Kapitel 9
Der erste fiese Knilch fragt sie: „Wo ist euer Eis?”
Der zweite fiese Knilch weist gemein drauf hin: „Die sind arm…die können kein Eis bezahlen.”
Der dritte fiese Knilch verhöhnt: „Ja…ihr könnt euch dieses Eis nicht mit Essensmarken kaufen…stimmt’s, arme Kinder?”
Der erste fiese Knilch fängt an, seine Eistüte vor ihren Gesichtern zu schwenken und neckt: „Och; das ist ja doof…” dann nimmt er einen langen Zug und fährt fort: „weil dieses Eis so gut schmeckt.”
Der zweite fiese Knilch nimmt einen Zug von seiner Tüte und stimmt gehässig zu: „Stimmt.”
Sie gehen weg und essen ihre Eistüten; lassen den Bruder und die Schwester auf dem Bordstein zurück, die deprimiert aussehen.
Das hat Adele tief getroffen. Sie kann sich nur vorstellen, wie sie sich von innen fühlen müssen; denn sie war selbst schon viel zu oft dort.
Sie verlässt sofort die Schlange und geht auf sie zu.
Sarah fragt Nadine: „Wo geht sie denn hin?”
Nadine dreht sich um. „Ich weiß nicht.”
Adele setzt sich neben sie auf den Bordstein. „Hi; ich bin Adele. Wer seid ihr?”
Der Junge antwortet: „Ich bin Bobby. Das ist meine Schwester Ellie.”
Sie schüttelt ihre Hände. „Schön euch kennenzulernen, Bobby und Ellie. Sagt mal; mögt ihr Eis?”
Sie nicken verdrossen mit dem Kopf.
„Wollt ihr welches?”
Die Geschwister schauen sich an; dann schaut Ellie wieder auf die Straße, während Bobby sich Adele zuwendet und sie informiert…
„Können wir nicht…” er schaut beschämt nach unten, „wir sind arm. Wir haben kein Geld.”
„Na ja…ich hab Geld. Ich kaufe euch Eis, wenn ihr wollt.”
Beide schauen sie sofort mit strahlenden Gesichtern an. „Kommt; lasst uns welches holen.”
Nadine schaut zu, mit einem breiten Lächeln auf ihrem Gesicht, wie die beiden Kleinen Adele freudig über die Straße zum Eisstand folgen.
Als sich das Kartenfenster öffnet, bemerkt Sarah: „Nadine…wenn Mutter Theresa fertig ist, die Massen zu füttern…die Schlange bewegt sich. Sie muss wieder hierherkommen.”
Nadine ruft: „Adele…komm; wir machen uns fertig, um reinzugehen.”
Adele sagt zu den Geschwistern: „Ich muss jetzt los. Wir sehen uns.”
Sie fängt an wegzugehen, wird aber schnell von Ellie aufgehalten; die Adele am Arm packt und zu sich herunterzieht. Ellie wirft ihre Arme um Adeles Hals und flüstert ihr ins Ohr…
„Danke, Adele.”
Ein weiteres Lächeln erscheint auf Nadines Gesicht, als sie sieht, wie das kleine Mädchen Adele loslässt und ihr ein riesiges Lächeln schenkt.
Adele geht langsam zurück zum Theater. Als sie dort ankommt, sagt Sarah zu ihr…
„Adele, stell dich wieder an; wir sind fast am Fenster.”
Adele bleibt außerhalb der Schlange stehen; und ist einen Moment lang still.
Sie sagt schließlich…
„Passt schon…ich hab’s mir anders überlegt.”
Sarah wendet sich sofort an Nadine. „Wovon redet sie…sich’s anders überlegt? Nadine?”
„Adele; was ist denn los?”
„Nichts…ich…ich will den Film nicht sehen; das ist alles. Ich warte einfach hier draußen.”
„Zwei Stunden lang? Du kannst doch nicht…”
„Ist okay. Es macht mir nichts aus, zu warten.”
Plötzlich dämmert es Nadine. „Warte mal…hast du dein ganzes Geld ausgegeben, um das Eis zu kaufen?”
Adele schaut zu Boden und schweigt. „Hast du…nicht wahr?”
Immer noch auf den Boden schauend, nickt Adele.
Sarah, die nicht glaubt, was sie gerade gehört hat, ruft aus: „Oh mein Gott; das ist doch wohl ein Witz. Also hast du kein Geld mehr für den Film?”
Janice kritisiert: „Das war dumm.”
Trish stimmt schnell zu: „Ja; war es.”
Nadine blickt die drei finster an. „Leute.” Sie wendet sich an Adele: „Ist okay; ich kaufe dein Ticket.”
Adele schaut Nadine an, dann dreht sie sich um und sieht die verurteilenden Blicke, die Nadines Freundinnen ihr zuwerfen. „Ist schon gut, Nadine; ich warte lieber draußen, bis deine Mutter kommt.”
Adele geht betrübt über die Straße und setzt sich auf eine Bushaltestellenbank.
Wieder einmal hatte Nadine Wilson immer ein weiches Herz für Adele Wilson; aber nachdem sie heute Zeuge der Opferung geworden war, die Adele dort gebracht hatte, hat sich dieses frühere Gefühl, das man am besten als bloßes Mitleid für Adele beschreiben kann, in tiefe Bewunderung für sie verwandelt. Nadine erkennt, dass Adeles Opfer mehr war als nur, dass sie keinen Film sehen konnte; sondern eines, das viel monumentaler war.