Eine Abrechnung in Blut
Die Stadt erstreckte sich vor ihnen in kalter, unversöhnlicher Stille. Der SUV schlängelte sich durch die leeren Straßen, die Scheinwerfer schnitten wie Klingen durch die Dunkelheit. Alinas Puls raste immer noch von dem Hinterhalt, ihr Körper war starr vor Anspannung. Jeder Schatten fühlte sich wie eine Bedrohung an. Jede Kurve fühlte sich wie eine Falle an.
Damon umklammerte das Lenkrad fest, seine Knöchel waren weiß. Sein Gesichtsausdruck war aus Stein gemeißelt, seine Gedanken ein Sturm, den sie nicht entziffern konnte.
"Er wusste genau, wo wir waren", flüsterte Alina.
Niemand antwortete sofort. Das Gewicht von Vincents Angriff drückte auf sie nieder wie eine sich zuziehende Schlinge.
"Wir müssen verschwinden", sagte Marco, seine Stimme war tief, aber fest. "Neu gruppieren. Denk das durch, bevor du irgendwelche rücksichtslosen Aktionen startest."
Damon stieß ein bitteres Kichern aus. "Rücksichtslos?" Er warf einen Blick durch den Rückspiegel auf Marco. "Er hat gerade unser sicheres Haus in die Luft gejagt und fast Alina eine Kugel verpasst. Wir haben nicht den Luxus zu warten."
Rafe seufzte und rieb sich die Hand über das Gesicht. "Also, was ist der Plan? In Vincents Bau einmarschieren und ihn ausschalten?"
Damon antwortete nicht sofort.
Alina konnte es in seinen Augen sehen – das dunkle Feuer brannte, die reine Entschlossenheit knisterte unter der Oberfläche.
"Wir finden ihn zuerst", sagte Damon schließlich. "Und wenn wir das tun, beenden wir das."
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### **Eine Nachricht vom Teufel**
Der SUV fuhr in eine sichere Parkgarage unter einem von Damons Gebäuden. Marco und Rafe stiegen zuerst aus und suchten die Gegend nach Anzeichen eines Verfolgers ab.
Alina stieg nach ihnen aus, ihre Nerven waren immer noch strapaziert.
Damon blieb an ihrer Seite, seine Hand schwebte nahe dem unteren Rücken.
Sie betraten den Aufzug, die Metalltüren schlossen sich mit einem leisen Zischen. Die Fahrt nach oben verlief still, aber die Luft knisterte vor Anspannung.
Als sich die Türen zum Penthouse öffneten, sahen sie einen unerwarteten Anblick.
Eine Kiste.
Auf dem glatten Marmor-Couchtisch in der Mitte des Raumes.
Alinas Atem stockte.
Marco zog sofort seine Waffe. "Das war nicht hier, als wir gingen."
Damons Gesichtsausdruck verdunkelte sich, als er sich näherte. Er zögerte nicht – hob einfach den Deckel an.
Drinnen war ein einzelnes Objekt.
Eine blutbefleckte Spielkarte.
Der König der Pik.
Alina spürte, wie der Boden unter ihren Füßen wankte.
Damon atmete langsam aus und hob die Karte hoch. Seine Finger zitterten leicht, bevor er sie zu einer Faust ballte.
Vincent war hier gewesen.
Eine Nachricht.
Eine Warnung.
Oder eine Kriegserklärung.
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### **Kein Wegrennen mehr**
Damons Geduld riss wie ein spröder Draht.
Er wandte sich an Marco. "Hol mir alles, was wir über Vincents Aufenthaltsort haben. Es ist mir egal, wen du bestechen, bedrohen oder verprügeln musst – finde ihn."
Marco nickte scharf. "Geht klar."
Damon wandte sich als Nächstes an Rafe. "Sichert diesen Ort. Wenn er einmal reingekommen ist, wird er es wieder versuchen."
Rafe stritt nicht, sondern zog bereits sein Handy.
Dann wandte sich Damon an Alina.
Ihr Herz pochte, als er näher trat, seine Präsenz war befehlend und berauschend zugleich.
