Kapitel 66
Ich hab nicht gewartet, bis Levy sich umdrehte und mich bemerkte. Meine Füße haben mich in Richtung von ihr gebracht, in einer Geschwindigkeit, die den Weltrekord brechen würde. Ich geb zu, dass es ganz schön impulsiv von mir war, ohne Plan in die Situation zu stürmen. Wir waren in der Öffentlichkeit; Die Frau konnte einfach „Vergewaltigung“ schreien und die Leute würden uns anstarren. Levy kannte all meine Moves. Er hat quasi mit mir trainiert, seit ich mit dem Kämpfen angefangen habe.
Es war ein harter Kampf, den man gewinnen musste, aber nur ein Schlag würde reichen, damit ich mich zufrieden fühle.
'Tamara, renn!' Levy hat sie angeschrien, als er aufstand, um mich aufzuhalten, aber ich hatte keinen Bock auf seinen Scheiß. Ihr Name war nicht mal echt. Diese Fake-Ass-Schlampe.
'Oh, heute nicht, du fettes Arschloch!' hab ich ihn angeschrien und ihm direkt in die Eier getreten, bevor er irgendwas machen konnte. Ich bin an Levy vorbei und direkt auf die Fake-Schlampe zugegangen.
'Du verdammte Schlampe!' hab ich sie angeschrien. Hab meinen Arm zurückgezogen und so fest geschwungen, wie ich konnte, um sicherzustellen, dass ich sie mit allem, was ich drauf hatte, schlug. Sie fiel zu Boden und ich saß auf ihr, hab sie fixiert und mich darauf vorbereitet, meine ganze angestaute Wut auf sie loszulassen.
'Du verdammte Fake-Ass-Schlampe! Nicht mal dein Name ist echt! Ist irgendwas an dir echt?' hab ich geschrien, und sie unerbittlich geschlagen, bis ich einen Schlag an den Kopf bekam und von ‚Kiara‘ fiel.
Ich war so damit beschäftigt, ‚Kiara‘ zu verprügeln, dass ich die eine Regel, die Bryant mich auswendig lernen ließ, als wären es die zehn Gebote, komplett vergessen habe. Etwas, was ich noch nie zuvor bei einem Kampf gemacht habe. Wende deinem Gegner niemals den Rücken zu.
Levy stand über mir. Trotz der Schmerzen in meinem pochenden Kopf, hab ich keine Sekunde gezögert, ihm die Füße wegzuziehen und mich aus dem Weg zu rollen. Ich hab nicht nachgesehen, ob er hingefallen ist oder nicht.
Ich hab Kiara angesehen und meine Augen verengt, ‚Ich bin noch nicht fertig mit dir‘, knurrte ich sie an. Zu meiner Überraschung grinst sie mich an.
'Dein dummes Arsch kann gar nichts, Süße.' Ich wäre fast wieder auf sie losgegangen, als Levy mich aufhielt, sich zwischen uns stellte und mich daran erinnerte, dass ich in der Unterzahl war. Meine Blicke huschten zwischen den beiden hin und her, bevor ich mich bückte, um meine Plastiktüte mit Eiscreme aufzuheben. Mein Adrenalin verließ mich und ich bekam höllische Kopfschmerzen von dem Schlag, den ich abbekommen hatte. Ich hab versucht, es wegzudrücken, bis ich nach Hause kam.
Ich bin rückwärts gegangen, um nicht noch mal den gleichen Fehler zu machen und einen von beiden aus den Augen zu lassen, bis ich ein Stück weg war. Ich hab meine Ohren offen gehalten, falls sie mir hinterherrannten und versucht hätten, mich auf dem Weg nach Hause zu überfallen.
Ich war nicht besorgt, dass sie mir dahin folgen würden, wo ich wohne. Sie wussten wahrscheinlich schon, wo ich wohne, schließlich ist Dom ihr Boss und so. Wenigstens haben meine Eiscreme-Babys die Szene unversehrt verlassen. Ich hab auf meine Klamotten geschaut, na ja, das war ja wohl ganz schön dreckig. Ich hab mir die Erde und das Gras gemerkt, die noch an meinem Shirt klebten, während ich versucht habe, abzuklopfen, was abgehen würde. Als ich endlich zu Hause war, hab ich mich in einen sauberen Pyjama gekleidet und eine der Eiscreme-Tuben geöffnet.
Ich hab versucht, die positiven Seiten zu sehen. Ich bin abwechselnd einen Löffel gegessen und hab die Tube benutzt, um die Beule zu versorgen, die sich an der Seite meines Kopfes bildete.
Na ja, wenigstens hab ich jetzt die Chance, mit Adam zusammen zu sein. Auf keinen Fall bin ich zurückgewichen, nachdem ich die wahre Identität von Kiara herausgefunden habe.
Ich sollte versuchen, künstlerisch zu sein und die Gesichter der Leute, die ich hasse, auf alle meine Boxsäcke zu malen. Das würde sicher helfen, die Wut aus meinem System zu bekommen, wenn ich das nächste Mal auf Gewalt zurückgreife, um mich zu beruhigen.
Übrigens, ich denke, dass die Begegnung vorhin mein Aufwärmen für das heutige Training ersetzt hat. Die Halbfinale finden in drei Tagen statt und ich wollte bereit sein. Ich würde es auf keinen Fall zulassen, jetzt zu verlieren. Ich war schon so nah an meinem Ausstieg aus diesem Leben. Das versau ich nicht.