Der Countdown beginnt
Das Lagerhaus war in Dunkelheit getaucht, der Countdown blinkte bedrohlich auf den Bildschirmen, die im ganzen Raum verstreut waren. Die ohrenbetäubende Stille, die folgte, wurde nur durch das leise Summen der elektronischen Geräte unterbrochen, deren Bildschirme immer noch mit Adrians grausamer Präsenz leuchteten.
Alinas Atem stockte in ihrer Kehle, als sie die blinkenden Zahlen anstarrte, die Sekunden, die wie Sand durch ihre Finger verrannen. Die Luft fühlte sich dick an, aufgeladen mit der Schwere des Moments.
"Damon", flüsterte sie, ihre Stimme kaum hörbar über dem Adrenalinstoß. "Was machen wir?"
Damon hatte die Augen auf die Bildschirme gerichtet, sein Gesicht eine Maske der Konzentration. "Wir müssen uns bewegen. Schnell."
Aber sie waren schon zu spät.
Der Countdown lief weiter, stetig und unerbittlich. Alina konnte ihren Herzschlag in ihren Ohren hören, das Ticken der Uhr der einzige Klang im Raum. Sie hatten Sekunden – nein, höchstens Minuten. Wenn sie jetzt nicht handelten, würde alles weg sein.
"Roman! Lucia!" bellte Damon in sein Funkgerät, aber die Antwort verzögerte sich. Es gab keine Zeit zu verlieren.
Damon Blick huschte durch den Raum und blieb an den Reihen verschlüsselter Festplatten hängen. "Wir müssen diese Laufwerke rausholen. Jetzt."
Alina nickte und bewegte sich bereits auf die nächste Reihe zu. Sie konnte spüren, wie der kalte Schweiß an ihrer Haut klebte, wie die Schwere der Situation auf ihrer Brust lastete. Aber es gab keinen Platz für Zögern – jetzt nicht.
Sie riss eine der Koffer auf, ihre Hände zitterten, als sie eine Festplatte herausnahm, deren Gewicht sich fast wie ein Todesurteil in ihren Händen anfühlte. Jede Sekunde, die verging, fühlte sich wie eine Ewigkeit an.
"Damon!" schrie sie, ihre Stimme heiser. "Wir müssen gehen. Jetzt!"
Damon scannte bereits den Raum, seine Augen huschten von einer Ecke zur nächsten und kalkulierten ihren nächsten Zug. Er schnappte sich den Koffer, der ihm am nächsten war, und knallte ihn zu. "Wir nehmen, was wir tragen können. Zum Ausgang. Lucia und Roman sollten unterwegs sein."
Alina wartete nicht, bis er fertig gesprochen hatte. Sie begann, sich in Richtung der Rückseite des Lagers zu bewegen, ihr Herz raste in ihrer Brust. Sie konnte Damons Schritte dicht hinter sich hören, seine Anwesenheit eine stetige, beruhigende Kraft im Chaos.
Sie erreichten die Rückseite des Lagers, aber die Tür war verschlossen. Alina fluchte leise, ihr Puls raste. Es gab keine Zeit zu verlieren.
"Damon, wir müssen durchbrechen."
Ohne zu zögern zog Damon eine Blendgranate aus seiner Weste und bereitete sie fachmännisch vor. Alina wich zurück, ihre Hand um die Festplatte gekrallt. Der Countdown lief weiter, jede Sekunde schmälerten ihre Chancen.
Damon stellte die Ladung ein und detonierte sie, das Geräusch der Explosion war ohrenbetäubend, als die Tür aufbrach und Trümmer herumflogen. Die Explosion machte den Weg frei, und sie stürmten vorwärts und schlüpften in die schmale Gasse hinter dem Lager.
Die Nachtluft war kühl auf ihrer Haut, aber es gab keine Erleichterung. Die Gefahr war noch nicht vorbei. Sie waren noch nicht aus dem Gröbsten heraus.
Sie bewegten sich schnell, duckten sich hinter einem Stapel Kisten, als sich Schritte näherten. Alinas Atem stockte, ihre Muskeln spannten sich an, bereit, in Aktion zu treten. Damon war ein paar Schritte voraus, seine Augen scannten die Umgebung, immer aufmerksam.
