Kapitel 38
Mit einem finalen, tränenreichen Abschied verließen sie das sichere Haus, ihre Herzen schwer von einer Trauer, die mit der Angst wetteiferte, die an ihnen nagte. Zurück in ihrem leeren Apartment war die Stille ohrenbetäubend.
Das Gewicht ihrer Entscheidung drückte auf sie, das spielerische Chaos ihrer Zwillinge wurde durch eine erdrückende Stille ersetzt.
"Wir können hier nicht bleiben", sagte Derrick, seine Stimme hallte im leeren Raum wider. "Wenn Bobbys uns beobachtet, ist dieser Ort kompromittiert."
"Wohin gehen wir?" fragte Sarah, ihre Stimme hohl.
Mr. Black, immer der Stratege, hatte einen Plan. "Es gibt eine verlassene Hütte in den Wäldern", erklärte er. "Gehörte früher meiner Familie. Abgeschieden, abgelegen. Dort seid ihr sicher."
Sarah spürte einen Schauer über den Rücken, als sie daran dachte, die Stadt zu verlassen und sich in die Wildnis zu wagen. Noch entsetzlicher war die Vorstellung, dass Bobby sie entdecken und ihre Kinder gegen sie aufbringen würde.
Sie wogen die physische Last ihrer misslichen Lage ab, als sie einen Koffer mit Notwendigkeiten packten, während sie sich einen Blick unerschütterlicher Furcht zuwarfen. Sarah erkannte, dass sich ihr Leben unwiderruflich verändert hatte, als sie aus der Stadt rasten, die vertraute Skyline im Rückspiegel verschwand.
Sarah und Derrick waren nicht länger nur ein Paar; sie waren Flüchtlinge, die vor ihrer Familie flohen, um sie zu retten und einen gewaltigen Feind zu besiegen.
Sie hatten eine verzweifelte Hoffnung und ihre unerschütterliche Liebe, und sie waren entschlossen, den ungewissen Weg gemeinsam anzugehen und auf eine bessere Zukunft zu hoffen.
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Wut brodelte in Bobbys Brust, eine giftige Schlange, die sich mit jedem Moment fester zusammenrollte. Er knallte sein Handy auf den Hörer, der Kunststoff ächzte unter dem Aufprall. Sarah lebte. Dieses Wiesel von einem Spion hatte endlich die Information herausgerückt, eine grausame Wendung des Schicksals nach Wochen voller Sackgassen und frustrierendem Schweigen.
"Lebendig", spuckte er, das Wort ein Fluch auf seinen Lippen. Sein Verstand raste, setzte die Informationsfragmente zusammen. Zwei Kinder. Auch am Leben. Ein Ansturm manischer Energie durchfuhr ihn, ein toxischer Cocktail aus Wut und einem verdrehten Gefühl der Befriedigung.
Er würde Sarah nicht nur zum Schweigen bringen. Er würde sie zahlen lassen, ihr Leiden verlängern, bevor er den endgültigen Schlag versetzte. Die Kinder – sie waren ein Druckmittel, ein Weg, die Schlinge um ihren Hals enger zu ziehen.
Mit einem räuberischen Glitzern in den Augen bellte Bobby Befehle. "Smash! Rico! Macht das Auto fertig. Wir statten Sarah einen Besuch ab."
Smash, dessen stämmiger Körper kaum Bobbys volatile Energie enthielt, und Rico, ein zittriger Mann mit ständig besorgten Augen, beeilten sich, zu gehorchen. Die Fahrt zu Sarahs Apartment war ein Wirbel von gebellten Anweisungen und schwelgender Wut.
"Sie wird uns nicht erwarten", knurrte Bobby, ein grausames Lächeln spielte auf seinen Lippen. "Das wird eine nette kleine Überraschung."
Sie kamen am Apartmentgebäude an, einer abgenutzten Struktur, die den Niedergang der Stadt widerspiegelte, die Bobby langsam ausbluten ließ. Smash, der einen stillen Befehl ausführte, übernahm die Führung und wies den Weg die schmutzige Treppe hinauf. Die Luft hing schwer vom abgestandenen Geruch alten Mülls und Verzweiflung.
Als Smash Sarahs Etage erreichte, hielt er inne, seine Hand schwebte über der eingedellten Metalltür. Ein nervöser Blick huschte zwischen ihm und Bobby hin und her.
