Kapitel 100
Der Jeep verließ die Stadt und das geschäftige Treiben, der Lärm des Marktes und der Staub verschwanden langsam, ersetzt durch weite Graslandschaften.
Im Dezember war die Serengeti erfüllt vom feuchten Duft der Erde, ein Zeichen für das üppige Gras und das Ansteigen der Seen, fast wie ein Vorspiel für die bevorstehende Tierwanderung. In der Nähe des Mara-Flusses hatten sich Gnuherden versammelt, Zebras folgten dicht dahinter, Flusspferde tauchten im Wasser unter, Krokodile lagen am Ufer und Löwenrudel kreisten leise, der Duft der Jagd sammelte sich heimlich auf dem stillen Land.
Tierische Skelette lagen über die Staubstraße verstreut, einige noch frisch, während andere längst zu trockenen Überresten verwittert waren. **Winnie Loxley** konnte die Überreste nicht sofort identifizieren, aber **Van Marlowe** erklärte geduldig: "Das sind Gnu-Knochen, das ist von einem Büffel, und der Hügel aus roter Erde daneben ist eigentlich ein Termitenhügel."
Das Fahrzeug fuhr weiter in die Graslandschaft hinein, die weite Aussicht wurde nur durch das Geräusch des Windes unterbrochen, der durch das Gras rauschte. Abgesehen vom Führungsfahrzeug gab es keine anderen Konvois in Sicht. Die Umgebung war völlig still.
**Winnie Loxley** konnte nicht anders, als den Schal auf ihren Schultern fester zuzuziehen. Es war nicht nur die Kälte; da war auch ein Gefühl der Unruhe. Die holprigen Erschütterungen des Fahrzeugs machten sie wieder schwindlig, die Müdigkeit vom langen Flug kehrte zurück.
Das vorausfahrende Führungsfahrzeug verlangsamte sich, und **Winnie Loxley** hörte schwaches Englisch über das Walkie-Talkie. Obwohl sie nicht alles verstehen konnte, vermutete sie, dass es ein Signal war, auf der rechten Seite vorsichtig zu sein.
Sie runzelte die Stirn, eine Welle der Übelkeit stieg in ihrem Magen auf. Sie unterdrückte das Unbehagen und sagte leise: "Ich... ich will aus dem Auto raus."
**Van Marlowe** runzelte leicht die Stirn und neckte sie lächelnd: "Gehst du etwa die Löwen füttern?"
**Winnie Loxley** packte seinen Ärmel und versuchte, den Brechreiz zu unterdrücken. Ihr Gesicht wurde bleich, und sie stieß ein schmerzhaftes Stöhnen aus.
Die Bedingungen auf den Graslandschaften waren viel rauer, als sie sich vorgestellt hatte. Raubtiere lauerten überall, und den Kopf aus dem Fenster zu stecken, war eine extrem gefährliche Aktion. **Van Marlowe** seufzte tief und zog unauffällig sein Jackett aus. "Du kannst dich gleich hier übergeben."
Dies war ein Anzug, der von dem besten Schneider der Savile Row sorgfältig zugeschnitten worden war, und sich vorzustellen, wie der alte Londoner Schneider herausfand, dass sein Meisterwerk zu einer Kotztüte geworden war, reichte fast aus, um ihn ohnmächtig werden zu lassen.
**Winnie Loxley** zögerte nicht, das Jackett zu nehmen, und das Geräusch ihres Erbrechens entwich unkontrolliert.
Sie verspürte einen Stich des Bedauerns in sich. Sie hatte sich auf den Anzug ihres Wohltäters übergeben und sich vor ihm zum Narren gemacht... Aber bald überflutete sie eine Welle der Erleichterung, als ob all ihr Unbehagen mit dem Erbrochenen verschwunden wäre.
**Van Marlowe** reichte ihr zwei Taschentücher, sein Gesichtsausdruck zeigte leichte Abscheu.
**Winnie Loxley** sah ihn mitleidig an. "Ich putze den Anzug und bringe ihn dir zurück..."
**Van Marlowe** lehnte kurz ab: "Brauchst du nicht."
"Das ist ja doof—ugh—" Bevor sie ihren Satz beenden konnte, drehte sie sich weg und übergab sich weiter.
**Van Marlowe** schloss die Augen, die Brauen leicht gerunzelt, und wirkte etwas ungeduldig.
"Miss **Loxley**", es war lange her, dass er sie so förmlich nannte, "Reden, wenn du fertig bist."
**Winnie Loxley** antwortete schwach: "Ich bin fertig, wirklich..."
**Van Marlowe** öffnete mit etwas Ungeduld eine Wasserflasche und sagte sanft: "Spül deinen Mund aus."
**Winnie Loxley** gehorchte, obwohl der widerliche Geschmack noch in ihrem Mund hing, aber sie tat es.
**Van Marlowe** warf einen Blick auf sie, streckte seinen Finger aus, um auf eine Seite des Autos zu zeigen, und sagte kalt: "Setz dich weiter weg."
**Winnie Loxley** war einen Moment lang fassungslos und murmelte leise vor sich hin: "Er hat also einen Putzfimmel... Ist mir vorher nie aufgefallen." Aber wenn sie an sein Lebensumfeld dachte, machte es Sinn.
Sie stieß ein kleines, gedämpftes Geräusch aus, wie ein kleiner Hund, voller Gram.
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Es war 16 Uhr in Tansania, und zu Hause war es 21 Uhr - genau die Zeit, in der ihre Geburtstagsparty stattfinden sollte.
In den sozialen Medien tauchte automatisch eine Geburtstagserinnerung auf. **Winnie Loxleys** Kommentarbereich war überflutet mit Glückwünschen, und ihre Fans hatten eine niedliche und glamouröse Textwand erstellt. Ihr Fanclub postete auch Bilder von den Leuchttafeln, die sie für sie vorbereitet hatten.
Auf dem Leuchttafelschild war ein kronenförmiger Look zu sehen, den sie vor einem Jahr auf dem roten Teppich trug. Sie lächelte nach unten, als würde sie gekrönt werden. Das war das Jahr, in dem sie einen Grand Slam in Film und Fernsehen erreichte, mit den Augen auf Cannes gerichtet und unendlichen Erfolg genoss. Das war schon vor zwei Jahren.
**Winnie Loxley** verschwand an ihrem Geburtstag selten.
Sie würde gehorsam die von ihrer Firma organisierte Geburtstagsparty besuchen, eine Reihe von Fotos machen, sie nachdenklich auf IG posten und dann ernsthaft einen Wunsch äußern.
Ihr Wunsch war jedes Jahr derselbe: Mögen im neuen Jahr alle Wünsche wahr werden.