Kapitel 85
Winnie spürte, wie die Anspannung in ihr stieg, als sie an Vans anstrengenden Zeitplan der letzten Tage dachte. Sie realisierte, dass er wahrscheinlich weniger als vier Stunden pro Nacht geschlafen hatte. Sie öffnete die Tür und fing einen schwachen Schimmer von Müdigkeit in seinen dunklen, tiefen Augen auf. Sein Gesichtsausdruck war stumm, als ob bloße Willenskraft und die Zigarette zwischen seinen Fingern die einzigen Dinge wären, die ihn aufrecht hielten.
'Es tut mir leid', sagte er leise. 'Ich hätte mich wie ein Gentleman verhalten und dir sagen sollen, dass ich auf der Couch schlafe, aber...“ Er hob leicht die Hand, die die Zigarette hielt, und seine Finger streiften sanft Winnie's Wange. 'Ich bin einfach zu müde. Kannst du mir heute Abend verzeihen?'
Winnie nickte wortlos.
Van pausierte einen Moment, dann beugte er sich vor und küsste sie sanft. Es war ein sanfter, ruhiger Kuss, einer, der die Zeit anzuhalten schien. Obwohl es nicht leidenschaftlich war, war es tiefgehend und zog sie beide hinein.
Als der Kuss endete, war keiner von beiden außer Atem. Es war, als hätte sich die Welt um sie herum verlangsamt. Winnie lächelte schwach, ein Hauch von Triumph krümmte ihre Lippen. 'Also, ich kann dich doch dazu bringen, dich zu benehmen.'
Van schluckte leicht, ein Aufblitzen von etwas Komplexem kreuzte seine Augen. Der Kuss im Auto vorhin hatte nicht viel in ihm ausgelöst, aber jetzt spürte er, wie sich seine Zurückhaltung lockerte.
Er schob sie sanft weg, seine Stimme tief: 'Ich gehe duschen.'
Bald darauf erfüllte das Geräusch von fließendem Wasser den Raum, als Van das Badezimmer betrat.
Als Winnie am Fuß des Bettes vorbeiging, blieb sie stehen, ihre Augen zogen die Bank an. Das Ledermaterial war einzigartig – ein dunkles Grau, das fast unirdisch wirkte. Die Verarbeitung war makellos, ohne sichtbare Nähte oder Unvollkommenheiten, als wäre sie so geboren worden. Sie erkannte, dass dies eine extreme Form von Luxus war, bei der selbst das einfachste Objekt das Gewicht akribischer Kunstfertigkeit trug.
Auf dem Deck der Superyacht stehend, war sie von der Leere und der surrealen Qualität getroffen, die hinter ihrem verschwenderischen Glanz zu verweilen schien. Es erinnerte sie an die Geschichten, die sie gehört hatte – Geschichten von Menschen, die ihre Identität für Reichtum oder Ansehen aufgaben, von Frauen, die sich dazu entschieden, Geliebte von Männern zu werden, die doppelt so alt waren wie sie, und sich für einen flüchtigen Geschmack von Luxus austauschten. Wo immer sie hinsah, schien dieselbe Botschaft widerzuhallen: Geld und Status waren keine Versprechen für Erfüllung; stattdessen konnten sie das Gewicht sein, das die Seele zermalmte.
In der Ferne zog ein Schnellboot durch das ruhige Meer, seine Lichter zeichneten eine helle Linie durch die Dunkelheit. Winnie blickte zurück auf die ersetzte Bank und spürte einen Stich von etwas Unnennbarem. Sie wandte sich dem Sofa zu und murmelte leise zu sich selbst: 'Das alles – war es das jemals wirklich wert?'
Als Winnie das Badezimmer betrat, erfüllte das sanfte Geräusch von Wasser, das aus dem Duschkopf plätscherte, die Luft. Plötzlich unterbrach ein Klopfen an der Tür die Ruhe. Sie drehte sich um und blickte in Richtung Eingang.
Die Tür öffnete sich langsam, und ein Diener trat ein und trug ein Tablett. Darauf stand ein Glas mit niedrigem Stiel mit Glühwein, aus dem reichem, rotem Wein stieg Dampf auf. Die aromatische Mischung aus Zimt, Nelken und Orangenschale wehte ihr entgegen.
Winnie zögerte vor mildem Erstaunen. Der Diener sagte etwas in einer Sprache, die sie nicht verstand, was sie dazu veranlasste, das Glas mit einem einfachen 'Danke' anzunehmen.
Sie hatte eine besondere Vorliebe für Glühwein. Im Winter, wann immer sie nach einem Dreh Freizeit hatte, braute sie sich eine Tasse, um einen Moment der Ruhe zu genießen.
Kurz darauf kam Van aus dem Badezimmer. Er entdeckte sie auf dem Sofa sitzen, eine Hand hielt das Weinglas, die andere scrollte durch ihr Handy.
'Nachtservice auf der Yacht?' fragte sie, als sie aufstand. 'Oh, warte – haben sie vergessen, dir eins zu bringen? Oder...“ Sie zögerte, die Erkenntnis dämmerte. 'War das für dich gedacht? Sorry, sorry, ich dachte nicht...'
Van, der sich noch die feuchten Haare abtrocknete, schenkte ihr ein schwaches Lächeln. 'Es gehört dir. Aber wenn es meins wäre und du es wolltest, trink es einfach. Du brauchst dich nicht zurückzuhalten.'
Sein Oberkörper war entblößt, mit einem Handtuch locker um die Taille gewickelt. Normalerweise war sein Aussehen in formellen Umgebungen akribisch poliert – seine Anzüge waren perfekt geschneidert, seine Hemdkragen bis zum Kragen zugeknöpft und seine Krawatten präzise geknotet. Er strahlte Zurückhaltung und Eleganz aus, seine langen Finger und sein ausgeprägter Adamsapfel lösten oft stille Bewunderung aus.