Kapitel 130
Eric hatte es vergessen. Genauso wie Van.
Heute sollte es bei der Heim bringung von Winnie um eine Entschuldigung gehen – wegen des geliehenen Geldes, wegen des Verschweigens von Wendys Identität und wegen der Verzögerung seiner Antwort in den letzten fünf Tagen, in denen er es versäumt hatte, die Dinge in Ordnung zu bringen. Er hatte sich Zeit genommen, um darüber nachzudenken, wie er es wiedergutmachen konnte.
Diese Bemühungen lagen jetzt unberührt auf dem Couchtisch im Gästezimmer.
Winnie saß auf dem Sofa, ihr Blick auf die kleine Gacha-Maschine vor ihr gerichtet.
Sie war zart, fast wie eine Spieluhr – ihre transparente Kuppel hielt die Kapseln eng zusammen, ihre kristallinen Farben reflektierten winzige Lichtblitze unter dem Schein des Kronleuchters.
Immer noch ungeduscht, starrte Winnie die Gacha-Maschine an und begann zu lachen – zuerst leise, dann lauter, ihre Knie zogen sich zusammen, als sie ihr Gesicht darin vergrub.
Van erinnerte sich, wie sie früher mit Gacha-Spielzeug spielte, wenn sie verärgert war.
Als Kind konnte sie es sich nicht leisten. Aber als sie älter wurde, konnte sie es endlich, die verlorene Zeit nachholend, Trost suchend, der ihr lange verwehrt worden war.
Wenn Van jetzt hier wäre, würde er sich am Rand aufstellen, eine Hand lässig in der Tasche, mit diesem charmanten Grinsen, und fragen: „Winnie, stimmt es, dass Gacha spielen dich glücklich macht?"
Winnie war sich nicht sicher, ob sie lachte oder weinte. Ihr Lächeln war strahlend, aber ihre Augen schimmerten mit unvergossenen Tränen.
Sie griff danach und drehte die kleine Kurbel an der Maschine.
Dem sanften Klicken der Zahnräder folgte ein scharfes Klingeln. Eine kristallklare Kapsel rollte aus der kleinen Öffnung.
Sie hob sie auf und saß breitbeinig auf dem Sofa. Tief durchatmend lächelte sie strahlend, als sie die Kapsel öffnete.
Drinnen lag ein blutroter Rubin, schwer und makellos, in ihrem Schoß.
Der quadratisch geschliffene Edelstein, etwa fünf Karat, leuchtete in einem feurigen Farbton – zu lebendig, zu perfekt. Selbst bei Christie's wäre er ein begehrter Schatz.
Ihr Lächeln wankte. Sie hielt den Rubin zwischen ihren Fingern und hob ihn hoch, um das Licht des Kronleuchters einzufangen.
Die fein geschliffenen Kanten des Edelsteins brachen scharfe, blendende Strahlen, die ihren Blick zu durchdringen schienen.
Sie beugte sich vor, legte ihn zurück auf den Tisch und drehte die Kurbel noch einmal.
Heraus kam eine weitere Kapsel.
Ein gelber birnenförmiger Diamant.
Ein pinkfarbener Zucker-Diamant.
Ein runder Smaragd.
Ein durchscheinender, farbloser Diamant.
...
Sie drehte immer weiter und öffnete eine nach der anderen.
Ein Edelstein. Dann ein weiterer.
Auf dem schwarzen Couchtisch bildeten die strahlenden Steine eine farbenfrohe Linie. Dann zwei Reihen. Dann eine ordentliche quadratische Formation.
Mit einem sanften Plop fiel eine Träne, landete auf den schillernden Juwelen und verschwamm zu einer schwachen Unschärfe – ein krasser Kontrast zu ihrem Glanz.
Winnie kniete auf dem Teppich, Tränen und Lächeln verschlungen, während sie sich auf die Lippe biss. Doch egal wie sehr sie sich bemühte, die Tränen flossen weiter.
Sie wusste nicht, wie viele Edelsteine sie geöffnet hatte, als plötzlich ein blauer Edelstein herausrollte.
Es war ein Ring.
Der Ring war von zarten, kristallklaren Diamanten umgeben, die wie Sterne glänzten, die den Mond umgaben.
Winnies Atem stockte, ihre Brust zog sich mit einem eisigen Stich zusammen, während ihre Augen noch feuchter wurden.
Dieser Ring – es war der erste, den Van ihr jemals gegeben hatte. Er barg die Erinnerung an diese Nacht. Mit diesem Ring hatte er ihr Herz gebunden – und das unausweichliche Schicksal, das sie verband. In Wut hatte sie ihn ihm zurückgegeben.
Er hatte ihr gesagt, er habe ihn verloren. Alles, was sie nicht wollte, würde er nie behalten.
Aber jetzt war er hier, immer noch strahlend vor Brillanz. Wie eine Träne aus den Tiefen des Ozeans lag er ruhig vor ihr.
Fast instinktiv steckte Winnie den Ring an ihren Finger. Sie senkte den Kopf, ihr Ausdruck war ruhig, fast frei von Emotionen.
Aber die Tränen wollten nicht aufhören. Egal ob sie blinzelte oder nicht, sie strömten weiter hinunter.
In der nächsten Sekunde hallten eilige Schritte hinter ihr wider.
Sie war zu lange gekniet; ihre Beine waren taub. Sie stolperte auf die Füße und trat versehentlich gegen die Ecke des Couchtisches. Schmerz schoss durch sie, ließ ihr Gesicht für einen Moment verzerrt erscheinen, aber sie hielt nicht an.
Sie rannte nach unten, bewegte sich wie ein Nachtwind – dringend, aber sanft.
Eric stand an der Tür und hielt einen Regenschirm. Als er sie sah, hellte sich sein Gesicht vor Überraschung auf. „Miss Loxley, warum ruhen Sie sich noch nicht aus?"
„Wo ist Herr Marlowe?" Winnie wischte hastig ihre Tränen ab und zwang sich, sich zu konzentrieren und ihre Umgebung zu verstehen.
„Er rudert."
„Ich werde ihn suchen!"
„Warte—" Eric hatte kaum Zeit, sie aufzuhalten, seine Stimme klang ihr mit einem Anflug von Hilflosigkeit nach. „Es wird regnen..."
Draußen hatte es bereits angefangen zu regnen. Der Nachtwind war warm, und der Regen sanft, fiel langsam und spärlich auf das Gras und die Blätter, wobei ein paar Tropfen auf Winnies Wangen landeten.
Ihr Tempo blieb schnell.