"Du bleibst hier", sagte er, seine Stimme ließ keinen Raum für Diskussionen.
Alina schnaubte. "Absolut nicht."
Sein Kiefer ballte sich. "Darüber wird nicht diskutiert."
Sie verschränkte die Arme und begegnete seinem Blick direkt.
"Vincent ist hinter mir her. Du denkst, mich in einen Turm zu sperren, wird ihn aufhalten?"
Damon atmete aus und rieb sich die Hand über das Gesicht. Sie konnte den Krieg in ihm toben sehen – der Instinkt zu beschützen kollidierte mit der Realität ihrer Situation.
"Du bist hier sicherer", sagte er, diesmal sanfter.
Alina griff nach seiner Hand. "Ich bin erst sicher, wenn das vorbei ist. Und du auch nicht."
Ein Muskel zuckte in seinem Kiefer.
Einen langen Moment lang bewegten sich beide nicht.
Dann zog er sie mit einem frustrierten Seufzer an sich und presste seine Stirn gegen ihre.
"Ich kann dich nicht verlieren", murmelte er.
Alinas Herz verdrehte sich.
"Wirst du auch nicht", flüsterte sie.
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### **Den Jäger jagen**
Eine Stunde später war der Plan in Bewegung.
Marco hatte Vincents letzte bekannte Bewegungen zu einem Untergrundclub zurückverfolgt – einem der vielen Orte, an denen er in den Schatten der Stadt operierte.
Damon würde ihn holen.
Und Alina ging mit ihm.
Sie kleidete sich in Schwarz, das Adrenalin pulsierte durch ihre Adern, als sie das Penthouse verließen und in ein elegantes schwarzes Auto stiegen.
Damon fuhr, sein Griff am Lenkrad war wie Eisen.
"Bleib in meiner Nähe", befahl er.
Alina nickte, in dem Wissen, dass es keinen Sinn hatte, zu streiten.
Minuten später kamen sie vor dem Club an. Das Neon-Schild flackerte bedrohlich, der Bass von drinnen vibrierte durch den Beton.
Marco und Rafe waren bereits in Position und warteten auf das Signal.
Damon nahm Alinas Hand. "Bleib hinter mir."
Dann traten sie ein.
Der Club war voll – Körper bewegten sich unter blinkenden Lichtern, der Geruch von Alkohol und Rauch lag dick in der Luft. Aber unter der Oberfläche gab es noch etwas anderes.
Gefahr.
Sie schlängelten sich durch die Menge, die Augen scannten nach jedem Anzeichen von Vincent.
Dann sah Alina ihn.
Eine dunkle Gestalt hinten, die sie beobachtete.
Vincent.
Ihre Augen trafen sich.
Und er lächelte.
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### **Die Falle schnappt zu**
Bevor Alina reagieren konnte, brach das Chaos aus.
Schüsse.
Schreie.
Damon zog sie herunter, als Kugeln durch den Club rissen. Marco und Rafe erwiderten das Feuer und schalteten Vincents Männer einen nach dem anderen aus.
Vincent verschwand in den hinteren Räumen.
Damon zögerte nicht.
Er packte Alinas Hand und zog sie hinter sich her.
Sie stürmten in einen dunklen Flur, die Musik aus dem Club verhallte in der Ferne.
Vincent war voraus, seine Schritte hallten wider, als er rannte.
Damon hob seine Waffe.
Peng.
Vincent wich im letzten Moment aus und schlüpfte durch eine Tür.
Damon und Alina folgten.
Sie betraten ein düsteres Lagerhaus, das an den Club angeschlossen war. Metallkisten säumten die Wände, der Geruch von Benzin lag dick in der Luft.
Vincent stand in der Mitte, seine Waffe erhoben.
"Beeindruckend", sagte er grinsend. "Aber du bist zu spät."
Damon zielte auf seinen Kopf. "Deine Spiele sind vorbei."
Vincent kicherte. "Oh, Damon. Du verstehst es immer noch nicht, oder?"
Dann spürte Alina es.
Der Boden unter ihnen verschob sich.
Eine Falle.
Sprengstoff.
Vincent grinste.
"Boom."