"Reiß die einfach ein", knurrte Bobby, seine Geduld schwand. "Sie kommt diesmal nicht davon."
Smash zögerte eine Sekunde lang, dann hob er seine riesige Faust und schlug sie gegen die Tür. Der Lärm hallte durch den Flur, ein gewaltsamer Eindringling, der in die dürre Ruhe eindrang, die dort existiert haben mag.
Stille. Keine Antwort. Bobbys Augenbraue runzelte sich. Er hatte das nicht erwartet. Er hatte sich ein herzliches Wiedersehen und eine am Boden zerstörte Sarah vorgestellt, die um Vergebung flehte. Er spürte einen Schock der Angst, ein Kribbeln im Nacken, bei dieser unerwarteten Entwicklung.
Smash hämmerte noch einmal auf die Tür, diesmal mit solcher Intensität, dass sie kurz davor zu stehen schien, einzustürzen. Trotzdem keine Reaktion.
"Vielleicht ist sie nicht hier", warf Rico ein, seine Stimme kaum ein Flüstern.
Bobby wirbelte ihn an, seine Augen blitzten. "Natürlich ist sie hier! Der verdammte Spion hätte nicht gelogen!"
Er schob Smash beiseite und schlug mit der Schulter gegen die Tür. Das schlaffe Holz gab mit einem widerlichen Knall nach und splitterte nach innen. Bobby stürmte in das Apartment, seine Männer dicht hinter ihm, eine dunkle Flut von Bedrohung überschwemmte den einst vertrauten Raum.
Die abgestandene Luft des Apartments traf Bobby wie ein Schlag, dick mit Staub und einer schwachen, beunruhigenden Stille. Er scannte den Raum, sein Blick scharf und räuberisch. Leer. Kein einziges Zeichen von Sarah oder den Kindern. Die Möbel waren umgestürzt, Schubladen hingen offen, die Überreste einer hastigen Flucht.
"Was zum Teufel?" atmete Smash, seine Stimme hallte in der Leere wider.
Rico, immer der Besorgte, schluckte. "Vielleicht haben sie einen Tipp bekommen, Chef."
Bobby wirbelte ihn an, seine Augen blitzten. "Natürlich ist sie hier! Der verdammte Spion hätte nicht gelogen!"
Er stieß einen herumliegenden Schuh durch den Raum und schickte ihn in einen Haufen umgestürzter Kissen. "Einen Tipp? Von wem? Black? Der alte Knacker wüsste nicht, wo ihm der Kopf steht!"
Frustration brodelte in seiner Eingeweide, ein saurer Eintopf aus Verwirrung und Wut. Er war so zuversichtlich gewesen und hatte es genossen, Sarah unvorbereitet zu erwischen. Jetzt war sie ein Hauch von Rauch, in dünner Luft verschwunden.
"Sucht nach irgendetwas", knurrte Bobby, seine Stimme mit einer gefährlichen Kante versehen. "Papiere, Notizen, irgendetwas, das uns sagen könnte, wohin sie gegangen sind."
Smash und Rico zerstreuten sich, ihre Bewegungen hektisch angesichts von Bobbys Zorn. Schubladen wurden herausgerissen, Kissen auseinandergerissen, Papiere wie Konfetti auf dem Boden verstreut.
Minuten vergingen, jede ein Hammerschlag auf Bobbys bereits zerrissenes Temperament.
"Nichts", meldete Smash schließlich, seine Stimme schwer von Resignation. "Der Ort ist sauber."
Rico bot, der ein zerknittertes Papier hielt, einen Hoffnungsschimmer. "Das hier gibt es, Chef. Sieht aus wie eine Einkaufsliste."
Bobby schnappte sich das Papier aus seiner Hand, seine Augen scannten die hastig gekritzelten Worte. Milch, Windeln, Babytücher... ein Schock der Überraschung durchfuhr ihn. Kinder. Sarah hatte Kinder.
Die Offenbarung löste eine neue Denkweise aus. Wenn Sarah Kinder hatte, waren sie eine Schwäche, ein potenzieller Riss in ihrer Rüstung. Ein grausames Lächeln spielte auf seinen Lippen. Hier ging es nicht mehr nur darum, Sarah zum Schweigen zu bringen. Hier ging es um Druckmittel, darum, ihren Geist zu zerstören, bevor man den endgültigen Schlag versetzte.
