Kein sicherer Hafen
In dem Moment, als Damon Alina in den wartenden schwarzen SUV zog, quietschten die Reifen auf dem Asphalt, als der Fahrer aufs Gaspedal drückte.
"Wo zur Hölle ist Adrian?" bellte Damon in sein Ohr, sein Griff um Alinas Handgelenk fest.
"Wir haben ihn im Rauch verloren", antwortete einer seiner Männer. "Er muss einen Fluchtweg geplant haben."
Damon schlug mit der Faust gegen den Sitz. "Scheiße—" Er hielt sich zurück, atmete scharf aus, bevor er sich zu Alina umdrehte.
"Bist du verletzt?" Seine Stimme war angespannt, kontrolliert, aber seine Augen – stürmisch und voller Sorge – verrieten seine Emotionen.
Alina schüttelte den Kopf und versuchte immer noch, nach Luft zu schnappen. "Nein… nur durchgeschüttelt."
Seine Finger strichen über ihre Wange, seine Berührung verweilte. "Du hast es gut gemacht da hinten."
Sie schluckte schwer, ihr Verstand war immer noch geschockt von dem Chaos der letzten Minuten. "Wir hätten ihn töten sollen."
Damon ballte die Kiefer zusammen. "Werden wir auch."
Das Fahrzeug raste durch die Stadt und schlängelte sich durch den Verkehr. Alina versuchte, das Adrenalin zu beruhigen, das immer noch durch ihre Adern pumpte, aber ihr Verstand raste.
Adrian hatte das zu gut geplant. Er wusste, dass Damon nach ihr suchen würde. Er wollte, dass Damon nach ihr suchte.
Was bedeutete…
Alina drehte sich scharf zu Damon um. "Das war eine Ablenkung."
Sein Blick schnellte zu ihr. "Was?"
"Denk mal drüber nach", drängte sie, ihre Stimme dringend. "Adrian hätte mich in dem Moment töten können, als er mich hatte. Hat er aber nicht. Stattdessen wartete er auf dich. Er wollte dich da haben."
Damons Augen verdunkelten sich. "Du sagst, er hat uns gehen lassen?"
"Nicht genau", sagte Alina und schüttelte den Kopf. "Aber er wusste, dass du nach mir kommen würdest. Er wusste, dass du alles dafür tun würdest. Was, wenn er das wollte? Was, wenn—"
Die Erkenntnis traf sie wie ein Güterzug.
"Oh mein Gott", flüsterte sie. "Damon, dein Imperium. Dein Geschäft. Während du dich auf mich konzentriert hast, was, wenn Adrian etwas Größeres angegriffen hat?"
Damon griff nach seinem Handy und wählte sofort eine Nummer. "Schick mir ein Status-Update über die Firma, über die Lagerhallen, alles – jetzt."
Die Antwort kam fast sofort.
"Sir, wir haben eine Verletzung."
Damons ganzer Körper versteifte sich. "Wo?"
"Das sichere Haus in Midtown. Es wurde vor zwanzig Minuten getroffen. Hohe Verluste. Wir schätzen den Schaden noch ein."
Alina spürte, wie ihr Magen zusammensank.
Damons Finger umklammerten das Telefon fester. "Und die Docks?"
"Unberührt – im Moment. Aber es gibt Gerede über einen eingehenden Angriff."
Damon fluchte vor sich hin. Sein Griff um Alinas Hand verstärkte sich, als ob er sich selbst erden wollte.
Adrian hatte nicht nur Spiele gespielt.
Er hatte zugeschlagen.
Und Damon war direkt in seine Falle getappt.
"Ändere den Kurs", befahl Damon. "Wir gehen nach Midtown."
Der Fahrer nickte und machte eine scharfe Kurve.
Alinas Herz pochte, als sie versuchte, alles zu verarbeiten. Das sichere Haus in Midtown – Damons sicherster Standort für hochrangige Operationen – war gefährdet.
Was bedeutete, dass Adrian nicht nur versuchte, sie zu töten.
Er versuchte, alles zu demontieren, was Damon aufgebaut hatte.
Und er hatte Erfolg.
Damons Finger tippten in schneller Folge gegen sein Knie, ein seltenes Zeichen von Nervosität.
"Wir hätten das kommen sehen sollen", murmelte er, mehr zu sich selbst als zu irgendjemand anderem.
Alina musterte ihn. Er war immer gelassen, immer unter Kontrolle. Aber im Moment? Da tobte ein Sturm unter seiner Oberfläche.
"Hey." Sie legte eine Hand auf seinen Arm und zwang ihn, ihren Blick zu erwidern. "Wir sind noch nicht aus diesem Kampf raus."
Seine Augen erweichten – nur für eine Sekunde. Dann nickte er.
Sie erreichten das sichere Haus in Midtown innerhalb weniger Minuten.
Oder was davon übrig war.
Das Gebäude war zerfetzt worden. Rauch quoll aus zerbrochenen Fenstern, und Leichen säumten den Boden – Damons Männer, Adrians Männer. Der Geruch von Blut und Schießpulver erfüllte die Luft.
Damon stieg als Erster aus, sein Gesichtsausdruck war nicht zu entziffern. Aber Alina sah das Aufflackern der Wut in seinen Augen.
Ein Mann rannte auf ihn zu – Marco, einer von Damons Top-Vollstreckern. Er blutete aus einer Wunde am Arm, sein Gesicht war finster.
"Es war ein Hinterhalt", berichtete Marco. "Adrians Männer haben uns hart getroffen. Wir haben uns gewehrt, aber sie haben bekommen, was sie wollten."
Damons Stimme war tödlich. "Was haben sie genommen?"
Marco zögerte. "Die Lieferung."
Stille.
Dann atmete Damon scharf aus, seine Kiefer zuckten.
Die Lieferung. Die, die Millionen an Waffen und Vermögenswerten enthielt.
Adrian hatte nicht nur einen Schlag geführt – er hatte direkt ins Herz von Damons Imperium getroffen.
Alina spürte das Gewicht der Situation, das sich über sie legte.
Hier ging es nicht mehr nur um Macht.
Hier ging es um Krieg.
Damon wandte sich zu ihr, seine Augen waren voller Dunkelheit, etwas Gefährlichem.
"Das endet jetzt."
Alina erwiderte seinen Blick. "Was ist der Plan?"
Ein langsames, kaltes Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus.
"Wir tragen den Kampf zu ihm."