Kapitel 10
Bestimmt hätten Nadinens Freunde wahrscheinlich dasselbe zu jedem gesagt, der das gemacht hätte, was Adele getan hatte; aber in ihrem Fall ist es anders. Heute bekam Adele die Chance, als ein 'normales' Teenager-Mädchen angesehen zu werden; um im Kino abzuhängen und neue Freunde zu finden. Stattdessen entschied sie sich, ihr Ticketgeld zu benutzen, um Eis für ein paar Kinder zu holen, die sie nicht einmal kannte; sich vollkommen bewusst, dass sie höchstwahrscheinlich negative Kritik dafür einstecken würde. Ihre Handlung wurde als seltsam oder dumm angesehen, anstatt als Selbstaufopferung oder reine Großzügigkeit und Freundlichkeit.
Als Nadine anfängt, aus der Schlange zu gehen, fragt Sarah schnell: "Wo gehst du hin?"
"Um mit Adele zu warten."
Janice fragt Nadine: "Aber was ist mit dem Film?"
"Den sehe ich ein anderes Mal."
Verärgert schnauft Sarah: "Ich wusste, dass es ein Fehler war, sie mitzunehmen."
Trish, die es schwer findet zu glauben, was passiert, fragt: "Meinst du das ernst? Du kommst wirklich nicht mit uns rein?"
Nadine blickt Adele an, die allein auf der Bank sitzt. "Ich kann sie hier draußen nicht allein lassen."
Nadine geht weg; während ihre Freunde sie, völlig ungläubig, dabei beobachten, wie sie die Straße überquert.
So verzweifelt darüber, dass sie ihre Chance, mit Nadine befreundet zu sein, vermasselt hat; bemerkt Adele nicht, wie sie auf sie zukommt.
"Hey."
Ein Ausdruck völliger Verblüffung ergreift Adeles Gesicht, als sie aufblickt und sieht, dass Nadine direkt vor ihr steht. "Ich…ich dachte, du würdest dir den Film ansehen?"
"Nee… den sehe ich ein anderes Mal. Also; während wir auf meine Mutter warten, willst du ein Eis holen gehen?" Sie beobachtet, wie Adele zum Boden blickt und sanft auf ihre Unterlippe beißt. "Was ist los, Adele; willst du kein Eis? Wir können stattdessen Pizza holen gehen."
Adele antwortet sanft: "Nein…ich will Eis…aber…" Sie beißt wieder auf ihre Lippe.
"Aber was?"
"Ich habe kein Geld mehr."
"Ich hab's. Komm schon."
Nadine geht auf den Eisstand zu, während Adele langsam von der Bank aufsteht und zurückbleibt; etwas Abstand zwischen ihnen haltend. Adele praktiziert dieses devotische Verhalten im Allgemeinen bei den meisten Leuten, denen sie folgt, als ihre Art, Respekt zu zeigen und ihre selbst wahrgenommene, vorgeschriebene Rolle als jemandem, der es nicht wert ist, in ihrer Gesellschaft zu sein, beizubehalten.
Dort angekommen wartet Nadine, bis Adele neben ihr steht. "Also, was bevorzugst du; Vanille oder Schokolade?"
Adele antwortet sanft: "Ich mag Erdbeereis."
"Okay." Nadine wendet sich an den Verkäufer am Fenster: "Zwei große Becher Erdbeereis, bitte."
Nachdem Nadine bezahlt hat, setzen sie sich an einen der Tische draußen. Adele stürzt sich mit dem überbordenden Enthusiasmus eines großäugigen Kindes auf ihr Eis; schaufelt große Kleckse des gefrorenen Leckerbissens heraus und stopft schnell Löffel um Löffel in ihren Mund, so schnell sie kann; so als würde sie darum wetteifern, fertig zu werden, bevor jemand vorbeikommt und es wegnimmt.
Nadine kichert: "Schmeckt's?"
Adele hört auf zu schaufeln, schluckt schnell die Ladung Eis, die in ihrem Mund steckt, und antwortet: "Richtig gut. Danke."
"Gern geschehen."
Während Adele auf die gleiche Weise weiter isst; pickt Nadine ein wenig an ihrem Eis herum, bevor sie fragt: "Adele…darf ich dich was fragen?"
Adele hält gerade so lange inne, um zu murmeln: "Äh-huh"; und isst dann weiter.
"Wenn du nur genug Geld für dein Ticket hattest; warum hast du dann diesen Kindern Eis gekauft?"
Adele hört auf zu essen, starrt aber weiterhin in ihren Becher, während sie antwortet: "Weil ich weiß, wie sich das anfühlt."
"Wie was sich anfühlt?"
Immer noch nicht aus dem Becher aufblickend, sagt sie Nadine: "Etwas nicht haben zu können, das man gerne hätte…"
Adele verstummt, während ein melancholischer Ausdruck ihr Gesicht erfasst. Nadine spürt, dass Adele mehr zu sagen hat; also beschließt sie, darauf zu warten, bis sie fertig ist. Sie wartet nicht lange, bevor Adele hinzufügt…
"Und wegen etwas ausgelacht zu werden, für das man nichts kann." Sie verstummt wieder, schaut immer noch in den Becher; und gibt dann zu: "Es fühlt sich nicht gut an. Es tut weh."
Sie blickt zu Nadine auf, mit einem traurigen Ausdruck auf ihrem Gesicht, dann dreht sie sich um und beginnt langsam zu essen; ohne den früheren Enthusiasmus von zuvor.