Von Dunkelheit gefesselt
Schmerz.
Das war das Erste, was Damon fühlte, als er wieder zu sich kam. Ein stechender, brennender Schmerz strahlte von seiner Seite aus, sodass sich jeder Atemzug wie Feuer anfühlte, das durch seine Rippen riss. Seine Sicht verschwamm, als er seine schweren Augenlider öffnete.
Der Raum war schwach beleuchtet, die Luft dick mit dem Geruch von Antiseptikum und etwas Dunklerem – "Blut. Sein Blut."
Damon knirschte mit den Zähnen, sein Kiefer spannte sich an, als er versuchte, sich zu bewegen. "Fesseln." Dicke Lederriemen banden seine Handgelenke an den Stuhl und schnitten bei jeder kleinen Bewegung in seine Haut. Seine Knöchel waren genauso. Er war gefangen.
Ein leises, spöttisches Kichern hallte aus den Schatten.
"So schnell wach?"
Damon "kannte diese Stimme."
Victor.
Sein Geist raste zurück zum Letzten, woran er sich erinnerte – "der Schuss, Alinas Schrei, wie ihr Körper aus seinen Händen gerissen wurde, als er zusammenbrach."
Panik durchfuhr ihn. "Wo war sie?"
Sein Kopf zuckte hoch, seine verengten Augen scannten den Raum. Es war keiner von Victors üblichen Orten. Das war kein Lagerhaus oder eine dunkle Gasse – es war "eine private Suite." Luxuriös, fast klinisch. Ein verdrehter Kontrast zu der Brutalität, für die Victor bekannt war.
Victor trat ins Blickfeld, sein üblicher selbstgefälliger Ausdruck aufgesetzt. Er war tadellos gekleidet, kein Haar stand schief, als wäre dies nur ein weiteres Geschäftstreffen.
\
Damon's Stimme kam rau heraus, mit kaum verhaltener Wut. "Wo ist sie?"
Victor seufzte und schüttelte den Kopf. "Gleich auf den Punkt gebracht, wie immer. Kein 'Hallo'? Kein 'Wie fühlst du dich, nachdem du angeschossen wurdest'?" Er tskte. "Du bist ja echt langweilig."
Damon riss an seinen Fesseln, "reiner Hass brannte in seinen Adern." "Ich frage noch einmal. Wo. Ist. Sie?"
Victor grinste, verschränkte die Arme. "Sie ist sicher."
Damon glaubte ihm keine Sekunde. "Wenn du ihr wehgetan hast –"
Victor verdrehte die Augen. "Entspann dich. Sie ist unberührt. Vorerst."
Die "Andeutung" ließ Damons Blut zu Eis erstarren.
Victor muss das Aufblitzen der Emotionen in seinen Augen gesehen haben, denn sein Grinsen wurde breiter. "Du kümmerst dich um sie. Mehr als ich dachte."
Damon antwortete nicht. Er würde Victor die Genugtuung nicht geben.
Victor ging näher, sein Blick scharf und berechnend. "Du hast dir einen gefährlichen Ruf aufgebaut, Damon. Unaufhaltsam. Unzerbrechlich. Aber ich habe endlich deine Schwäche gefunden, nicht wahr?"
Damons Muskeln spannten sich an, seine Wut brodelte unter seiner Haut. Er hatte immer gewusst, dass Victor gefährlich war, aber das war anders. Das war "persönlich."
Victors Stimme war fast "gelangweilt", als er fortfuhr: "Ich wollte dich umbringen, weißt du. Aber dann habe ich gemerkt… du bist lebendig wertvoller."
Damons Kiefer ballte sich. "Wenn du denkst, ich würde jemals für dich arbeiten, dann bist du wahnsinniger, als ich dachte."
Victor kicherte. "Oh, ich brauche nicht, dass du für mich arbeitest, Damon." Sein Lächeln wurde kalt. "Ich brauche nur, dass du leidest."
Damon versteifte sich.
Victor zog ein schlankes schwarzes Telefon aus seiner Tasche und tippte auf den Bildschirm. Innerhalb von Sekunden flackerte der große Fernseher im Raum auf.
Damons "Blut gefror."
Der Bildschirm zeigte einen "Live-Feed."
Alina.
Sie war in einem anderen Raum, saß auf einer luxuriösen Couch, die Hände fest im Schoß gefaltet. Sie sah unverletzt aus, aber ihre "Augen…"
Sie hatte Todesangst.
Damons Atmung wurde schwer, Wut vermischte sich mit etwas Tieferem – "einer Verzweiflung, die er seit Jahren nicht mehr empfunden hatte."
Victor beobachtete seine Reaktion mit Befriedigung. "Wunderschön, nicht wahr? So schade, dass sie in all das hineingezogen wurde."
Damons Fäuste ballten sich. "Wenn du sie anfasst –"
Victor "lächelte". "Werde ich nicht." Er wandte sich wieder dem Bildschirm zu und beobachtete Alina wie ein Raubtier, das seine Beute anpirscht. "Aber das Gleiche kann ich von meinen Männern nicht sagen."
Damon zerrte wieder an den Fesseln, seine Handgelenke brannten am Leder. Er musste zu ihr. Jetzt.
Victor seufzte dramatisch. "Aber… ich bin ein vernünftiger Mann, Damon. Ich bin bereit zu verhandeln."
Damons Stimme war scharf. "Was willst du?"
Victor lehnte sich vor, sein Ton war tödlich. "Ich will dein Imperium. Deine Ressourcen. Deine Kontakte." Er pausierte. "Und ich will, dass du verschwindest."
Damon starrte ihn an. "Verschwinden?"
Victors Grinsen wurde breiter. "Du wirst öffentlich von allem zurücktreten. Aus der Unterwelt verschwinden. Keine Macht mehr, kein Name mehr. Kein Damon Cross mehr."
Damon spürte, wie sein Puls in seinen Ohren rauschte. Sein ganzes Leben – "sein Imperium, sein Vermächtnis, alles, was er aufgebaut hatte – weg."
Victor lehnte sich zurück und neigte den Kopf. "Tu das… und sie lebt."
Damons Herz hämmerte. Das Gewicht der Entscheidung erdrückte ihn.
Wenn er zustimmte, würde er alles verlieren. Aber wenn er ablehnte…
Seine Augen wanderten zurück zum Bildschirm, zu Alinas kleinem, zitterndem Körper.
Es gab "keine Wahl."
Victors Stimme durchbrach die Stille. "Tick Tack, Damon."
Damon atmete langsam aus. Dann sagte er mit einer Stimme, die sich wie "ein Todesurteil" anfühlte –
"Okay. Ich mach's."