"Hier lang", flüsterte er und deutete an, dass sie ihm folgen sollte.
Sie bogen scharf in eine andere Gasse ein, die Geräusche der Verfolgung direkt hinter ihnen. Alinas Verstand raste, als sie versuchte, das Puzzle zusammenzusetzen. Was hatte Adrian mit dem Friedhof gemeint? War es nur eine Metapher für das, was er vorhatte, oder gab es noch etwas mehr?
Ihre Gedanken wurden durch einen plötzlichen Lichtblitz unterbrochen – die Scheinwerfer eines Autos, die die Dunkelheit durchschnitten. Sie erstarrten und verschmolzen instinktiv mit den Schatten. Damons Hand auf ihrem Arm war das Einzige, was sie davon abhielt, aus der Deckung zu treten.
"Sie rücken näher", murmelte er.
Alinas Magen zog sich zusammen, als sie erkannte, dass sie gefangen waren – nirgendwohin rennen, nirgendwohin verstecken. Der Countdown tickte, Adrians Spiel tödlicher als je zuvor.
Aber sie mussten sich weiterbewegen. Es gab keine Wahl.
Sie huschten die nächste Straße hinunter und nutzten die Schatten, um ihre Bewegungen zu verbergen. Jeder Schritt fühlte sich schwerer an, als würde die ganze Welt auf ihren Schultern lasten.
Sie hatten jetzt keinen Plan, keinen klaren Weg. Nur das Überleben.
"Wir müssen zum Abholpunkt", sagte Damon, seine Stimme leise, aber dringend.
"Wo?" fragte Alina. "Wo gehen wir jetzt hin? Wir haben keinen Plan!"
"Wir improvisieren", antwortete Damon, sein Kiefer zugekniffen vor Entschlossenheit. "Wir haben keine Zeit, das zu überdenken. Wir bewegen uns weiter."
Ein scharfer Schrei hallte hinter ihnen wider, gefolgt von dem Geräusch von Schritten. Die Verfolger rückten schnell näher.
Damon packte ihre Hand und zog sie in eine andere Gasse, sein Griff fest, unnachgiebig. Alinas Herz raste, als sie Ecken umrundeten, Hindernissen auswichen, immer einen Schritt voraus. Aber sie konnten spüren, wie sich die Mauern schlossen. Adrians Männer waren überall und beobachteten jede ihrer Bewegungen und antizipierten ihren nächsten Schritt.
"Wir müssen jetzt Deckung finden", sagte Damon, seine Stimme war angespannt vor Dringlichkeit.
Alina zögerte nicht. Sie drängte sich vorwärts, ihre Sinne geschärft, die Augen scannten die Umgebung. Sie brauchten einen Ausweg. Sie brauchten einen Plan.
Und dann, gerade als sie die nächste Kreuzung erreichten, trat eine Gestalt aus dem Schatten. Ein bekanntes Gesicht.
Roman.
Seine Waffe war gezogen, sein Gesichtsausdruck eine Mischung aus Erleichterung und grimmiger Entschlossenheit. "Ihr zwei müsst euch bewegen. Lucia hält sie auf. Geht zum Abholpunkt. Jetzt."
Damon stellte keine Fragen. Er nickte scharf und zog Alina zu dem Auto, das am Ende der Straße geparkt war.
Die Sekunden vergingen.
Sie erreichten das Auto, und Damon warf die Festplatten auf die Rückbank. "Geht. Wir haben nicht viel Zeit."
Alina rutschte auf den Beifahrersitz, ihr Körper zitterte vor einer Mischung aus Angst und Adrenalin. Sie konnte das leise Geräusch von Sirenen in der Ferne hören. Sie mussten es schaffen.
Damon knallte die Tür zu, der Motor brüllte auf, als er die dunklen Straßen entlangraste, die Reifen quietschten, als sie zum Abholpunkt rasten.
Der Countdown auf dem Bildschirm verfolgte sie immer noch. Was plante Adrian?
Sie konnten sich das jetzt nicht leisten. Die Verfolgungsjagd war im Gange. Und Adrians verdrehtes Spiel war noch nicht vorbei.
