Das Spiel des Teufels
Damon hatte kaum Zeit zu reagieren.
Das unverkennbare Klicken einer Stolperfalle hallte in der Stille der Docks wider, und sein Blut gefror. Er dachte nicht – er handelte. Mit einem Ruck packte er Alina und zog sie zurück, gerade als eine Explosion hinter ihnen ausbrach.
Die Schockwelle schleuderte sie zu Boden. Holzkisten zersplitterten, Metalltrümmer flogen umher und Feuer leckte in einem heftigen Ausbruch von Orange und Rot in die Luft. Damon knallte hart auf den Boden, seine Ohren klingelten, seine Sicht verschwamm.
Alinas Keuchen durchbrach das Chaos.
'Damon!'
Sein Puls hämmerte. Er zwang sich hoch, ignorierte den stechenden Schmerz in seinen Rippen. Seine Augen fixierten Vincent, der über der brennenden Trümmerlandschaft stand, die Waffe erhoben, ein böses Grinsen auf seinem lädierten Gesicht.
'Du wirst langsam', höhnte Vincent und trat vor. 'Der Damon, den ich kannte, wäre nicht auf so eine offensichtliche Falle reingefallen.'
Damon wischte das Blut von seiner Stirn und grinste. 'Und der Vincent, den ich kannte, war schon tot.'
Vincent kicherte und neigte den Kopf. 'Fast. Aber nicht ganz.' Seine Stimme war ruhig, unheimlich gefasst. 'Du hättest den Job zu Ende bringen sollen, alter Freund.'
Damon veränderte leicht seine Position und griff dezent nach seiner Waffe. 'Das habe ich vor.'
Bevor er schießen konnte, hob Vincent seine eigene Waffe – nicht auf Damon, sondern auf Alina.
Damons Magen zog sich zusammen.
'Lass es fallen', befahl Vincent. 'Oder sie stirbt.'
Alina versteifte sich, bewegte sich aber nicht.
Damons Griff um seine Waffe verstärkte sich. 'Glaubst du wirklich, du kannst hier einfach weggehen?'
Vincents Lächeln wich nicht. 'Ich glaube, du kümmerst dich zu sehr um sie, um das Risiko einzugehen.'
Die Stille dehnte sich aus, dick vor Spannung. Die Flammen knisterten hinter ihnen und warfen lange Schatten über das Dock.
Damons Verstand raste. Er brauchte eine Ablenkung. Einen Moment, um das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden.
Dann, aus dem Augenwinkel –
Bewegung.
Rafe.
Damon zögerte nicht.
Er feuerte.
Vincent bewegte sich gleichzeitig. Die Kugel streifte seine Schulter, aber es reichte. Die Waffe in seiner Hand zuckte, sein Schuss ging daneben.
Alina tauchte zur Seite ab, als Rafe aus der Dunkelheit auftauchte, seine eigene Waffe feuernd.
Kugeln rissen durch die Luft.
Damon stürmte vorwärts und verringerte die Distanz zwischen sich und Vincent.
Vincent holte zuerst aus – ein brutaler, verzweifelter Schlag. Damon wich aus und konterte mit einem bösartigen Schlag auf Vincents bereits verwundete Seite. Er grunzte vor Schmerz und taumelte.
Damon ließ nicht locker.
Das war nicht nur ein Kampf. Es war der Kampf. Die endgültige Abrechnung zwischen zwei Männern, die einst Verbündete waren, jetzt erbitterte Feinde.
Vincent fing sich wieder, holte erneut zum Schlag aus, aber Damon packte sein Handgelenk und verdrehte es fest. Vincent schrie auf, als seine Waffe zu Boden klirrte.
'Du hast verloren', knurrte Damon und schlug ihn gegen eine Kiste.
Vincent spuckte Blut und lachte schwach. 'Habe ich?'
Damon zögerte.
Und da sah er es –
Einen Zünder in Vincents linker Hand.
Sein Daumen schwebte über dem Auslöser.
Damons Augen huschten zu den Docks. Sprengstoff war am ganzen Rand angebracht – Vincent hatte das geplant.