"Hol mir mein Handy", bellte er, ein räuberisches Glitzern in seinen Augen. "Ich muss anrufen."
Während Smash nach Bobbys Telefon suchte, sank die Bedeutung der Einkaufsliste auf Rico wie ein Leichentuch. Er warf seinem Chef einen nervösen Blick zu, die erschreckende Erkenntnis dämmerte ihm. Hier ging es nicht mehr nur darum, Sarah zum Schweigen zu bringen. Hier ging es darum, sie leiden zu lassen.
Ein Zittern der Angst durchfuhr Rico, ein kalter Schweiß kitzelte seine Haut. Er wusste nur allzu gut, zu welchen Mitteln Bobby greifen würde, um zu bekommen, was er wollte.
Und zum ersten Mal schlich sich ein Splitter von Zweifeln in seine unerschütterliche Loyalität. War dieses verdrehte Spiel den Preis wert, den er möglicherweise zahlen musste?
Smash, der immer der treue Hund war, trat mit Bobbys Telefon fest in der Hand aus dem Wrack des Apartments. Mit Bobbys aufkeimendem Zorn stellte er es so dar, als wäre es eine Trophäe – eine magere Geste des Trostes.
Bobbys Augen verengten sich vor Frustration, und er nahm das Telefon. Als Reaktion auf die angespannte Stille wählte er eine bekannte Melodie, sein Finger tippte rhythmisch.
Bobbys Stimme war angespannt vor kaum kontrollierbarem Zorn, als er zischte: "Tiger", sobald das Telefon anging. "Ich bin's."
Eine raue Stimme knisterte durch den Hörer. "Chef. Was gibt's?"
"Wo zur Hölle ist sie?" spuckte Bobby, seine Stimme mit einer gefährlichen Kante versehen.
"Wer, Chef?" fragte Tiger, ein Hauch von Verwirrung in seiner Stimme.
"Sarah!" brüllte Bobby. "Die Frau mit den E-Mails! Wo hast du sie versteckt?"
Eine angespannte Stille herrschte am Apparat, nur unterbrochen vom schwachen Knistern von statischer Elektrizität. Schließlich sprach Tiger, seine Stimme vorsichtig.
"Chef, ich, ähm... ich habe zurückgemeldet, dass sie weg ist. Kein Zeichen von ihr an der alten Adresse, keine Hinweise auf ihren Aufenthaltsort."
Bobbys Gesicht verzerrte sich vor Wut. Das Telefon fühlte sich heiß in seiner Hand an und drohte unter der Intensität seines Zorns zu schmelzen. "Weg? Wohin? Du hast gesagt, du würdest sie finden!"
"Ich habe mein Bestes getan, Chef", stammelte Tiger, seine Stimme mit einem Hauch von Angst versetzt. "Aber sie ist wie ein Geist. Verschwunden ohne Spur."
Bobby schlug mit der Faust gegen die Wand, der Aufprall hallte durch das Apartment. "Das ist inakzeptabel, Tiger! Sie lebt, das weiß ich. Und jetzt ist sie verschwunden? Finde sie! Finde auch ihre Kinder! Lass keinen Stein unberührt!"
Er bellte noch ein paar Drohungen, bevor er den Hörer zuknallte, sein Atem stockte vor Wut. Das Bild von Sarah, trotzig und lebendig, schürte seinen Zorn. Aber die Offenbarung ihrer Kinder löste einen Schock in ihm aus, einen Funken eines neuen, verdrehten Plans, der in seinem Verstand aufkeimte.
Smash und Rico beobachteten ihren Chef in angespannter Stille, die Luft war dick vom Nachhall seines explosiven Anrufs. Smash, immer der Pragmatiker, nickte einfach und begann, seine Männer zu versammeln, ihre Gesichter grimmig, als sie sich darauf vorbereiteten, in der ganzen Stadt nachzuschlagen.
Rico blieb jedoch an seinem Platz verwurzelt. Die Erwähnung von Sarahs Kindern hatte in ihm einen dissonanten Akkord angeschlagen. Er war Bobbys treuer Soldat für Jahre gewesen und hatte ein Auge auf die rücksichtslosen Taktiken seines Chefs zugedrückt. Aber das war anders. Das fühlte sich... unmenschlich an.