Kapitel 63
„Also daher hab ich’s“, grübelte ich still in meinem halb amüsierten Zustand. Ich schüttelte den Kopf auf die Frage meines Vaters.
„Ist nichts, Papa. Mir geht’s gut“, betonte ich das Wort ‚gut‘, um es rüberzubringen, aber das hat seine Neugier nur noch mehr angeheizt.
„Nein, Prinzessin. Wir fahren jetzt sofort zu dem jungen Mann. Ich werde nicht einfach zusehen, wie meinem kleinen Mädchen das Herz von irgendeinem schwulen Idioten in zwei Teile gerissen wird.“
Mein Papa hat diese komische ‚Theorie‘ oder Schlussfolgerung, wenn man so will, dass jeder, der seine kleine Prinzessin abweist, schwul sein muss. Andererseits, ich habe so hart über seine kleine ‚Theorie‘ gelacht, dass ich ihn nicht mal korrigiert habe.
„Nein, Papa, niemand hat mir das Herz gebrochen. Ich erzähl dir, was mich beschäftigt, wenn wir zu Hause sind. Lass uns zuerst dein Gepäck in den Kofferraum packen, okay?“ Das war mehr eine Feststellung als eine Frage, und ich wartete nicht auf eine Antwort.
Ich nahm meiner Mama die Last ab, einschließlich ihrer Handtasche, und trug ihr Gepäck zum Parkplatz. Es war nicht so, dass ich ihnen nicht erzählen wollte, was passiert war, ich hatte nur zu viel Angst, dass ich einen Nervenzusammenbruch haben würde, sobald ich darüber anfing zu reden. Es war eine Stunde Fahrt, aber als wir endlich ankamen, wollte ich nichts mehr, als weiter zu Adams Haus zu fahren, um sicherzustellen, dass nichts Hektisches passiert war, während ich weg war.
Die Kleinen haben nur geweint, und Adam war noch distanzierter geworden als je zuvor. Preston hat alle ausgeschlossen, buchstäblich. Alles, was er in letzter Zeit getan hat, war, Songs in seinem Zimmer zu ballern und so zu tun, als wäre er ein Vampir; er ging überhaupt nicht aus seinem zugschnürten Zimmer raus. Jerry versuchte alles, was er konnte, um seinen Kindern zu helfen, aber ein Mann konnte nicht so viel tun. Er versuchte, ein Beispiel zu geben, versuchte, fröhlich zu sein und lud sie ein, in einen Vergnügungspark zu gehen, um Spaß zu haben, aber es war zu viel für die Kinder.
Ich machte mir immer mehr Sorgen, als die Tage vergingen, und ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich wusste nicht, warum Carla dachte, ich könnte etwas Freude in die trauernde Familie bringen, weil ich es nie getan hatte. Ich war noch nicht mal ganz über Bryants Tod hinweg, und sie bittet mich, ihrer Familie zu helfen.
Meine Hand fuhr hin, um den Smaragdstern zu liebkosen, der da hing, wo mein Herz liegt. ‚Gott, wenn du gerade zuhörst, bitte stell sicher, dass Carla da oben richtig behandelt wird. Ich glaube, dass du fair bist, also lass sie bitte an ihrem rechtmäßigen Platz da oben wohnen.‘
„Case? Geht’s dir gut? Komm her und setz dich und erzähl uns, was dich so fertig macht. Du merkst doch, dass dein Make-up verschmiert ist, oder?“ Ich fluchte unter meinem Atem und erinnerte mich plötzlich, warum ich Augen-Make-up noch nie mochte.
Meine Augen juckten leicht, und ich neige dazu, sie unbewusst zu reiben, da ich nicht gewohnt bin, Make-up zu benutzen. Ich muss es abgerieben haben, als ich spürte, dass mir Tränen in die Augen stiegen. Ich fügte mich den Forderungen meiner Eltern und setzte mich auf das Sofa, „Will jemand heiße Schokolade?“
Was? Das liegt in der Familie. Heiße Schokolade ist ein Muss.
Mein Papa hob die Hand, bekam aber einen ordentlichen Klaps auf den Kopf von meiner Mama, wodurch die Hand fiel und stattdessen seinen Kopf rieb, während er den Blick meiner Mutter abbekam.