'Das endet auf eine von zwei Arten, Damon', flüsterte Vincent. 'Entweder du lässt mich gehen, oder wir alle fliegen in die Luft.'
Damon ballte die Kiefer zusammen. Er konnte den Wahnsinn in Vincents Augen sehen. Der Mann war bereit zu sterben, nur um ihn mitzureißen.
Rafe rückte näher, aber eine falsche Bewegung und Vincent würde diesen Zünder betätigen.
Alina stand hinter Damon, ihr Atem war unregelmäßig. 'Damon', flüsterte sie. 'Du kannst ihn nicht gehen lassen.'
Vincent grinste. 'Sie hat Recht. Ich werde nicht gehen.' Er beugte sich vor. 'Ich werde rennen. Und wenn du es am wenigsten erwartest, komme ich für sie.'
Damon sah rot.
Schneller, als Vincent reagieren konnte, packte Damon sein Handgelenk und verdrehte es. Der Zünder glitt aus seinem Griff. Vincent knurrte, aber Damon gab ihm keine Chance, sich zu erholen. Er stieß seinen Ellbogen in Vincents Rippen und schlug ihn dann gegen das Metallgeländer des Docks.
Vincent keuchte, sein Gleichgewicht verrutschte.
Ein letzter Stoß –
Und er war über die Kante.
Damon sah zu, wie Vincent in die dunklen, brodelnden Gewässer unter ihm stürzte.
Einen Moment lang war da nichts als Stille.
Dann –
Ein einzelner, scharfer Atemzug von Alina.
'Es ist vorbei', flüsterte sie.
Damon war sich nicht so sicher.
Vincent hatte schon mal überlebt.
Aber dieses Mal würde Damon nicht den gleichen Fehler machen.
Die Docks waren eine Kriegszone. Feuer flackerte immer noch entlang des Piers und warf unheimliche Schatten. Damon stand am Rand und beobachtete das Wasser aufmerksam.
Vincents Leiche war nicht aufgetaucht.
Noch nicht.
Marco kam Minuten später an, seine Männer sicherten das Gebiet. 'Ist er tot?'
Damon antwortete nicht sofort.
Rafe trat gegen eine zerbrochene Kiste. 'Wir sollten den Fluss absuchen. Sicherstellen, dieses Mal.'
Damon atmete aus und fuhr sich mit der Hand durchs Haar. 'Tu es.'
Marco nickte und gab bereits Befehle.
Alina trat näher an Damon, ihre Finger streiften seine.
Er wandte sich zu ihr um.
'Es ist getan', sagte sie leise. 'Nicht wahr?'
Damon blickte zurück auf das Wasser.
War es das?
Vincent war ein Geist. Ein Mann, der sich weigerte zu sterben.
Aber selbst Geister hatten Grenzen.
Damon zog Alina in seine Arme und drückte einen Kuss auf ihre Schläfe. 'Ja. Es ist getan.'
Fürs Erste.
Aber wenn Vincent jemals zurückkam –
Damon würde dafür sorgen, dass er tot blieb.
Sie kehrten ins Penthouse zurück, als der Morgen den Himmel in Gold- und Karmesintönen malte.
Die Stadt wachte auf, ahnungslos über den Krieg, der gerade im Schatten stattgefunden hatte.
Damon goss sich einen Drink ein, aber er nippte nicht daran.
Alina lehnte sich an die Theke und beobachtete ihn. 'Du denkst zu viel nach.'
Er grinste. 'Ich denke immer zu viel nach.'
Sie trat näher und schlang die Arme um seine Taille. 'Dann hör auf.'
Damon atmete aus und legte seine Stirn an ihre.
Jahrelang war sein Leben ein Kampf nach dem anderen gewesen. Ein Krieg, der in den nächsten überging.
Aber jetzt, mit Alina in seinen Armen, fragte er sich –
Könnte das etwas mehr sein?
Könnte er etwas Echtes haben?
Alina lächelte, als ob sie seine Gedanken hören könnte.
Und zum ersten Mal seit langer Zeit –
ließ Damon es zu, dass er glaubte.
Dass vielleicht, nur vielleicht…