Der Geist in den Schatten
Damon stock sein Atem an, als er die Gestalt ansah, die neben Adrian stand. Das schummrige Licht des Lagers warf unheimliche Schatten auf ihr Gesicht, aber er brauchte keine bessere Beleuchtung, um sie zu erkennen.
Sein Puls hämmerte, sein Griff um die Pistole an seiner Seite verstärkte sich.
Das war nicht möglich.
Diese Person sollte tot sein.
Marco fluchte leise vor sich hin. „Das muss ein verdammter Witz sein.“
Adrian grinste, seine Augen glänzten vor Zufriedenheit. „Sprachlos, Damon? Ich dachte, du hättest mehr zu sagen, wenn man bedenkt, wen du da ansiehst.“
Alina bewegte sich hinter Damon, ihre Augenbrauen runzelten sich, als sie die Spannung studierte, die von ihm in Wellen ausging. Wer auch immer das war, sie hatten ihn völlig aus der Fassung gebracht. Und das ängstigte sie mehr als alles andere.
Die Gestalt trat vor, ihre Bewegungen waren langsam und überlegt. „Es ist lange her, nicht wahr?“
Damon ballte die Kiefer zusammen. „Du solltest tot sein.“
Ein leises Kichern erfüllte das Lager. „Der Tod ist überbewertet, findest du nicht?“
Alinas Finger krallten sich zu Fäusten. „Wer sind die?“, flüsterte sie Damon zu.
Er antwortete nicht.
Adrian hingegen war mehr als glücklich, die Lücken zu füllen. „Alina, triff Vincent Salvatore.“
Der Name schickte eine Schockwelle durch sie. Sie hatte schon früher Flüstern von diesem Namen gehört – Geschichten, die in den dunkelsten Teilen Damons Vergangenheit vergraben waren.
Vincent Salvatore.
Ein Mann, den Damon angeblich vor Jahren getötet hatte.
Ein Mann, der jetzt nur ein paar Meter entfernt stand, lebendig und wohlauf.
Ihr Magen verdrehte sich.
Damon hatte ihr von dem Krieg erzählt, den er führte, bevor er sein Imperium aufbaute. Von den Verraten, dem Blutvergießen, den Leichen, die er zurückließ. Aber er erwähnte das nie. Nie erwähnt, dass einer der gefährlichsten Männer seiner Vergangenheit noch am Leben sein könnte.
Vincent neigte den Kopf, Belustigung tanzte in seinen Augen. „Ich muss zugeben, Damon, ich hatte einen wärmeren Empfang erwartet. Schließlich waren wir wie Brüder.“
Damons Finger zuckten um seine Pistole, aber er hob sie nicht an. „Wir hörten auf, Brüder zu sein, in dem Moment, als du mir eine Kugel in den Rücken jagtest.“
Vincent lachte, der Klang war beklemmend. „Und doch sind wir hier. Beide stehen noch. Das Schicksal ist schon komisch, nicht wahr?“
Alina spürte, wie Damons Körper vor Anspannung vibrierte.
Er war kaum in der Lage, sich zusammenzureißen.
Adrian klatschte in die Hände. „Nun, nun, Jungs. Lasst uns nicht zu emotional werden. Wir müssen über Geschäfte reden.“
Damons Augen schnellten zu Adrian, seine Wut kaum gebändigt. „Was zur Hölle ist das, Adrian? Arbeitest du jetzt mit Geistern zusammen?“
Adrian grinste. „Nenn es ein unerwartetes Wiedersehen. Als ich herausfand, dass Vincent noch atmete, wusste ich, dass er das perfekte Puzzleteil sein würde, um dieses Spiel in seine Endphase zu bringen.“
Vincent verschränkte die Arme. „Siehst du, Damon, du hast dein Imperium auf der Asche von Männern wie mir aufgebaut. Du dachtest, du hättest die Vergangenheit begraben. Aber die Vergangenheit bleibt nicht begraben. Sie kommt zurück und fordert Bezahlung.“
Damon atmete scharf aus. „Wenn du mich tot sehen wolltest, hättest du den Job vor Jahren erledigen sollen.“
Vincents Gesichtsausdruck verdunkelte sich. „Oh, ich will dich nicht nur tot, Damon. Ich will, dass du leidest. So wie ich gelitten habe.“ Sein Blick wanderte zu Alina. „Und ich weiß genau, wo ich anfangen soll.“
Damon bewegte sich, bevor er denken konnte, seine Pistole hob sich sofort, sein Finger drückte gegen den Abzug.
Aber Vincent war schneller.
Mit einem Schnippen seines Handgelenks schoss eine versteckte Klinge aus seinem Ärmel und schnitt durch die Luft, genau als Adrians Männer ihre Waffen hoben.
Der Moment explodierte in Chaos.
Schusswaffen feuerten, der Lärm war ohrenbetäubend, als Kugeln durch Kisten und Metall zerstörten. Marco tauchte hinter einer Deckung ab und erwiderte das Feuer mit einem Knurren. Alina wurde zurückgerissen, als Damon sie beschützte, sein Verstand raste.
„Raus hier!“, knurrte er.
Aber sie weigerte sich, sich zu bewegen. „Nicht ohne dich!“
Vincents Stimme durchbrach den Wahnsinn. „Renn, kleines Mädchen! Das wird ihn nicht retten!“
Damon schoss in seine Richtung und zwang ihn zurück. „Alina, geh! Jetzt!“
Ihre Brust zog sich zusammen, aber sie wusste, dass es nur schlimmer werden würde, wenn sie blieb.
Mit pochendem Herzen drehte sie sich um und rannte davon.
Damon hörte nicht auf zu schießen, sein Verstand schaltete in den Überlebensmodus. Adrian und Vincent waren zu gefährlich, um sich ihnen direkt zu stellen, nicht so. Er musste sich neu formieren.
Mit einer letzten Schussrunde packte er Marco und machte sich auf den Weg zum Ausgang, Kugeln folgten ihnen.
Sie schafften es kaum zum SUV, bevor das Lager hinter ihnen in Flammen aufging.
Alina keuchte, als Damon die Tür zuschlug, sein Atem war unregelmäßig, seine Knöchel weiß um das Lenkrad.
Vincent lebte.
Und jetzt hatte er ein Ziel auf dem Rücken von ihnen allen.
Damons Stimme war eiskalt. „Dieser Krieg hat sich gerade geändert.“
Marco fluchte. „Ohne Scheiß.“
Alina griff nach Damons Hand, ihre Finger zitterten. „Was machen wir jetzt?“
Damons Kiefer ballte sich. „Wir bereiten uns vor.“
Denn Vincent Salvatore war nicht nur ein Feind.
Er war ein Albtraum aus seiner Vergangenheit.
Und dieses Mal blieb er nicht tot.