Das Auto raste durch die leeren Straßen der Stadt, der Motor brüllte unter ihnen, aber die hereinbrechende Dunkelheit fühlte sich mit jeder Sekunde erdrückender an. Alina umklammerte die Armlehne, ihre Knöchel waren weiß, ihr Puls hämmerte in ihrer Kehle. Sie stahl immer wieder Blicke auf Damon, sein Kiefer war hart, seine Augen auf die Straße vor ihm gerichtet. Es gab keine Zeit zu verlieren – keine Zeit zum Nachdenken.
"Hast du es?" fragte Alina, ihre Stimme zitterte trotz sich selbst.
Damons Augen huschten für einen Bruchteil einer Sekunde zu ihr. "Ich hab's", sagte er, sein Ton war scharf, obwohl sich seine Hände am Lenkrad zusammenzogen, als er durch die kurvigen Straßen manövrierte. "Aber hier rauszukommen... das ist eine andere Geschichte."
Alina nickte und versuchte, sich auf das zu konzentrieren, was geschah. Es stand zu viel auf dem Spiel. Adrian war in der Nähe, und welches Spiel er auch spielte, es war gefährlicher als alles, womit sie je konfrontiert waren. Es fühlte sich an, als würden sie am Rande einer Klippe stehen, und ein falscher Schritt könnte alles zum Einsturz bringen.
Die Scheinwerfer ihres Autos durchschnitten die Straßen und warfen Schatten, die bei jeder Kurve zu pulsieren schienen. Die Stadt war ein Labyrinth, und Alinas Verstand raste, um alles zu verstehen. Adrian... Was plant er? Was war an diesen Laufwerken so wichtig?
"Wir schaffen es nicht, oder?" fragte Alina leise, mehr zu sich selbst als zu Damon.
Er antwortete nicht sofort, seine Augen waren nach vorne gerichtet, aber die Anspannung in seinen Schultern sagte genug. Es war nicht die Art von Frage, auf die er sie anlügen konnte. Sie wusste, dass sie ihr Glück herausforderten. Jede Sekunde, die sie im Auto verbrachten, brachte sie der unvermeidlichen Konfrontation näher, die sie so sehr zu vermeiden versuchten.
Plötzlich knisterte das Radio.
"Damon", kam Romans Stimme durch, angestrengt, dringend. "Sie sind uns auf den Fersen. Wir haben Gesellschaft. Ich schicke Lucia, um sie abzublocken, aber wir brauchen jetzt einen Plan."
Damon zuckte nicht zusammen, seine Stimme war ruhig, als er antwortete: "Haltet sie so lange wie möglich auf. Wir sind fast da."
Roman antwortete nicht, aber im Hintergrund knisterte das Geräusch von Schüssen, bevor das Radio ausfiel.
Alina wandte sich an Damon, Panik stieg in ihrer Brust auf. "Roman und Lucia sind da draußen. Wir können sie doch nicht einfach zurücklassen."
"Wir haben keine Wahl", sagte Damon, seine Stimme kalt. "Wir können es uns nicht leisten, anzuhalten. Sie wussten, dass wir deswegen kommen würden, und sie werden alles tun, um uns aufzuhalten."
Alinas Herz raste. Sie konnte dieser Logik nicht widersprechen, aber ein Teil von ihr spürte immer noch die Last, ihre Freunde, ihre Verbündeten zu verlassen. Sie konnte spüren, wie die Angst an ihr nagte, aber es gab keine Zeit, darüber nachzudenken.
"Sobald wir den Abholpunkt erreicht haben, rufen wir nach Verstärkung. Wir holen Roman und Lucia raus. Aber wir müssen schnell sein." Damons Blick blieb auf der Straße, unerschütterlich, aber es lag ein harter Unterton in seiner Stimme. Die Entschlossenheit war da. Sie musste es sein.
Als das Auto durch die dunklen Straßen raste, versuchte Alina, ihre rasenden Gedanken zu beruhigen. Sie konzentrierte sich auf das Atmen und zwang sich, das ständige Gefühl der Angst zu ignorieren, das durch ihre Adern floss. Es hatte keinen Sinn, jetzt in Panik zu geraten. Nicht, wenn sie so nah waren. Aber das Gefühl, dass ihnen die Zeit ausging, ihnen die Optionen ausgingen, war unmöglich abzuschütteln. Adrian war immer einen Schritt voraus.