„Was?“
Sie nickte in meine Richtung.
„Aber ich will heiße Schokolade“, jammerte er, und ich hätte fast über die komische Szene vor mir gelacht. Es war, als hätten sie erst gestern geheiratet.
Sie beruhigten sich schließlich und schenkten mir ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, mein Papa versuchte ernst zu gucken und scheiterte kläglich. Ich hätte fast gelacht, aber der strenge Blick meiner Mama stoppte mich. Ich räusperte mich und versuchte, mich auf ernst zu stellen und das lachende Gesicht meines Papas im Hinterkopf zu verstauen.
„Also, äh... hier ist die Sache. Ich hab einen Freund.“
Der leichte und scherzhafte Glanz in den Augen meines Vaters schien in einer Nanosekunde zu verschwinden, und meine Finger zappelten in Angst. Ich wusste nicht, wie er reagieren würde, da dies meine erste Beziehung war, und ich wurde langsam ängstlich durch die Stille, die folgte.
„Du was...?" Fragte er leise, und meine Mama übernahm sofort die Kontrolle über die Situation, indem sie seine Hand nahm und in ihrer drückte, und ihm etwas ins Ohr flüsterte, das ihn tief durchatmen ließ. Sie sah mich an und forderte mich auf, weiterzumachen. Ich atmete noch einmal tief durch und sagte mir, ich solle das hinter mich bringen; auf drei.
„Er heißt Adam, er hat drei weitere Geschwister, und seine Mutter ist vor ein paar Tagen gestorben. Ich besuche sie oft, während ihr weg wart, und bin sogar im Gästezimmer übernachtet, allein.“ Ich versuchte, ‚allein‘ richtig zu betonen, um sicherzustellen, dass es bei ihnen ankommt. Es schien die Meinung meines Vaters über irgendetwas nicht zu ändern. Er starrte immer noch den Armlehner an, als hätte er sein Lieblingstier getötet. Meine Mama war eine ganz andere Geschichte.
Sie hat den Teil erwischt, von dem ich mir gewünscht hätte, dass sie ihn nicht erwischt, aber der Schaden war angerichtet, und ich konnte sehen, wie ihre Augen wässrig wurden.
„Oh, der arme Junge.“
Ich nickte und spürte, wie meine eigenen Tränen sich in meinen Augen sammelten. Mein Papa stöhnte beim Anblick von uns, wie wir unsere Tränen unterdrückten, und sprang auf.
„Oh was zum Teufel, warum sitzen wir hier noch rum und sind am Heulen; Case, hol den Picknickkorb. Lia, hol die Schlüssel und meine Brieftasche, wir gehen zum Supermarkt.“ Ich hob den Kopf und warf ihm einen Blick voller Unglauben zu. Ich hatte ihm gerade erzählt, dass die Mutter meines Freundes gestorben war, und er plante, mit uns einkaufen zu gehen?
Und ja, ich sagte Freund. Er hat mich vielleicht ein paar Tage vor dem Anruf aus dem Krankenhaus gefragt. Er war auch wirklich lieb, hat mir Blumen gekauft und uns zu einem Campingausflug mit dem ganzen unter den Sternen schlafen Zeug mitgenommen. Ich mag zwar Klischees hassen, aber wenn ein Typ, der so heiß ist wie Adam, das mit dir macht, gibt es nur eine Antwort: Eierstöcke explodieren.
Ich stehe auf diesen Typen, und ich schäme mich überhaupt nicht dafür. Er ist schließlich mein Freund, oder? Warte, ich darf so denken, oder?
„Prinzessin, wir gehen!“ Ich war schnell wieder raus und rannte in die Küche. Ich öffnete einen der Schränke, in dem meine Mama normalerweise den Picknickkorb aufbewahrt, schnappte mir den geflochtenen Korb und rannte aus dem Haus.
Als ich im Auto saß, trat mein Papa drauf, und wir waren unterwegs zum Supermarkt.
„Papa, was machen wir?“ Fragte ich neugierig, ein fremdes Gefühl, das mich traf.
„Ich werde dem Jungen, der meine kleine Tochter ohne meine Erlaubnis gefragt hat, einen freundlichen Besuch abstatten.“
Oh Scheiße. Nun, wenigstens kann ich die Kinder sehen... oder?