Eine gefährliche Einladung
Die kalte Nachtluft hat Alinas Brust nicht wirklich beruhigt, als sie neben Damon stand, sein Handy noch immer in der Hand, der Name auf dem Bildschirm brannte sich in ihren Kopf ein.
Adrian.
Der Mann, der mal Damons engster Verbündeter gewesen war. Der Mann, der jetzt ihre größte Bedrohung war.
Damons Kiefer knallte zusammen, als er die Nachricht las, die Jaxon weitergeleitet hatte. Sie war kurz, aber sie sandte eine klare Botschaft.
Wir müssen reden. Mitternacht. Lagerhaus 17.
Alina brauchte nicht zu fragen, von wem die Nachricht stammte. Die Schwere in Damons Miene sagte ihr alles, was sie wissen musste.
"Er will ein Treffen", sagte sie, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern.
Damon nickte und schob sein Handy zurück in die Tasche. "Oder eine Falle."
Jaxon, der ein paar Meter entfernt stand, verschränkte die Arme. "Du kannst nicht allein hingehen."
Damon stieß ein trockenes Kichern aus. "So dumm wäre ich ja nicht."
Alina schluckte schwer. "Dann komme ich mit."
Sein Kopf schnellte zu ihr herum. "Nein."
Sie hatte seinen Widerstand erwartet, aber sie weigerte sich, nachzugeben. "Ich war gerade erst mit einem von Adrians Männern in einem Club, Damon. Ich hab' mich gut geschlagen."
"Das war was anderes." Seine Stimme war scharf. "Du hast eine Rolle gespielt. Hier geht's um Adrian. Der spielt keine Spielchen. Wenn er an mich ran will, benutzt er dich."
Alinas Brust zog sich zusammen, aber sie ließ es sich nicht anmerken. "Und wenn ich nicht mitgehe, was dann? Du gehst da blind rein? Lässt ihn die ganze Situation kontrollieren?"
Damon fuhr sich frustriert durchs Haar, seine Muskeln angespannt vor Anspannung. Er wandte sich von ihr ab und atmete schwer. Sie konnte den Krieg in ihm sehen – den Teil von ihm, der sie vor allem beschützen wollte, und den Teil von ihm, der wusste, dass sie nicht nachgeben würde.
Jaxon meldete sich zu Wort. "Sie hat einen Punkt."
Damon warf ihm einen bösen Blick zu.
Jaxon seufzte. "Guck mal, ich sag nicht, dass es ne gute Idee ist, aber wenn Alina schon vorher auf Adrians Radar war, ist sie es jetzt definitiv. Sie im Dunkeln zu lassen, macht sie nicht sicherer."
Damons Schweigen war Antwort genug.
Alina trat näher und legte ihm eine Hand auf den Arm. "Du hast mir mal gesagt, dass du keine Wahl hast, wenn es um mich geht." Ihre Stimme war jetzt sanfter, aber bestimmt. "Nun, ich hab auch keine Wahl. Ich bin schon mittendrin, Damon. Lass mich helfen."
Sein Körper blieb angespannt, seine Atmung unregelmäßig. Dann, nach einer Ewigkeit, atmete er aus. "Okay", murmelte er. "Aber du bleibst in meiner Nähe. Und wenn was schiefgeht, rennst du. Ohne zu zögern."
Alina nickte. Sie hatte nicht vor zu rennen, aber sie widersprach nicht.
Denn sie wussten beide – sie betraten die Höhle des Löwen.
Das Lagerhaus ragte in der Ferne auf, eine verlassene Struktur am Stadtrand. Die Luft war dick von Stille, nur unterbrochen vom gelegentlichen Rascheln der Blätter und dem fernen Summen des Verkehrs.
Damon parkte einen Block entfernt. Jaxon hatte Verstärkung mitgebracht – drei von Damons besten Männern, strategisch positioniert, falls die Dinge aus dem Ruder liefen.
Alinas Puls hämmerte, als sie aus dem Auto stieg, die kühle Nachtluft biss in ihre Haut. Damon stand neben ihr, sein Gesichtsausdruck war unlesbar, aber sie konnte die Anspannung spüren, die von ihm ausging.
"Bleib hinter mir", befahl er, als sie sich dem Eingang näherten.
Alina nickte, obwohl sie wusste, dass es ein Befehl war, dem sie wahrscheinlich nicht folgen würde.
Die schweren Metalltüren standen einen Spalt offen. Das schwache Licht im Inneren warf lange Schatten, wodurch es unmöglich war zu sehen, wie viele Leute auf sie warteten.
Damon trat zuerst vor, seine Haltung starr, seine Augen scannten die Umgebung.
Und dann, aus der Dunkelheit, hallte langsames Klatschen durch den leeren Raum.
"Na, na", sagte eine Stimme. "Ich dachte schon, du würdest nicht kommen."
Alinas Atem stockte, als Adrian Knight ins schwache Licht trat, ein Grinsen spielte auf seinen Lippen.
Er war groß, seine Präsenz war beherrschend. Scharfe, stechende Augen musterten sie amüsiert, aber in seiner Art, sich zu halten, lag unbestreitbar etwas Räuberisches.
Damon reagierte nicht. "Was willst du, Adrian?"
Adrian zischte. "Gleich zur Sache? Kein 'lange nicht gesehen, alter Freund'?