Die Stadt zog in einem Rausch vorbei. Straßenlaternen flackerten vorbei und warfen ein unheimliches Leuchten über den Beton, aber der Lärm und das Chaos lagen jetzt hinter ihnen. Sie waren auf dem Weg in die Vororte, zu dem abgelegenen Ort, an dem sie die Laufwerke endlich in die richtigen Hände bringen konnten.
Aber als Damon zum Abholpunkt raste, durchdrang das deutliche Geräusch von Sirenen die Luft – scharf, beharrlich und immer näher kommend.
Alinas Brust zog sich zusammen. "Sie kommen."
"Ich weiß", antwortete Damon. Sein Griff am Lenkrad verstärkte sich, als er das Auto schneller machte. "Halt dich fest."
Die Sirenen waren jetzt lauter und näherten sich, und es war klar, dass sie eingekreist wurden. Alinas Atem stockte in ihrer Kehle. Jede Sekunde zählte.
"Verdammt!" fluchte Damon, als er eine scharfe Kurve nahm. "Uns geht die Zeit aus."
Das Geräusch eines Hubschraubers, der über ihnen summte, jagte Alina einen Schauer über den Rücken. Adrians Männer... Sie sind unerbittlich.
Sie griff nach dem Radio und schnappte sich das Mikrofon mit zitternden Fingern. "Roman. Lucia. Wir brauchen jetzt Deckung, sonst kriegen sie uns."
Statisches Rauschen erfüllte die Leitung für einen Moment, bevor Romans Stimme durchkam. "Wir sind am zweiten Punkt. Fahrt jetzt dorthin."
"Sind unterwegs", sagte Damon. Er drückte das Gaspedal durch, das Auto ruckte nach vorne.
Der Abholpunkt war nicht weit, aber mit dem Chaos um sie herum fühlte es sich wie eine Ewigkeit an.
Der Hubschrauber war jetzt über ihnen, sein Suchscheinwerfer durchsuchte die Straßen, sein Schatten fiel wie eine Decke über alles. Das kalte, helle Licht beleuchtete das Chaos um sie herum und offenbarte die Autos, die sie verfolgten und sich schnell näherten. Alinas Hände umklammerten den Sitz, als sie sich durch den Verkehr schlängelten und eine Kollision knapp vermieden.
Das Geräusch von Schüssen hallte in der Ferne wider, fern, aber deutlich. Und dann das unverkennbare Knurren eines Motors, der in der Verfolgung lauter wurde.
"Wir haben Gesellschaft", murmelte Damon und schlug das Auto in eine andere Kurve. Seine Augen blieben fokussiert, berechnend, als wäre jede Sekunde davon nur ein weiterer Schritt in einem Spiel. Aber Alina konnte die Anspannung in seinem Gesicht sehen. Er überschritt die Grenzen, und es erforderte alles in ihm, um der Verfolgung einen Schritt voraus zu sein.
"Wie nah sind wir?" fragte sie, ihre Stimme war angespannt vor Angst.
"Fünf Minuten", sagte Damon, seine Stimme war grimmig.
Fünf Minuten. Es fühlte sich nicht nach genug an. Nicht mit den Hubschraubern über ihnen, nicht mit Adrians Männern, die näher kamen. Alina konnte das Gewicht der Festplatten auf dem Rücksitz spüren, schwer und unversöhnlich, als würden sie nicht nur ihr Schicksal, sondern das Schicksal von allem, wofür sie gekämpft hatten, in sich bergen.
"Mach dich bereit", warnte Damon. "Das wird rau werden."
Gerade als die Worte seine Lippen verlassen hatten, ruckte das Auto, als eine Kugel den hinteren Kotflügel traf und einen heftigen Schock durch das Fahrzeug jagte. Alina keuchte, ihr Körper bereitete sich auf den Aufprall vor.
"Runter!" schrie Damon und lenkte das Auto, um einen weiteren Treffer zu vermeiden. Die Reifen quietschten, als sie eine weitere scharfe Kurve nahmen, das Geräusch ohrenbetäubend gegenüber der sonst stillen Nacht.
Sie waren nah dran. Alina konnte es spüren. Jede Sekunde, jede Bewegung trieb sie in Richtung Ziellinie.
Aber würden sie es schaffen?
Der Countdown war noch nicht vorbei. Noch nicht.