Kapitel 97
Die Tür knallte hinter ihnen zu, und im nächsten Moment fand sich Winnie fest von Van an sie gedrückt wieder.
Der Aktenschrank war leer, erfüllt vom muffigen Duft alter Papiere und Archive. Staubpartikel schwebten sanft im Sonnenlicht, das durch das Fenster fiel.
Winnie wurde so tief geküsst, dass ihre Kraft zu schwinden schien, ihr Körper kollabierte in Vans Umarmung. Ihr Rücken drückte sich fest gegen die Tür, als sie nach und nach nach unten rutschte, nur um von den starken Händen des Mannes fest gehalten zu werden. Seine breiten, warmen Handflächen stützten ihre Hüften, seine Finger übten genau die richtige Menge an Kraft aus, die Textur seines Griffs strahlte eine unbeschreibliche Intensität aus.
Vans Selbstbeherrschung schien sich völlig aufgelöst zu haben. Er dachte, er könnte sich im Zaum halten, aber in dem Moment, als er sie sah, brach all seine Zurückhaltung wie ein Damm, der unter unaufhörlichem Druck platzte. Er hatte geglaubt, er könnte ihre Abwesenheit ertragen, sich mit Arbeit oder gelegentlichen Zigaretten in kurzen Momenten der Reflexion ablenken. Aber er hatte nicht geahnt, wie tief seine Sehnsucht Wurzeln geschlagen hatte, wie unkontrollierbar sie geworden war. Er beeilte sich, seine Reiseroute zu beenden, komprimierte seinen Zeitplan und eilte zurück. Doch selbst mit seinen Bemühungen kam er immer noch zu spät.
Die drückende Hitze und Feuchtigkeit Tansanias, kombiniert mit seinem unerbittlichen Tempo, hatten seiner Gesundheit zugesetzt. Seine Erkältung hatte sich so verschlimmert, dass sie nicht länger ignoriert werden konnte. Der Privatarzt des Hotels hatte ihm geraten, sich auszuruhen und die gesamte Arbeit vorübergehend einzustellen. Und trotzdem hatte er sich nicht vorgestellt, dass Winnie hier sein würde – zerzaust, aber strahlend, die Wärme des Sonnenlichts und einen fesselnden Duft verströmend, eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausstrahlend. Die Wärme ihres Atems gegen seine Lippen löste seine restliche Fassung auf.
Winnie neigte ihren Kopf leicht und begegnete Vans leidenschaftlichen Küssen. Ihr Herz hämmerte wild in ihrer Brust und drohte, jeden Moment herauszuspringen. Sie war nicht ganz machtlos und nutzte ihre schwache Kraft, um sich wie eine zerbrechliche Taube gegen ihn zu stemmen, die versuchte, zu entkommen. Aber egal wie sehr sie sich bemühte, sie konnte sich nicht befreien.
Vans Küsse wurden leidenschaftlicher, verzweifelter. Sie gab schließlich nach, ihr Widerstand schwand, als ihr Körper sich gegen seine Schulter weich machte. Ihre Augen flatterten zu, ihre Atemzüge kamen in schweren, unregelmäßigen Wellen.
Van tätschelte sanft ihre Schulter, küsste sie sanft am Ohr und flüsterte: "Ich höre jetzt auf."
Winnie schlang die Arme um seinen Hals, ihr Körper war leicht von Wärme gerötet. Inmitten ihrer schweren Atemzüge hörte sie leise die Geräusche draußen – das Brummen eines Jeep-Motors, die Rufe von Frauen, die ihre Waren verkauften, und das anhaltende Hupen von Motorradhupen in der Ferne.
Dieser Ort war voller Leben, viel realer und lebendiger als der Jubel auf einem roten Teppich.
"Du hast dich in den letzten zwei Tagen nicht gemeldet. Warum? Weil du die ganze Zeit im Flugzeug warst?" Vans Hand streifte leicht ihren Hals, seine warmen Fingerspitzen zeichneten die zarte Haut nach und schickten Schauer durch ihren Körper.
"Mm-hmm."
"Hast du deine Impfungen bekommen?"
"Habe ich. Ohne die hätte ich nicht hierher kommen können", antwortete Winnie gehorsam, ihre Stimme leicht heiser vom Weinen vorhin. "Aber ich habe meinen Pass, mein Portemonnaie und mein Handy verloren."
"Geht's dir aber gut?" Van schob sie vorsichtig aus seiner Umarmung und suchte sie nach Anzeichen von Schaden ab.
"Mir geht's gut. Es ist nur so, dass alles im Handumdrehen weg war, als ich auf den Bus wartete. Ich habe über eine Stunde auf diesen dummen Bus gewartet..." Winnie runzelte leicht die Stirn, ihre Frustration war offensichtlich.
Van konnte sich ein Kichern nicht verkneifen. "Wusstest du nicht? In Afrika sind nur Sonnenaufgang und Sonnenuntergang jemals pünktlich."
Winnie stieß ein leises Schnauben aus, ein Hauch von Verzweiflung in ihrem Ton. "Woher sollte ich das denn wissen?"
Sie verstand nicht viel von diesem Ort, aber angetrieben von purer Entschlossenheit holte sie sich ihre Impfungen, besorgte sich ihr Visum und wagte sich allein hierher. Die langen Flüge, begleitet von Erschöpfung und Unbehagen, ließen ihr nur eines zum Vertrauen – ein vertrautes Kissen, an das sie sich zur Beruhigung klammern konnte.