Ein Name, der nicht existieren sollte
Stille.
Das Gewicht des Namens, den Damon gerade ausgesprochen hatte, drückte sich wie ein schwerer Stein auf Alinas Brust.
Sie hatte ihn noch nie gehört, aber die Art und Weise, wie Damon und Rafe reagierten, sagte ihr alles, was sie wissen musste.
Das war nicht nur ein weiterer Feind.
Das war etwas viel Schlimmeres.
Alina schluckte, ihre Stimme zitterte. "Wer ist er?"
Damons Kiefer ballte sich. Seine Finger zuckten an seinen Seiten, als würde er gegen eine unsichtbare Kraft ankämpfen.
Adrian war derjenige, der schließlich antwortete. "Lucien Vega."
Der Name löste ein Unbehagen in der Luft aus.
Rafe stieß einen scharfen Atemzug aus. "Du lügst."
Adrians Grinsen war frei von Humor. "Wünschte, ich würde es."
Damon trat einen langsamen Schritt vorwärts, sein ganzer Körper war angespannt vor unterdrückter Wut. "Lucien Vega ist seit Jahren tot."
Adrian begegnete seinem Blick direkt. "Warum habe ich dann Beweise, dass er es nicht ist?"
Damon zuckte nicht, aber Alina sah es - die kleinste Veränderung in seinen Augen, das kurzzeitige Zögern.
Zweifel.
Ein Muskel zuckte in seinem Kiefer. "Wenn du mich anlügst, Adrian, schwöre ich—"
Adrian hob die Hand. "Entspann dich. Ich bin nicht hier, um Spiele zu spielen. Ich bin hier, weil Vincent nicht das größte Problem war, das du hattest. Er ist es."
Alina spürte, wie ein Schauer ihren Rücken hinunterlief. Sie hatte Damon noch nie so aufgewühlt gesehen. Nicht wirklich. Aber jetzt?
Sein Schweigen war Antwort genug.
Lucien Vega war nicht nur ein weiterer Feind.
Er war ein Geist, der hätte begraben bleiben sollen.
Zurück im Penthouse ging Damon in seinem Arbeitszimmer auf und ab, sein Geist ein Sturm aus Erinnerungen, Berechnungen und Worst-Case-Szenarien.
Alina saß auf der Couch, ihre Hände verschränkt, und beobachtete ihn.
Rafe stand in der Nähe des Fensters, die Arme verschränkt, sein Gesichtsausdruck unlesbar.
Adrian lehnte sich gegen den Schreibtisch, viel zu entspannt für das Gewicht des Gesprächs.
"Rede", sagte Damon schließlich, seine Stimme wie Stahl.
Adrian nickte. "Lucien ist nie gestorben."
Damon warf ihm einen bösen Blick zu. "Ich war dabei, als er ausgeschaltet wurde."
Adrian neigte den Kopf. "Und doch sind wir hier."
Damons Hände krallten sich zu Fäusten.
Alina beobachtete den Austausch und versuchte, die Dinge zusammenzusetzen. "Wer ist er?"
Damon atmete aus und rieb sich die Hand über das Gesicht. Als er sprach, war seine Stimme tiefer, dunkler.
"Lucien Vega war der Mann, der das Imperium aufgebaut hat, das ich jetzt kontrolliere."
Alinas Augen weiteten sich.
Damon fuhr fort, sein Ton war flach. "Er regierte diese Stadt vor allen anderen. Rücksichtslos. Unversöhnlich. Ein König ohne Gnade." Sein Kiefer spannte sich an. "Bis er einen Fehler machte."
Adrian grinste. "Dir zu trauen."
Damons Augen verdunkelten sich. "Ich tat, was getan werden musste."
Alinas Atem stockte. "Du… hast ihn getötet?"
Damon antwortete nicht sofort. Als er schließlich sprach, war es langsam und überlegt.
"Ich sorgte dafür, dass er nicht zurückkommen würde."
Adrian kicherte. "Nun, du bist gescheitert."
Der Raum fiel in ein erstickendes Schweigen.
Alinas Puls hämmerte in ihren Ohren. "Wenn er zurück ist, was bedeutet das für uns?"
Damons Antwort war erschreckend.
"Das bedeutet, dass wir alle zum Tode verurteilt sind."
Alina konnte in dieser Nacht nicht schlafen.
Nicht nach allem, was sie gerade erfahren hatte.
Lucien Vega war mehr als nur ein Krimineller gewesen. Er war ein Schatten über der ganzen Stadt gewesen. Ein Mann, der selbst von den Schlimmsten der Schlimmsten gefürchtet wurde.
Und jetzt war er zurück.
Sie fand Damon auf dem Balkon, wie er über die Stadt hinausstarrte, als würde er auf etwas warten. Oder auf jemanden.
