Kapitel 220: Garys Besuch
Elena war unerbittlich. "Nix gut? Ich find's voll gut. Ich glaub nicht, dass mein Bruder nein sagen würde, wenn er dich heiraten könnte! So ein talentiertes Mädel wie dich, das wär überall begehrt. Also am Ende profitiert ja mein Bruder davon."
Sie hat Martina ja nicht einfach nur abgefeiert; sie fand Martina wirklich mega besonders. Ob's ihre Mal-Skills waren, ihr Auftreten, ihre Personality oder ihr Aussehen, da gab's nix zu meckern.
Elena hatte da schon öfter drüber nachgedacht. Damals war Martina ja total in Benjamin verknallt, deswegen hatte Elena die Gedanken beiseite geschoben. Jetzt, wo Martina Benjamin verlassen wollte, konnte sie sich doch ihr eigenes Glück suchen?
Martina schüttelte den Kopf, wollte nicht, dass das Missverständnis so weiterging. "Dein Bruder und ich, wir passen einfach nicht zusammen, und selbst wenn Benjamin und ich nicht zusammen sein können, komm ich auch nicht mit deinem Bruder zusammen."
Als Elena Martinas krasse Abfuhr hörte, wusste sie, dass ihr Plan futsch war.
Obwohl sie enttäuscht war, wollte sie nicht so 'ne tolle Freundin wie Martina verlieren. Sie musste die Realität akzeptieren.
"Na gut", zuckte sie mit den Schultern, "wenn ich dich nicht als Schwägerin haben kann, dann behalt ich dich eben als meine beste Freundin. Wir sind ja schließlich für immer zusammen, und da kann niemand was dran ändern."
Am Nachmittag war Jack in seinem Garten am Werkeln und hat die Vögel beobachtet, hat die Freizeit genossen. Aber bevor er sich so richtig entspannen konnte, hat 'ne Ansage von draußen die Ruhe gestört.
In ihrem Haushalt haben sie normalerweise keine Fremden reingelassen. Wenn also doch mal jemand kam, musste der draußen warten, bis er die Erlaubnis zum Reinlassen bekommen hatte.
Aus der Ferne sah Jack, wie einer der Gärtner mit Schweiß auf der Stirn angerannt kam, voll in Eile.
"Was denn so eilig? Warum bist du so in Eile? Wenn du was zu melden hast, lass dir Zeit. Du musst dich doch nicht so aufregen. Verstehst du die Regeln in unserem Haushalt nicht?", sagte Jack grimmig. Er hatte klare Regeln aufgestellt und betont, wie wichtig es ist, ruhig zu bleiben, egal wie dringend die Situation ist.
Der Gärtner wischte sich den Schweiß von der Stirn und antwortete: "Sir, da ist ein Besucher von draußen."
Jack runzelte die Stirn. "Wer ist der Besucher? Wenn's nichts Wichtiges ist, schick ihn weg. Kennen die unsere Regeln nicht?"
Der Gärtner kratzte sich verlegen am Kopf. "Aber die Person behauptet, von der Paloma-Familie zu sein und lädt Sie ein, sie zu besuchen. Sie sagen, sie haben Sie lange nicht gesehen und vermissen Sie total."
Jack überlegte kurz.
Was geht denn ab? Jack hatte ja heimlich versucht, seine Rückkehr zu verbergen, damit's nicht gleich alle mitkriegen. Aber warum hatte die Paloma-Familie das so schnell erfahren? Könnte ein Spion im Haushalt am Werk sein?
Jack drehte sich instinktiv zu Nathan um und forderte: "Nathan, was ist los? Erklär mir das mal."
Nathan verstand, dass Jack sauer war, sonst hätte er den Ton nicht angeschlagen.
Ja, was geht denn ab? Jack hatte die Infos über seine Rückkehr ja abgeriegelt, also hätten die Palomas das ja nicht so schnell erfahren dürfen. Zumindest hätte es 'ne Woche geheim bleiben sollen.
Nathan spürte den Druck und antwortete: "Sir, ich weiß auch nicht, wie das passiert ist. Ich hatte die Infos ja wirklich gesichert..."
In dem Moment vertraute Jack Nathan noch, hat also nicht weiter nachgebohrt. Er war überzeugt, dass Nathan da nix mit zu tun hat, sondern dass die Infos von jemand anderem weitergegeben wurden.
In der Situation konnte Jack nicht passiv bleiben. Wenn die Paloma-Familie von seiner Rückkehr Wind bekommen hatte, dann würde es nur zu noch mehr Unzufriedenheit führen, wenn er sie ignorierte. Unwillig putzte er seine Klamotten, warf 'nen Blick in Richtung Haupteingang, obwohl man da eh nix erkennen konnte.
"Egal, ich zieh mich in meinem Zimmer um. Später kommst du mit, Gary zu treffen", befahl Jack.
Normalerweise hätten sich Jack und Gary jeden Tag gefreut, sich zu sehen. Aber unter den aktuellen Umständen hatte Jack null Bock, ihn zu sehen. Er wusste genau, dass Amy das Verbrechen begangen hatte, wahrscheinlich, weil sie heimliche Unterstützung von Gary bekommen hatte.
In dem Fall wäre das Verhältnis zwischen Jack und Gary irgendwie angeknackst gewesen; wie sollte es denn so sein wie vorher? Martina war ja die zukünftige Schwiegertochter, die Jack akzeptiert hatte; da konnte niemand was ändern. Aber Gary hatte im Alter die Schikanen seiner Enkelin toleriert. Hat das denn irgendeinen Sinn ergeben? Das war doch einfach nur krass!
Jetzt konnte Jack seinen Ärger unterdrücken und der Situation nicht direkt ins Gesicht sehen, alles wegen der Familienbande. Er wollte die Sache ja nicht eskalieren lassen.
Aber wenn Gary damit weitermachen wollte, hätte Jack auch nix dagegen gehabt, das Ganze durchzuziehen.
Jack hatte 'nen einzigartigen Anzug angezogen, der perfekt geschneidert war, was seine beeindruckende Erscheinung noch verstärkte.
Niemand hatte es gewagt, Jack zu unterschätzen, selbst als er schon ein bisschen älter wurde. Wann immer er den Anzug anhatte, hatte er 'ne magnetische Aura um sich. Selbst Frauen in seinem Alter konnten sich seinem Charme nicht entziehen.
Nein, selbst die, die 10 oder 20 Jahre jünger waren, haben Jack wahrscheinlich nicht übersehen. Immerhin war es für 'nen Mann in seinem Alter nicht leicht, so 'ne Figur zu halten.
Trotz einer Beinverletzung, die ihn fast zum Lahmen gemacht hätte, war er durch jahrelange Selbstdisziplin topfit. Höchstens gab's ein paar Narben an seinem Bein, die man nicht wegkriegen konnte, aber das war wie 'n Ehrenzeichen für 'nen Mann, eigentlich total anziehend.
Alles vorbereitet, ließ Jack Nathan ein paar wertvolle Geschenke holen.
"Gehen wir, wir besuchen Gary, ist ja schon 'ne Weile her..." Sein Blick wurde durchdringender.