mit diesen Gedanken im Kopf zeigte Benjamins Miene einen Hauch von Vorfreude. Wäre die aktuelle Situation nicht so, hätte er den Vorschlag vielleicht schon eifrig gemacht.
Martina hatte aber eine andere Sichtweise. Tatsächlich sträubte sie sich ziemlich gegen die Idee.
Früher hätte sie sich darüber gefreut, da es ihr ein Gefühl von Legitimität gegeben hätte. Aber jetzt hatte sie kein Interesse an einem solchen Status. Vor Jack wollte sie ihre wahren Gefühle aber nicht offen zeigen, also erfand sie eine vorsichtige Ausrede.
„Ich glaube, Yichen und ich sind noch nicht so weit. Vielleicht sollten wir die Sache auf später verschieben", sagte Martina, und ein bittersüßes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Dieses Lächeln fiel Jack auf und erfüllte ihn mit Trauer.
Sie fuhr fort: „Manchmal ist es erst dann angebracht zu heiraten, wenn die Gefühle eines Paares wirklich diesen Punkt erreicht haben. Andernfalls würde die Heirat nur zu einer Last zwischen den beiden, nicht zu einer Quelle des Glücks."
Martina meinte, dass es für sie, wenn sie jetzt Benjamin heiraten würde, zweifellos zu einer großen Last würde. Sie wäre damit nicht glücklich.
Jack interpretierte die Situation jedoch als einen weiteren von Benjamins Fehlern.
Schließlich hatte Benjamin die Idee ja auch nicht direkt abgelehnt. Er hatte sie zwar nicht offen abgelehnt, aber auch nicht wirklich zugestimmt, oder? Jedes Mal frustrierte er Jack. Diese Zeiten hatten Jacks Gesundheit geschwächt, und das lag hauptsächlich daran, dass er im Bereich der Liebe nicht kooperativ war.
Das bezog sich natürlich auf Benjamins mangelnde Kooperation in Liebesdingen. In seinem beruflichen Bereich war er immer hoch angesehen und bekam Lob ohne Einschränkungen.
In der Arbeit war er immer tadellos, aber in Sachen Romantik war das nicht der Fall.