Sie umarmte sich selbst, als sie neben ihn trat. "Du hast noch nie so… erschüttert ausgesehen."
Damon atmete langsam aus und sah sie nicht an. "Weil ich noch nie mit so etwas konfrontiert war."
Alina zögerte. "Erzähl mir, was wirklich passiert ist."
Damon wandte sich schließlich zu ihr, sein Blick war unlesbar. "Lucien hat einen Deal mit den falschen Leuten gemacht. Er dachte, er sei unantastbar, aber Macht macht dich nicht unbesiegbar."
Alina schluckte. "Also hast du ihn erledigt."
Damons Gesichtsausdruck verdunkelte sich. "Ich habe es nicht allein getan."
Sie runzelte die Stirn. "Wer noch?"
Damon zögerte. "Vincent. Adrian. Und ein paar andere."
Alinas Magen verdrehte sich. "Also, wenn Lucien zurück ist…"
Damon nickte. "Er kommt hinter uns allen her."
Am nächsten Morgen fühlte sich die Stadt anders an.
Angespannt.
Als würde sich etwas unter der Oberfläche verschieben.
Damons Männer waren in höchster Alarmbereitschaft. Rafe hatte die Sicherheit verdoppelt. Adrian war verschwunden und hatte nur eine Warnung hinterlassen - sei bereit.
Dann kam die erste Nachricht an.
Ein einzelner weißer Umschlag, der in den Club geliefert wurde. Keine Markierungen. Kein Name.
Damon öffnete ihn vor Rafe und Alina.
Im Inneren stand ein einziger Satz, in präzisen, kalkulierten Buchstaben geschrieben.
Hast du mich vermisst?
Alinas Blut gefror.
Damons Gesichtsausdruck blieb unlesbar. Er faltete den Zettel und steckte ihn in seine Tasche.
Rafe atmete scharf aus. "Das ist schlecht."
Damons Lippen kräuselten sich zu einem humorlosen Lächeln. "Das ist erst der Anfang."
Damon wusste, dass Lucien nicht sofort zuschlagen würde.
Nein, er würde sie warten lassen. Sie seine Anwesenheit spüren lassen, bevor der Sturm losbrach.
Was bedeutete, dass Damon zuerst handeln musste.
In dieser Nacht trafen er und Rafe sich mit einem Kontakt - einem Informanten, der behauptete, Lucien gesehen zu haben.
Das Treffen fand in einem Lagerhaus am Rande der Stadt statt.
Aber in dem Moment, als sie eintraten, wusste Damon, dass etwas nicht stimmte.
Zu ruhig.
Zu leer.
Dann—
Ein einzelner Schuss.
Der Informant fiel, eine Kugel direkt durch seinen Schädel.
Damon fluchte und griff nach seiner Waffe. "Bewegung!"
Die Schatten brachen mit Bewegung aus.
Schüsse zerrissen die Luft, als maskierte Männer sie umzingelten.
Rafe schoss zurück und deckte Damon, als sie in Deckung gingen. "Es ist ein verdammter Hinterhalt!"
Damon knirschte mit den Zähnen. "Natürlich ist es das."
Ein weiterer Schuss verfehlte knapp seinen Kopf.
Sie mussten raus. Sofort.
Rafe erledigte zwei Männer, bevor er schrie: "Wir müssen uns zurückziehen!"
Damon nickte. "Los!"
Sie kämpften sich heraus, Kugeln funkelten gegen Beton, Leichen fielen.
Als sie ihr Auto erreichten, raste Damons Geist.
Lucien war ihnen bereits voraus.
Und wenn sie das Spiel nicht schnell änderten—
Sie waren alle so gut wie tot.
Als Damon ins Penthouse zurückkehrte, wartete Alina bereits.
In dem Moment, als sie das Blut auf seinem Hemd sah, blieb ihr Herz stehen. "Bist du verletzt?"
Er schüttelte den Kopf. "Nicht meins."
Sie schluckte schwer. "Was ist passiert?"
Damon fuhr sich mit der Hand durchs Haar. "Lucien hat gerade seinen ersten Zug gemacht."
Rafe trat hinter ihm ein, sein Gesicht war finster. "Es war ein Hinterhalt. Der Informant ist tot. Und wir sind kaum davongekommen."
Alina spürte ein krankhaftes Gefühl der Angst. "Was machen wir jetzt?"
Damons Kiefer spannte sich an.
"Jetzt?" Er atmete langsam aus.
"Jetzt hören wir auf zu warten."
Alina runzelte die Stirn. "Was meinst du?"
Damons Augen waren kalt, berechnend.
"Ich meine, wir tragen den Kampf zu ihm."