Kapitel 89 Bedauern
Auf dem Rückweg quatschten noch voll viele Leute.
"Das ist doch total Noras Schuld. Warum verteidigt Lily sie überhaupt??"
"Ich dachte eigentlich, Lily wär 'n cooler Typ. Sieht jetzt irgendwie anders aus."
"..."
Lily hörte zu, ihr Gesicht war ganz blass, sie biss sich auf die Lippe vor Reue – warum hatte sie überhaupt geredet? War total sinnlos, und jetzt ist ihr Ruf auch noch im Eimer. Sie hätte von Anfang an die Klappe halten sollen!
...
Nach der Schule.
Auf dem Campus war's viel ruhiger.
Laura guckte auf ihr Handy, als oben auf dem Bildschirm eine Nachricht aufpoppte.
[Bist du dieses Wochenende frei? Ich will mit dir in 'nen Tierladen gehen und dir ein Haustier kaufen.]
Laura überlegte kurz – sie hatte ja noch nie ein Haustier gehabt, "Haustier" klingt nach mega viel Stress, soll ich überhaupt mitgehen?
Sie grübelte noch, wie sie antworten sollte, da kam von nirgendwo ein Basketball angeflogen und knallte an!
Laura reagierte blitzschnell, streckte die Hand aus und warf ihn zurück, der Basketball flog sofort in einem wunderschönen Bogen in die Luft und direkt in den Korb.
Nicht weit weg gab's einen übertriebenen Aufschrei.
Laura guckte hoch und merkte, dass sie unabsichtlich am Spielplatz vorbeigegangen war.
Sie lächelte den Schüler an, der den Ball gefangen hatte, der ihr einen Daumen hoch gab und rief: "Geil!"
...
Frau Boote bekam einen Anruf von einer unbekannten Nummer.
"Hallo, sind Sie Noras Mutter? Wir sind von der Polizei und brauchen Sie hier."
Frau Boote las gerade Zeitung, die Beine übereinandergeschlagen, und als sie die Nachricht hörte, rückte sie ihre Sitzposition zurecht und wiederholte: "Polizei?"
"Ja."
Frau Boote überlegte kurz, ihre Tochter war doch so ein liebes Mädchen und hatte nie Ärger. Wenn sie zur Polizei zitiert wurde, dann musste sie ja gemobbt worden sein. Ihr Gesichtsausdruck wurde plötzlich unfreundlich – die Person, die ihre Tochter mobbte, sollte es ruhig bereuen!
"Okay, ich bin gleich da."
Frau Boote stieg aus dem Auto aus, sie richtete den Schal, den sie trug, und ging stolz zum Verhör.
Sie sagte harsch: "Meine Tochter zu mobben, das ist kein Pappenstiel! Mindestens ein paar Millionen Dollar Entschädigung, und die Person muss sich bei meiner Tochter entschuldigen!"
Der Polizist, der die Aussage aufnahm, stoppte seinen Stift. Er blickte mit einem komplizierten Gesichtsausdruck auf und erinnerte: "Madam, haben Sie sich vielleicht geirrt? Die Person, die gegen das Gesetz verstoßen hat, ist Ihre Tochter."
Frau Boote war wie vom Donner gerührt und sagte: "Unmöglich!"
"Wieso unmöglich?" Der andere Polizist antwortete langsam und methodisch: "Ihre Tochter steht im Verdacht, böswillig Gerüchte über andere im Internet verbreitet zu haben, und die Verhandlung findet nächsten Mittwoch statt. Steht doch alles hier, was ist daran unmöglich?"
Damit reichte er Frau Boote einen Brief von einem Anwalt auf seinem Schreibtisch.
Frau Boote nahm ihn entgegen, aber sie konnte die Gesetze und Vorschriften nicht lesen, also warf sie nur einen allgemeinen Blick darauf. Ihre Augen blieben schnell in der Spalte unten rechts der Klageschrift hängen. Ihre Lippen zitterten, als sie den Namen der gegnerischen Anwaltskanzlei las: "Baker Mckenzie LLP?" – Ist das nicht die Nummer eins Anwaltskanzlei in New York? Es sind doch nur Verleumdungsgerüchte, da braucht Mann doch nicht so eine krasse Kanzlei.